Preußische Central-Bodenkredit-AG

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Ehemaliges Geschäftshaus der Bank, Unter den Linden 26

Die Preußische Central-Bodenkredit-AG (Schreibweise ab 1901: Preußische Zentral-Bodenkredit AG) war eine deutsche Hypothekenbank. Sie wurde 1870 gegründet und bestand in dieser Form bis 1930.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der 1863 erlassenen preußischen Normativbestimmungen für Hypothekenbanken wurden deren Betrieb stark behindert. Die meisten Institute dieser Art entstanden daher außerhalb Preußens. Von den Bestimmungen ausgenommen waren die Frankfurter Hypothekenbank und die Preußische Central-Bodenkredit-AG.[1]

Die Bank wurde 1870 nach mehrjährigen Vorbereitungen als Hypothekenbank in Berlin gegründet. Dass dies gelang, war nicht zuletzt der Unterstützung des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck zu verdanken, den der Bankier Gerson Bleichröder für das Vorhaben gewonnen hatte.[2] Vorbild war die französische Crédit Foncier. Zu den Gründern zählten u. a. Abraham und Simon Oppenheim.[3] Zu den Mitbegründern gehörte auch Adolph von Hansemann und die von ihm geführte Disconto-Gesellschaft. Diese blieb stets im Aufsichtsrat der Bank vertreten.[4] Weitere Mitglieder im Gründungskonsortium waren Gerson Bleichröder, der Frankfurter und der Pariser Zweig der Familie Rothschild sowie die Crédit Foncier. Hansemann und Oppenheim traten an die Spitze des Aufsichtsrates. Unmittelbar nach der Gründung wurde die Bank in das Preußen- und Reichsanleihekonsortium (vergl. Preußen-Konsortium) aufgenommen. Mit 2,9 % der Anteile gehörte das Institut dabei zu den kleineren Teilhabern.[5] Bis 1872 konnte die Bank bereits für 22 Millionen Mark hypothekarische Pfandbriefe ausgeben.[6]

Zeitweise war die Preußische Central-Bodenkredit-AG das größte Realkreditinstitut in Deutschland und die größte Aktiengesellschaft für landwirtschaftliche Kredite. Sie gab hypothekarische Pfandbriefe aus und wurde vor allem von Großgrundbesitzern und Großbauern in Anspruch genommen. Wichtig war die Bank für die Mobilisierung westdeutschen Kapitals für die agrarischen preußischen Ostprovinzen.[7] Dadurch wurden die verschiedenen preußischen Landschaften entlastet. Keine nennenswerte Rolle spielte die Preußische Central-Bodenkredit-AG hingegen im deutsch-polnischen „Kampf um das Land“,[8][9] d. h. bei der von der Preußischen Ansiedlungskommission unterstützten Ansiedlung deutscher Zuwanderer in den Provinzen Posen und Westpreußen.[10]

Im Jahre 1930 wurde die Preußische Central-Bodenkredit-AG von der Preußischen Pfandbriefbank AG übernommen.[11] Im selben Jahr wurde diese in Deutsche Centralbodenkredit-AG umbenannt. 1947 wurde die Firma nach Oldenburg verlagert, später nach Köln.

Rechtsnachfolger ist die Hypothekenbank Frankfurt.

Bankgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1910 bis 1914 für die Bank erbaute fünfstöckige Gebäude Unter den Linden 26 steht unter Denkmalschutz.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Achterberg: Hundert Jahre Deutsche Hypothekenbank. Vom Wesen und Werden privater Hypothekenbanken in Deutschland. Deutsche Hypothekenbank, Bremen 1962, S. 55 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckhard Wandel: Banken und Versicherungen im 19. und 20. Jahrhundert. München 1998, S. 16 (online in der Google-Buchvorschau).
  2. Fritz Stern: Gold and iron. Bismarck, Bleichröder, and the building of the German empire. Knopf, New York 1977, S. 103.
  3. Sal. Oppenheim jr. & Cie., S. 4, auf der Webseite des Historischen Instituts der Deutschen Bank, abgerufen am 2. Januar 2016
  4. Biographie Adolph von Hansemann
  5. Werner Reiter: Das Bundesanleihekonsortium im Zusammenhang mit Gesamtwirtschaft, Staat, Banken und Kapitalmarkt. Wiesbaden 1967, S. 98f.
  6. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, 1849–1914. C.H. Beck, München, 2. Aufl. 2006, ISBN 3-406-32263-8, S. 90f. und 698.
  7. Joachim Mai: Die preussisch-deutsche Polenpolitik 1885/1887. Eine Studie zur Herausbildung des Imperialismus in Deutschland (= Veröffentlichungen des Historischen Instituts der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald, Bd. 1). Rütten & Loening, Berlin 1962, S. 129.
  8. Stanisław Salmonowicz: Preußen. Geschichte von Staat und Gesellschaft. Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, Herne 1995, ISBN 3-923371-13-6, S. 344.
  9. Lech Trzeciakowski: Pod pruskim zaborem 1850–1918. Wiedza Powszechna, Warschau 1973, S. 183f.
  10. Tadeusz von Jackowski: Der Bauernbesitz in der Provinz Posen im 19. Jahrhundert. Veit, Leipzig 1914, S. 79.
  11. Gerhard Müller: Bank-Lexikon. Handwörterbuch für das Bank- und Sparkassenwesen. Gabler, Wiesbaden 1953, S. 615.
  12. Eintrag im Berliner Bezirkslexikon, Mitte