Quod licet Iovi, non licet bovi

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Quod licet Iovi, non licet bovi (Iovi auch Jovi, deutsch: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt“) ist ein lateinischer Spruch ungeklärter Herkunft.

Herleitung und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jupiter (römische Kamee)
Ochsen im Gespann

Die ursprüngliche Herkunft der Sentenz ist nicht nachweisbar. Da in der Antike Binnenreime als Stilmittel unbekannt waren, kann der Spruch erst im Mittelalter entstanden sein. Häufig wird der Spruch dem lateinischen Komödiendichter Terenz (ca. 195/184 v. Chr. bis ca. 159/158 v. Chr.) zugeschrieben,[1] in dessen Werk er nicht nachweisbar ist. Allerdings stammt von Terenz das Zitat aliis si licet, tibi non licet („wenn es anderen erlaubt ist, so doch nicht dir“),[2] das bisweilen ebenso als Grundlage angesehen wird[3] wie die Terenzsentenz duo quom idem faciunt saepe, ut possis dicere ›hoc licet impune facere huic, illi non licet‹ („wenn zwei – wie oft – dasselbe tun, daß du dann sagen kannst: ›Das darf dieser hier, der andre nicht“) aus den Adelphoe.[4] Doch wird der Spruch auch mit Senecas quod licet Iovi, hoc regi licet („was dem Jupiter erlaubt, das ist dem König erlaubt“)[5] und Ciceros aliud homini, aliud bovi („eines dem Menschen, ein anderes dem Rindvieh“)[6] in Verbindung gebracht.[7]

Der Spruch stellt das Handeln Jupiters, des höchsten römischen Gottes, dem eines Rindviehs oder Ochsen gegenüber und spricht die aus ihrem jeweiligen Status resultierenden unterschiedlichen Befugnisse an. Folglich soll zum Ausdruck gebracht werden, dass bei der Bewertung von Handlungen nicht diese selbst, sondern der Handelnde im Vordergrund steht.[8]

Umgangssprachlicher Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine sachgerechte Deutung und Anwendung dieses Spruchs ist dadurch erschwert, dass der Kontext nicht bekannt ist. Überdies fallen manche Deutungsversuche aus dem eigentlichen Bildvergleich heraus und erlauben sich falsche Übersetzungen des lateinischen Spruchs[9] und/oder großzügige assoziative Abschweifungen, wie etwa den Vergleich von „Reichen“ (= Jupiter) und „Armen“ (= Ochsen).[10][11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Quod licet Iovi, non licet bovi“ in: Der Neue Herder, Von A bis Z, Zweiter Halbband: M bis Z, Herder: Freiburg im Breisgau 1949, Spalte 3453

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Quod licet Iovi, non licet bovi – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dudenredaktion (Hrsg.): Zitate und Aussprüche. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-411-04124-4, S. 460. (= Der Duden in zwölf Bänden - Band 12; Herkunft, Bedeutung und Gebrauch von 7.500 Zitaten von der Antike bis heute)
  2. Terenz, Heauton timorumenos 797.
  3. Muriel Kasper: Reclams lateinisches Zitaten-Lexikon. Reclam, Stuttgart 2014, S. 300.
  4. Terenz, Adelphoe 5,3,37–38; Annette Pohlke, Reinhard Pohlke: Alle Wege führen nach Rom: deutsche Redewendungen aus dem Lateinischen. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2001, S. 166.
  5. Seneca, Hercules furens 2,489
  6. Cicero, De finibus bonorum et malorum 5,9,26.
  7. Vergleiche Ernst Lautenbach: Latein–Deutsch: Zitaten-Lexikon. Quellennachweise. Lit-Verlag, Münster/Hamburg/London 2002, S. 412, der als gereimte deutsche Variante „Was ist erlaubt dem Leu, steht nicht dem Ochsen frei“ anführt.
  8. siehe auch Hubertus Kudla: Lexikon der lateinischen Zitate: 3500 Originale mit deutschen Übersetzungen. 2., überarbeitete Auflage. Beck, München 2001, S. 216 Nr. 1303.
  9. DUDEN Zitate und Aussprüche: Herkunft und aktueller Gebrauch 2011
  10. Werner Scholze-Stubenrecht, Wolfgang Worsch: Redewendungen: Wörterbuch der deutschen Idiomatik DUDEN Bibliografisches Institut 2015
  11. Klaus Schmeh: Das trojanische Pferd: klassische Mythen erklärt. Haufe-Lexware, 2007