Priraslomnaja

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

69.25171111111157.342969444444Koordinaten: 69° 15′ 6″ N, 57° 20′ 35″ O

Karte: Russland
marker
Priraslomnaja
Magnify-clip.png
Russland

Die Ölbohrplattform Priraslomnaja (russisch Приразломная) ist eine russische Förderplattform in der Petschorasee. Sie liegt in der ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands, rund 40 Kilometer vom russischen Festland entfernt. Eigentümer und Betreiber ist Gazprom Neft Schelf,[1] eine Tochter des russischen Energiekonzerns Gazprom.

Standort[Bearbeiten]

Priraslomnaja steht im Nordpolarmeer vor der russischen Küste an einer Stelle, an der die See nur 20 Meter tief ist. Die Rohstoffförderung in der Region ist schwierig, von November bis Juni haben Kapitäne mit massiven Behinderungen durch Eis zu kämpfen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Ölfeld Priraslomnoje wurde 1989 entdeckt. Gazprom vermutet unter dem Meeresboden ein Vorkommen von 72 Millionen Tonnen Öl, rund 6,6 Millionen Tonnen davon soll die Plattform „Priraslomnaja“ pro Jahr fördern. Das erste Öl wurde im April 2014 verschifft.[2]

Proteste[Bearbeiten]

Umweltschützer protestieren schon länger gegen die Pläne, eine Plattform in dem Seegebiet zu errichten, da eine Gefährdung des hochempfindlichen Ökosystems im Polarmeer bestehe. Kritiker behaupten, dass den russischen Firmen und Behörden jegliche Erfahrung mit Offshore-Förderung fehle. So soll Notfall-Equipment rund tausend Kilometer entfernt gelagert sein.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

2012[Bearbeiten]

Im Sommer 2012 hatten Greenpaece-Mitarbeiter die Bohrinsel bereits einmal geentert. Damals hielten sie die Plattform für 15 Stunden besetzt.[1]

2013[Bearbeiten]

Am Mittwoch den 18. September 2013 hatte sich die Arctic Sunrise der Förderplattform genähert. Auf Warnschüsse der russischen Küstenwache reagierte der Kapitän nicht.[3] Greenpeace-Aktivisten hielten mit fünf Schnellbooten auf die Anlage zu und versuchten anschließend, an der steilen Außenwand hinaufzuklettern. Dies wurde verhindert; von Greenpeace veröffentlichtes Bild- und Videomaterial zeigte, wie die Kletterer zunächst mit kaltem Wasser bespritzt und anschließend mit vorgehaltenen Waffen festgesetzt wurden. Es sei darum gegangen, die Sicherheit der Förderanlage zu gewährleisten, erklärte Michail Karpenko, Interimsleiter der Grenzverwaltung des FSB Russlands für das Gebiet Murmansk.[4] Greenpeace habe nicht auf Warnungen reagiert. Greenpeace beklagte, dass vier ihrer Schnellboote aufgeschlitzt worden seien. Zwei Umweltschützer, eine Finnin und ein Schweizer, wurden von den russischen Behörden in Gewahrsam genommen.

Am Nachmittag des folgenden Tages eskalierte die Situation. Die Arctic Sunrise kreiste zunächst drei Seemeilen von der Plattform entfernt und wurde von einem Küstenwachschiff mit der Registrierung „058“ verfolgt. Dann enterten Soldaten der Grenztruppen Russlands mit Hilfe eines Hubschraubers das Schiff, die gesamte Crew wurde festgenommen. Drei Besatzungsmitglieder konnten sich zunächst im Funkraum einschließen; die Satellitentelefone an Bord waren nicht mehr zu erreichen. Nach Greenpeace-Angaben hätten Besatzungsmitglieder auf dem Deck knien müssen und würden von Grenzsoldaten mit Waffen bedroht.

Greenpeace stellt das Vorgehen der russischen Küstenwache als illegal dar, weil in der ausschließlichen Wirtschaftszone das Seerechtsübereinkommen gültig sei.[5] Demgegenüber beurteilen Seerechtler den Vorgang differenziert: nach der SUA-Konvention sei bereits der Versuch, eine Plattform zu besetzen, eine Straftat.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nach Bohrinselangriff. Russische Küstenwache schleppt Greenpeace-Schiff nach Murmansk. RIA Novosti, 20. September 2013, abgerufen am 21. September 2013 (deutsch).
  2. Putin: Russland baut Beteiligung an Weltenergiemärkten aus. Stimme Russlands, 18. April 2014, abgerufen am 21. April 2014 (deutsch).
  3. Russlands Grenzschutz feuert Warnschüsse auf Greenpeace-Schiff. RIA Novosti, 18. September 2013, abgerufen am 21. September 2013 (deutsch).
  4. Greenpeace-Aktion: die Besatzung der Arctic Sunrise gibt kampflos auf. Stimme Russlands, 20. September 2013, abgerufen am 21. September 2013 (deutsch): „Die Aktivisten haben versucht, auf die Plattform „Priraslomnaja“ vorzudringen, und haben dabei die 500 Meter-Verbotszone um sie herum verletzt. Dabei wurde ein unbekannter Gegenstand transportiert, der entweder einem Sprengsatz oder einem Gerät für wissenschaftliche Untersuchungen ähnelte. All diese Handlungen verletzen Paragraph 36 des Gesetzeskodexes Russlands über Ausschließliche Wirtschaftszonen. Außerdem fallen sie unter Paragraph 253 des Strafgesetzbuches Russlands.“
  5. Christoph Seidler: Protest gegen Ölplattform. Russische Grenzschützer entern Greenpeace-Schiff. Spiegel Online, 19. September 2013, abgerufen am 21. September 2013.
  6. Christoph Seidler: Geentertes Greenpeace-Schiff. Im Griff der Grenzschützer. Spiegel Online, 20. September 2013, abgerufen am 21. September 2013.