Rhenania Porzellanfabrik

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Rhenania Porzellanfabrik GmbH
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1904, 1908, 1935
Auflösung 1958
Sitz Duisdorf, Bonn, Deutschland
Mitarbeiterzahl etwa 200 (1935)
Branche Porzellan

Die Rhenania Porzellanfabrik GmbH war ein im Bonner Stadtteil Duisdorf ansässiger Hersteller von Porzellan. Zwischen 1904 und 1958 wurde hier insbesondere Hotelgeschirr und Zierporzellan produziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keramische Werke G.m.b.H. (1904–1908)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1904 gründeten (Johann) Carl und sein Halbbruder (Ferdinand) Eduard Schumann aus Arzberg in Oberfranken die Keramische Werke G.m.b.H. in Duisdorf. Erfahrungen bei der Porzellanherstellung hatten sie im Elternhaus gesammelt. Der Vater Heinrich hatte 1881 die Porzellanfabrik Schumann & Riess gegründet. Als er 1884 starb, bestimmte er den erst 21-jährigen Carl zu seinem Nachfolger. Ab 1892 hieß die Firma Porzellanfabrik Carl Schumann G.m.b.H. & Co. K.G. Da die Geschäfte gut liefen, wurde in Duisdorf ein zweites Werk errichtet.[1][2] Das Fabrikgelände befand sich direkt am Bahnhof (Alter Heerweg 2). 1906 firmierte das Unternehmen als Eduard Schumann Porzellanfabrik.[3] Die Fabrik beschäftigte zu dieser Zeit 150 Arbeiter. Nachdem Eduard Schumann, der das Geschäftliche erledigte, im Jahr 1907 gestorben war, verkaufte Carl Schumann die Fabrik ein Jahr später an den Bonner Kaufmann Gustav Wahl. Das Stammkapital betrug damals 250.000 Mark.[4]

Als Porzellanmarke wurde in dieser Zeit eine blaue Unterglasur-Pinselmarke verwendet. Diese zeigt das Monogramm „KW“.

Westdeutsche Porzellanfabrik G.m.b.H. (1908–1935)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1908 kaufte Gustav Wahl die Firma von Carl Schumann. Sie war bei der IHK Bonn mit dem Handelsregistereintrag HRB 1196 gemeldet und diente der Fabrikation und Vertrieb keramischer und aller Verwandten in die keramische und Porzellanbranche fallenden Artikel. In dieser Zeit wurden zahlreiche Patente auf keramische Teile angemeldet, z. B. von Invertlampen. Seit 1912 firmierte die Fabrik als Westdeutsche Porzellanfabrik G.m.b.H. 1925 waren Gustav Wahl (kaufmännische) und Andrew Bayerwaltes (technische) Direktoren. Zuletzt beschäftigte das Werk 200 Mitarbeiter und fertigte vor allem Zugabe- und Reklameartikel.[5] Am 1. Juni 1935 wird Konkurs angemeldet und die Produktion eingestellt.

Die grüne Stempelmarke zeigt ein Wappen mit einem oben nach links laufenden Löwen, darunter im Wappen ein D, über dem Wappen eine Krone, links vom Wappen ein W und rechts ein P. Als Bodenmarke wurde in dieser Zeit auch die blaue Unterglasur-Pinselmarke verwendet (Monogramm WP). Formen der Keramische Werke GmbH wurden von der Westdeutschen Porzellanfabrik GmbH übernommen.

Porzellanmarke Rhenania Duisdorf
Porzellanmarke Rhenania Western Germany

Rhenania Porzellanfabrik GmbH (1935–1958)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. August 1935 ersteigerte die Rhenania Wirtschaftbetriebs GmbH aus Köln die "Westdeutsche Porzellanfabrik GmbH" und benannte sie in Rhenania Porzellanfabrik GmbH um. Alleiniger Inhaber war Georg Kettner. Am 30. Juni 1958 wurde die Fabrik geschlossen. Die Schließung erfolgte wegen veralteter Produktionsanlagen und fehlender Nachfolger.

Die dunkelgrüne Stempelmarke zeigt ein Wappenschild mit dem Schriftzug Rhenania darin, darunter ein nach links laufender Löwe. Über dem Wappenschild befindet sich eine Krone und unter dem Wappenschild steht Duisdorf oder Western Germany.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1906 wurden Kaffee- u. Tee-Service, Tassen, Dessert- und Kuchenteller, Krüge, Körbe etc. hergestellt. Spezialität der Fabrik waren Wandplatten, Hartporzellan-Verblender, Stanzartikel für Elektrotechnik. Exportiert wurden Salat- und Frühstückssets. Die Fabrik hatte eine eigene Malerei und Druckerei. Hergestellt wurde also vor allem Gebrauchs- und Zierporzellan. Die breite Palette umfasste Porzellan mit blauem Unterglasur-Dekor in Zwiebelmuster und Strohhalmdekor, goldverziertes Geschirr und Vasen des Art déco, schwarz-weißes Geschirr,[6] figürliche Darstellungen, Viezporzen bis hin zu Autovasen. In der Zeit des Wirtschaftswunders ist die Rhenania Porzellanfabrik durch ihr Hotelgeschirr bekannt geworden. Zwischen 1954 und 1957 erhielt sie vier Auszeichnungen durch die Zentralstelle zur Förderung deutscher Wertarbeit e.V., die jährlich eine „Sonderschau formgerechter Industrieerzeugnisse“ auf der Hannover Messe verantwortete. Die ausgezeichnete Modelle waren das Hotelporzellan Form 85 (1954, 1955), das Kaffee- und Tafelgeschirr Form Eva (1956), das die Fabrik 1950 bekannt machte, und die Teekanne Form 700 (1957). Ein Höhepunkt des künstlerischen Schaffens war die Zusammenarbeit mit Gerhard Marcks, der u. a. die Teekanne Tiergarten im funktionalistischen Stil entwarf.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adressbuch der Keram-Industrie 1925, Müller & Schmidt, Coburg.
  • Christine Doege: Rhenania Porzellanfabrik GmbH, Duisdorf-Bonn. In: Sabine Thomas-Ziegler (Hrsg.), Petticoat und Nierentisch – die Jugendzeit der Republik, Rheinlandverlag, Köln 1995. ISBN 3-7927-1514-7, S. 76 f.
  • Ludwig Danckert: Handbuch des Europäischen Porzellans. Porzellanfabrik Duisdorf, Prestel, München 1992, S. 143. ISBN 3-7913-1173-5.
  • Dieter Zühlsdorf: Markenlexikon, Porzellan- und Keramik-Report 1885-1935, Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1988, S. 494. ISBN 3-925369-00-7.
  • Rhenania und Lapitesta. Porzellan und Keramik aus Duisdorf, Ausstellungskatalog 2014.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arzberg (auf Porcelain Marks and More, abgerufen am 19. November 2015
  2. Museum Europäischer Keramikkunst, abgerufen am 19. November 2015
  3. Adressbuch der keramischen Industrie., Müller, 1906, S. 228
  4. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Band 32, 1912, S. 2089.
  5. Fritz Redlich: Reklame: Begriff, Geschichte, Theorie. Enke, 1935, S. 218.
  6. "Heidewitzka" für ein Porzellanservice, abgerufen am 20. November 2015
  7. Teekanne 'Tiergarten', 1932, abgerufen 20. November 2015