Rödelsee

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rödelsee
Rödelsee
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rödelsee hervorgehoben
Koordinaten: 49° 44′ N, 10° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungs­gemeinschaft: Iphofen
Höhe: 236 m ü. NHN
Fläche: 11,5 km2
Einwohner: 1786 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97348
Vorwahl: 09323
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 161
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
An den Kirchen 2
97348 Rödelsee
Website: www.roedelsee.de
Bürgermeister: Burkhard Klein (CSU)
Lage der Gemeinde Rödelsee im Landkreis Kitzingen
Landkreis BambergLandkreis SchweinfurtLandkreis WürzburgLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimWiesenbronnSegnitzRüdenhausenRödelseeObernbreitMartinsheimMarktsteftMarkt EinersheimMarktbreitMainstockheimMainbernheimKleinlangheimKitzingenGeiselwindCastell (Unterfranken)BuchbrunnAlbertshofenAbtswindWillanzheimWiesentheidVolkachSulzfeld am MainSommerachSeinsheimSchwarzach am MainPrichsenstadtNordheim am MainIphofenGroßlangheimDettelbachBiebelriedLandkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild
Der Weinort Rödelsee am Fuß des Schwanbergs
Rödelsees Rathaus mit den beiden Kirchen. Der zum Rathausbrunnen gehörende bronzene Schwan wurde im Juli 2012 gestohlen.

Rödelsee ist eine vom Weinbau geprägte Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Die frühere Nachbargemeinde Fröhstockheim ist mittlerweile ein Ortsteil von Rödelsee.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rödelsee liegt am Fuß des Schwanbergs auf einer Höhe von 230 Meter über NN. Trotz der Zugehörigkeit der Gemeinde zur Verwaltungsgemeinschaft Iphofen ist Rödelsee politisch selbständig.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rödelsee gliedert sich in drei Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Großlangheim, Wiesenbronn, Iphofen, Mainbernheim und Kitzingen.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rödelsee und seine Ortsteile haben Anteil an drei unterschiedlichen Naturräumen, von denen zwei dem Steigerwaldvorland zugerechnet werden. Fröhstockheim liegt in der Mainbernheimer Ebene mit ihren flachwelligen Bachtälern und den Lettenkeuperböden. Rödelsee selbst befindet sich am Fuße des namensgebenden Berges im höhergelegenen Schwanbergvorland. Der Schwanberg ist Namensgeber für eine Untereinheit im nördlichen Teil des Steigerwaldes

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich unter der Führung von Rodilo oder Rotel dürfte hier bereits zur Zeit der fränkischen Landnahme eine Siedlung entstanden sein. Ausgehend von dessen Namen entwickelte sich die Ortsbezeichnung.

Zum ersten Mal wurde der Ort im Jahr 1040 erwähnt. Kaiser Heinrich III. schenkte dem Kloster Kitzingen das Dorf Rotiense.[3] Graf Hermann II. zu Castell tauschte 1271 „einen Weinberg in Rödelsee am Swaneboum gegen einen Weinberg des Klosters Ebrach am Blozenbuhel. Sein Sohn Friedrich genehmigte 1293 eine Schenkung von Weinbergen … an das Deutschordenshaus zu Würzburg.“[4] Als Lehensempfänger der Herren von Hohenlohe und Bewohner der Wasserburg am Dorfsee wurde 1280 der Ortsadelige Konrad Fuchs von Rödelsee genannt, im 14. Jahrhundert waren es die Ritter von Wenkheim. Über die Berlichingen und Heßberg kamen 1573 Besitzungen an die Crailsheim. Der Wut aufständischer Bauern fielen die Burgen von Rödelsee, im nahegelegenen Fröhstockheim und auf dem Schwanberg 1525 zum Opfer. Alle wurden aber wieder aufgebaut. Um 1600 gab es vier Dorfherren: das Hochstift Würzburg (in Würzburg befand sich der Domherrenhof Rödelsee am heutigen Paradeplatz[5]), die Abtei Ebrach, die Grafen zu Castell-Rüdenhausen und die späteren Freiherren von Crailsheim. Jede Dorfherrschaft stellte einen eigenen Vertreter, den Schultheiß. Er besaß einen Schlüssel zur Gemeindetruhe mit den wichtigen Unterlagen. Nur gemeinsam, d. h. mit vier Schlüsseln, konnten sie diese öffnen. Den Vorsitz hatte der Schultheiß des Hochstifts Würzburg. In ihren Residenzen überdauerten die Dorfherren die Zeit bis heute:

  • 1614[6]:47 errichtete Friedrich von Crailsheim einen „würdigen Wohnsitz“ in Rödelsee, das bis heute erhaltene Schloss Crailsheim.
  • Um 1616[6]:49 wurde der Ebracher Hof als Zehnthaus errichtet.
  • 1648[6]:49 wurde der Amtshof der Grafen zu Castell errichtet, das jetzige Gasthaus zum Goldenen Löwen.

Nach Einführung der Reformation durch die Markgrafen von Ansbach waren alle Bewohner bis 1624 evangelisch. Ab 1627 begannen das Hochstift Würzburg und das Kloster Ebrach mit der Durchsetzung der Gegenreformation. „1641 war kaum mehr ein Einwohner im Ort zu finden. … Es gab nur noch Ruinen und mannshohes Unkraut. Eine Bestandsaufnahme von 1648 lautet: alles öde, kein Feld gebaut, nichts zu genießen!“[7] Am Ende des Dreißigjährigen Krieges kehrten die Dorfbewohner, welche an sichere Orte geflohen waren, zurück. Sie einigten sich 1651 auf ein Simultaneum. Als der Turm der Simultankirche 1770 einstürzte, beschloss jede der beiden Konfessionen ihr eigenes Gotteshaus zu bauen.

Schließlich kam der Ort nach den wechselnden Herrschaften Bayerns, Preußens und Frankreichs 1810 zum Großherzogtum Würzburg und 1814 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses zum Königreich Bayern. Seit 1862 gehört Rödelsee zum Landkreis Kitzingen.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, zu der neben Iphofen und Rödelsee auch Markt Einersheim und der Markt Willanzheim gehören, entstand im Zuge der bayerischen Gebietsreform im Jahr 1978.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Fröhstockheim eingegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Rödelsee COA.svg
Blasonierung: „In Rot ein links gewendeter Schwan, darunter links eine goldene Traube mit goldenem Weinblatt.“[9]
Wappenbegründung: Die Gemeinde führt erst seit 1969 ein Wappen. Es nimmt Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten. Der Weinanbau in der Gemeinde ist weit über das Gemeindegebiet hinaus bekannt. Für ihn steht die goldene Traube im Wappen. Auch der silberne Schwan ist ein Hinweis auf den Weinbau. Er weist auf die weit bekannte Weinlage Schwanleite und auf den Schwanberg mit dem vom Hochstift Würzburg errichteten Schwanbergschloss hin. Vom Schloss sind heute nur noch die Wohngebäude erhalten. Die Farben Silber und Rot sind die Farben Frankens und des Hochstifts Würzburg. Das Wappen wurde vom Innenministerium am 11. August 1969 verliehen.
Wappen von Fröhstockheim
Wappen Froehstockheim.png
Blasonierung: „Gespalten von Schwarz und Gold; vorne über goldenem Boden ein goldener Frosch, hinten ein bewurzelter schwarzer Baumstock.“
Wappenbegründung: Das Wappen ist einem Gerichtssiegel von 1651 entnommen. Beide Figuren weisen auf den Ortsnamen hin, wobei das Präfix Fröh- durch den Frosch symbolisiert wird. Die Tingierung verweist auf das Wappen der Herren von Crailsheim, die seit dem 17. Jahrhundert die Dorfherrschaft innehatten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Elfleins-Häusla sind eine vollständig erhaltene Schmiede, die zugehörige Wohnung und Stallungen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts zu besichtigen.

Amtshöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Löwenhof ist heute ein Restaurant und prägte als ehemaliges Castellsches Amtshaus das Erscheinungsbild des Ortes entscheidend mit und ist ein geschütztes Baudenkmal. Der Ebracher Hof entstammt dem 17. Jahrhundert und wurde im Jahr 1712 umfassend erneuert.

Jüdische Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1585 gab es in Rödelsee eine jüdische Gemeinde mit 18 Familien. Das Fürstlich Castell’schen Archiv besitzt Unterlagen über Streitigkeiten der Dorfherrschaften mit den Freiherrn von Crailsheim um die Aufnahme von Juden. Es entstand eine Synagoge mit Judenschule und angestelltem Lehrer. Diese Einrichtung brachte durch ihren guten Ruf auch Studenten aus der weiteren Umgebung wie Frankfurt in den kleinen Ort. Weitere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde in Rödelsee waren das rituelle Bad und der Zentralfriedhof.

Nach 1870/80 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner ab, da viele nach Kitzingen und in andere Städte abwanderten. Die 1851 erneuerte Synagoge konnte von den wenigen Verbliebenen nur notdürftig erhalten werden. Schließlich wurde die jüdische Gemeinde 1907/1908 aufgelöst. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, das Mobiliar herausgeholt und außerhalb des Gebäudes verbrannt. Als die Überreste des Gebäudes sehr baufällig waren, entstand nach dem Abbruch auf dem Grundstück der Alten Iphöfer Straße 8 ein Wohnhaus.

Begräbnisstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Friedhof von Rödelsee

Von den Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gehört der jüdische Friedhof von Rödelsee heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Er wurde bereits im 15. Jahrhundert angelegt und ist einer der größten jüdischen Friedhöfe in Bayern mit über 2500 Grabsteinen.

Friedhof Rödelsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Friedhof um die evangelische Kirche wurde bis 1730 simultan genutzt. Bereits 1680 war jedoch schon der neue Friedhof angelegt worden. 1826, 1951 und 1980 wurde er erweitert. In letztgenannten Jahr wurde das moderne Leichenhaus errichtet.[6]: 35

Schwanberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crailsheim’sches Schloss Fröhstockheim

Der kleine Dorfsee in der Nähe des Rathauses ist von der Wasserburg in Rödelsee übrig geblieben. Zunächst von Konrad Fuchs von Rödelsee, dann von den Rittern von Wenkheim genutzt, blieb die Burg im Besitz derer von Heßberg bis um das Jahr 1614. Diese Wehranlage wurde im Bauernkrieg 1525 geplündert und abgebrannt. Schließlich verfielen die Gebäude, nur im Turm wohnte noch 1671 der Jud Polack. Ein Teil des Wassergrabens wurde zugeschüttet und die Insel verschwand.[6]:47 Der Wohnsitz einer zweiten Linie der Adelsfamilie von Crailsheim in Rödelsee befand sich in so schlechtem Zustand, dass Friedrich von Crailsheim sich 1614 einen repräsentativen Wohnsitz errichten ließ. 1954 ging er in den Besitz der Winzergenossenschaft über.[6]:47 Im Crailsheimer Schloss in Rödelsee befindet sich heute eine WeinGalerie.

Auf dem nahegelegenen, geologisch interessanten, 474 Meter hohen Schwanberg des Steigerwaldes befindet sich ein Schloss mit einem sehenswerten Park.

Das große Wasserschloss im Ortsteil Fröhstockheim befindet sich in Privatbesitz.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1190 existierte in „Rotelse in episcopatu Wirzburgensis“[10] eine Kirche. Sie war dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Er gilt als Schutzheiliger der Winzer. Diese Vorgängerkirche weihte der Eichstätter Bischof Otto von Hirschberg. In den konfessionellen Streitigkeiten der wechselnden Dorfherren zerfiel die simultan genutzte Kirche und musste nach dem Einsturz des Turms, der den Altar zerstörte, 1770 abgerissen werden. Die Gläubigen beschlossen zwei Kirchen zu errichten.[11]

Evangelische St.-Bartholomäus-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Bartholomäus

Auf dem Gelände der alten Kirche errichteten die evangelischen Bewohner 1780 ihr Gotteshaus als typisch evangelische Kirche im Markgrafenstil.[12] Ihre übereinander gestaffelten Bestandteile Altar, Kanzel Orgel sind für diesen Baustil charakteristisch.

Katholische St.-Bartholomäus-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche St. Bartholomäus

Die katholische Kirche Rödelsees entstand einige Jahre nach der evangelischen im Jahr 1783. Ein dreigeschossiger Fassadenturm gliedert das Gotteshaus. Der Patron Bartholomäus steht in einer Nische des Turmes. Das Innere weist einen Altar und mehrere Heiligenfiguren auf.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf häufig von durchziehenden schwedischen Truppen heimgesucht. Einmal war eine Schar Soldaten auf dem Weg zum Schwanberg, als sie an einem alten Kruzifix vorbeikamen. Einer der Schweden hieb unter dem Gelächter der anderen der Christusfigur den Kopf ab. Am Fuße des Berges stürzte der Schwede so unglücklich, dass er sich das Genick brach und starb. Immer am Jahrestag seiner Untat ist er als kopfloser Reiter vor dem Bildstock zu sehen. Er legt seinen Kopf dem Christusbild zu Füßen.[13]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rödelseer Frühling, letztes Wochenende im April
  • Schwandertag, besonderer Wandertag am 1. Mai
  • Schlossschoppenfest, dritter Sonntag im Juni
  • Weinfest, erstes Wochenende im Juli
  • Kirchweih, erster Sonntag im September
  • Erntedank-Markt, erster Sonntag im Oktober
  • Christkindles Werkstätten, letztes Wochenende im November

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau und Tourismus sind zwei wichtige wirtschaftliche Säulen des heutigen Ortes, in dem größere Industriebetriebe fehlen.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Rödelsee von den Weinbergen

Rödelsee ist heute bedeutender Weinbauort im Anbaugebiet Franken. Insgesamt zwei Weinlagen existiert um das Dorf, der Wein wird seit den 1970er Jahren unter den Namen Rödelseer Küchenmeister und Rödelseer Schwanleite vermarktet. Daneben ist der Ort Leitgemeinde der Großlage Rödelseer Schloßberg. Rödelsee ist Teil des Bereichs Schwanberger Land, bis 2017 waren die Winzer im Bereich Steigerwald zusammengefasst. Die Gipskeuperböden um Rödelsee eignen sich ebenso für den Anbau von Wein, wie die Lage in der Maingauklimazone, die zu den wärmsten Deutschlands gehört.

Bereits seit dem Frühmittelalter betreiben die Menschen um Rödelsee Weinbau. Die fränkischen Siedler brachten wohl im 7. Jahrhundert die Rebe mit an den Main. Die „Swanliten“ (Schwanleite) wurde 1295 und der Küchenmeister 1360 erstmals urkundlich genannt, die heute noch gebräuchlichen Lagen waren, neben anderen, also bereits im Mittelalter bekannt.[14] Im Mittelalter gehörte die Region zum größten zusammenhängenden Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich. Die Menschen betrieben zumeist Nebenerwerbsweinbau zur Selbstversorgung, gleichzeitig bildeten sich bereits Exportzentren insbesondere entlang des Maines heraus.

Der Weinbau erlebte nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen umfassenden Niedergang. Vor allem klimatisch weniger begünstige Lagen gab man vollständig auf. Zusätzlich erschwerte das Aufkommen von Schädlingen wie der Reblaus den Anbau. Konsolidieren konnte sich die Weinbauregion Franken erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Düngern und verbesserte Anbaumethoden hatten dazu ebenso beigetragen wie die Organisation in Genossenschaften und die Flurbereinigung der 1970er Jahre.[15] Bereits 1969 existierten wieder 101 ha mit Weinreben bestockte Fläche in Rödelsee.

Auf den Wein wird der Besucher beim Gang durch den modernen Ort auch deutlich hingewiesen. Die Spitzenweine erhalten ihre Art und Kraft aus dem mineralstoffreichen Gipskeupermergel.[14] Da mit der Silvanerrebe heute fast die Hälfte des Anbaugebietes bepflanzt ist, heißt Rödelsee umgangssprachlich „Silvanerecke“.[14] Rödelsee brachte mit Karoline Hartmann die deutsche Weinkönigin des Jahres 1958 hervor. Der Ort richtet außerdem eines der größeren Weinfeste der Umgebung aus, das immer am ersten Juliwochenende stattfindet.[16]

Weinlage[17] Größe 1993[18] Größe 2019 Himmelsrichtung Hangneigung Hauptrebsorten Großlage
Küchenmeister 75 ha 75 ha Nordwesten 10–40 % Müller-Thurgau Rödelseer Schloßberg
Schwanleite 40 ha 38 ha Nordwesten 10–40 % Müller-Thurgau Rödelseer Schloßberg

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Touristen bieten der Schwanberg und das ausgebaute Weinbergswege- und Fahrradnetz vielfältige Freizeitmöglichkeiten. In der Umgebung des Ortes wurden auch mehrere Wanderwege ausgewiesen. Der Bewegungsparcours hinter dem Schloss Crailsheim wurde für alle Generationen konzipiert. Außerdem besteht eine Reihe von Einkehr- und Übernachtungsangeboten.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregional bekannt ist der TSV Rödelsee, dessen Männer-Handballmannschaft 2013 in die 3. Liga aufgestiegen ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ambrosi, Bernhard Breuer: Deutsche Vinothek: Franken. Begleiter zu den Weinberg-Lagen, Winzern und ihren Küchen. Herford2 1993.
  • Friedrich Amberger, Fritz Ortner: Gemeinde Rödelsee: Rödelsee Fröhstockheim Schloss Schwanberg einst und heute in Wort und Bild. Hrsg.: Gemeinde Rödelsee. Druckhaus Goldammer, Scheinfeld 1987.
  • Hans Bauer: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. In: Jahrbuch des Landkreises Kitzingen 1980. Im Bannkreis des Schwanbergs. Kitzingen 1980. S. 53–70.
  • Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Vier Türme GmbH, Benedict Press, Münsterschwarzach 2004.
  • Johann Ludwig Klarmann: Der Steigerwald in der Vergangenheit. Ein Beitrag zur fränkischen Landeskunde. Gerolzhofen2 1909.
  • Johann Ludwig Klarmann, Karl Spiegel: Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. Nachdruck der Ausgabe 1912. Neustadt an der Aisch 1982.
  • Gemeinde Rödelsee (Hrsg.): Schwanberg Rödelsee Fröhstockheim … die gastliche Winzergemeinde im fränkischen Weinland. 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rödelsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. Friedrich Amberger, Fritz Ortner: Gemeinde Rödelsee: Rödelsee Fröhstockheim Schloss Schwanberg. Hrsg.: Gemeinde Rödelsee. Druckhaus Goldammer, Scheinfeld 1987, S. 10.
  4. Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Vier Türme GmbH, Benedict Press, Münsterschwarzach 2004, S. 28.
  5. Thomas Tippach: Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298, hier: S. 380, Abb. 124.
  6. a b c d e f Friedrich Amberger, Fritz Ortner: Gemeinde Rödelsee: Rödelsee Fröhstockheim Schloss Schwanberg.
  7. Friedrich Amberger, Fritz Ortner: Gemeinde Rödelsee: Rödelsee Fröhstockheim Schloss Schwanberg. S. 15–16.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 748.
  9. Bauer, Hans: Alte und neue Wappen im Landkreis Kitzingen. S. 64.
  10. Herausgeber: Evang. Luth. Pfarramt Rödelsee, Kath. Pfarramt Rödelsee, Communität Casteller Ring, Orte der Einkehr am Schwanberg, Die erste Rödelseer Kirche und ihre Geschichte
  11. Herausgeber: Evang. Luth Pfarramt Rödelsee, Kath. Pfarramt Rödelsee, Communität Casteller Ring, Orte der Einkehr am Schwanberg
  12. RPZ Heilsbronn, Kirchen – Ausdrucksformen des Glaubens. In: Hefte zur regionalen Kirchengeschichte IV, 1996, S. 5 mit 8.
  13. Klarmann, Johann Ludwig (u. a.): Sagen und Skizzen aus dem Steigerwald. S. 252.
  14. a b c Schwanberg Rödelsee Fröhstockheim. ...die gastliche Winzergemeinde im fränkischen Weinland. 2009, S. 28.
  15. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 50–52.
  16. Weinfest-Rödelsee: Startseite, abgerufen am 6. Juni 2019.
  17. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen, PDF-Datei, abgerufen am 16. Mai 2019.
  18. Ambrosi, Hans (u. a.): Deutsche Vinothek: Franken. S. 237.
  19. Klarmann, Johann Ludwig: Der Steigerwald in der Vergangenheit. S. 207.