Rödelseer Tor (Iphofen)

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Das Vorwerk des Rödelseer Tors

Das Rödelseer Tor ist eines der mittelalterlichen Stadttore der unterfränkischen Stadt Iphofen. Es liegt an der Nordseite des Ortes, an der alten Straße Richtung Rödelsee.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Iphöfer Umwehrung stammt aus dem Jahr 1293. Zu dieser Zeit existierte bereits ein Vorgängerbau des heutigen Tors. Das heutige Aussehen erhielt es unter der Herrschaft Fürstbischofs Johann III. von Grumbach im 15. Jahrhundert. Damals verband eine hölzerne Zugbrücke den inneren mit dem äußeren Turm, die 1827 durch eine einjochige Bogenbrücke ersetzt wurde.

Der innere Turm, auch Mittagsturm genannt, steht neben der Stadtpfarrkirche St. Vitus. Er hat einen quadratischen Grundriss und besteht aus Bruchsteinmauerwerk. Ein Bruch in der Architektur weist auf eine spätere Aufstockung um zwei Geschosse hin. Der Spitzhelm kann auf das ausgehende 15. Jahrhundert datiert werden. Auf der Stadtseite befindet sich das Wappen von Konrad III. von Bibra. Der Mittagsturm wurde lange Zeit als Gefängnis genutzt und diente zur Unterbringung von Verdächtigen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege listet den Turm unter der Nummer D-6-75-139-128.[1]

Das Vorwerk des Rödelseer Tors, ein halbrunder Turm mit Kegeldach und Torbogen, ist das Wahrzeichen der Stadt. Der 1455/1456 erbaute Turm ist mit Holzziegeln belegt und zur Stadt hin mit Fachwerk ausgestaltet. Vorne trägt er das Wappen Johann von Grumbachs.[2] Erweitert wurde der Turm mit einem Turmwärterhäuschen und einem Wohnhaus an der Seite. Ein „Schlupfpförtlein“ an der Außenseite ließ Verspätete in die Stadt, ohne dass das Tor geöffnet werden musste. Diese Barbakane wird vom Landesamt unter der Nummer D-6-75-139-135 verzeichnet.[3]

Antisemitische Tafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde am Rödelseer Tor im Frühjahr 1935 eine Tafel angebracht, für deren Gestaltung der Iphöfer Stadtrat hatte den Künstler Richard Rother beauftragt hatte. Unter einer Darstellung des Frankenapostels Kilian war folgender antisemitischer Spruch zu lesen:

O heiliger Sankt Kilian,/
Du wärst nu mol sou oug’sahn,/
Wenn du uns könntest behüten/
Vor Rabläus und vor Jüden!

Die Tafeln, an einem anderen Tor wurde eine weitere aufgehängt, führten zu gemischten Reaktionen im In- und Ausland und wurden von der Bayerischen Politischen Polizei bald wieder abgehängt, weil die Olympischen Spiele 1936 vermehrt ausländische Reisende nach Deutschland führten. Unter dem Titel „Wie sich Iphofen der Juden erwehrt. Eine poetische Abfuhr für die Hebräer“ berichtete am 8. März 1938 der Völkische Beobachter von den Tafeln und bezeichnete die Initiatoren als Menschen mit „(…) Sinn für gesunden, bodenständigen Humor und künstlerischen Geschmack (…)“.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Brombierstäudl: Iphofen. Eine fränkische Kleinstadt im Wandel der Jahrhunderte. Iphofen 1983.
  • Elmar Schwinger: Von Kitzingen nach Izbica. Aufstieg und Katastrophe der mainfränkischen Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen (= Schriften des Stadtarchivs Kitzingen. Band 9). Kitzingen 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-139-128, abgerufen am 23. April 2013.
  2. Brombierstäudl, Andreas: Iphofen. S.80.
  3. Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-139-135, abgerufen am 23. April 2013.
  4. Schwinger, Elmar: Von Kitzingen nach Izbica. S. 219.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rödelseer Tor (Iphofen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Mittagsturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 42′ 20,6″ N, 10° 15′ 34,8″ O