Römermuseum Tulln

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Der Eingang zum Museum im ehemaligen Dominikanerinnenkloster

Das Römermuseum im Stadtmuseum Tulln in Tulln an der Donau (Niederösterreich) widmet sich hauptsächlich der Geschichte sowie Ausstellung und Präsentation von Funden aus Kastell und Zivilsiedlung (vicus) von Comagena.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Initiative eines Museumsvereins wird 1929 im Refektorium des ehemaligen Minoritenklosters das Heimatmuseum Tulln untergebracht. 1938 übersiedelt es in ein eigens errichtetes Gebäude in der Wiener Straße. Nach der Revitalisierung des Minoritenklosters werden Räumlichkeiten für die Errichtung der Tullner Museen (1993/94) zur Verfügung gestellt. Sie vereinen das Stadt- und Bezirksmuseum, die stadtarchäologische Sammlung "Tulln unter der Erde", die geologische Schau "Land am Strome" und das Limesmuseum, das das militärische und zivile Leben am Donaulimes, insbesondere im Kastell Comagenis, zeigt. Nach der Schließung der Tullner Museen findet das Limesmuseum 2001 als Römermuseum im ehemaligen Dominikanerinnenkloster eine neue Heimat. Die u. a. von Hanns Jörg Ubl (Österreichisches Bundesdenkmalamt) mitgestalteten Ausstellungsräume zeigen anhand von Ausrüstungsgegenständen, Militärdiplomen und Inschriften die militärgeschichtliche Bedeutung dieses antiken Reiterkastells. Die verschiedenen Tätigkeiten der Garnisonstruppen werden anschaulich in Zinnfigurendioramen dargestellt. Eine große Anzahl von Funden aus Zivilsiedlung und Gräbern ergänzen diese umfassende Ausstellung. 2019/20 wird das Römermuseum unter der wissenschaftlichen Leitung von Christa Farka und Martin Krenn grundlegend umgestaltet. Es bildet nun mit dem Virtulleum und einer neu konzipierten Dokumentation über das kaiserliche Frauenstift das Stadtmuseum Tulln.

Vor dem Museumseingang am Marc-Aurel-Park 1b ist unter anderem eine Statue des Jupiter Dolichenus aufgestellt, dessen Kult vermutlich von der ersten Besatzungstruppe des Kastells, der ala I Commagenorum aus Kleinasien mitgebracht wurde.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhaltlich spannt die moderne Ausstellung einen Bogen von der Ankunft der Römer an der Donau im 1. Jh. n. Chr., über die Entstehung und Ausstattung des Militärkastells, den Alltag von Soldaten und Zivilbevölkerung und die Markomannenkriege bis zum Schicksal der spätantiken Festungsstadt und dem Abzug der romanischen Bevölkerung am Ende des 5. Jhs. n. Chr.

Texte und Bilder, 3-D-Rekonstruktionen, aufwendige Zinnfiguren-Dioramen, originelle Animationsclips und lebensgroße Figurinen laden ein zu einer informativen und unterhaltsamen Zeitreise ins antike Tulln. Themen wie globaler Handel, Logistik und Infrastruktur, Migration und Mobilität oder das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen und Religionen verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft.

Zu den bedeutendsten Funden des Museums zählen die Reste einer Bauinschrift, in der der Name des Kastells erwähnt wird. Ein Modell macht die Position des Lagers unter dem Areal der heutigen Stadt Tulln ersichtlich. Zahlreiche Funde (Gläser, Schmuck, Keramik, Inschriften, Reste von Grabbauten, ein großer Hortfund von Münzen) dokumentieren das Leben der Zivilbevölkerung im antiken Comagena.

Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler und Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eindrucksvollste sichtbare Überrest des Lagers ist der Salzturm, ein nahezu vollständig erhaltener valentinianischer U-Turm des späten 4. Jahrhunderts, er befindet sich nahe dem Donauufer, an der Ecke Nibelungengasse/Wassergasse.

In den Kellern von einigen Häusern an der Wienerstraße sind die Mauerreste der südlichen Lagerumwehrung (Wehrmauer und südwestlicher Eckturm) erhalten geblieben.

Die Grundmauern des südöstlichen Eckturmes wurden im Hof der Sporthauptschule in der Bonvicinistraße konserviert und mit einem Schutzbau umgeben. Der Turm ist nur mit Führung zugänglich. Im ehemaligen Garten des Krankenhauses, an der Ostseite des Museumsgebäudes haben sich weiters die Reste der porta principales dextra (Osttor), zugänglich von der Zant-Allee, erhalten. Die Mauern wurden restauriert und konserviert und werden seit 2001 in einem größtenteils verglasten Schutzbau präsentiert. Das Panoramabild an der Rückwand vermittelt einen Blick in das Lagerinnere zur Zeit des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Die Ausgrabungen unter dem Minoritenkloster sind im Tullner Stadtmuseum in der Ausstellung „Tulln unter der Erde-Stadtarchäologie in Tulln“ zu besichtigen.

Etwa zwei Kilometer außerhalb von Tulln, an der Straße nach Königstetten, steht (noch an seinem Originalstandort) ein römischer Meilenstein. Dieses als Nitzinger Meilenstein bekannte Denkmal stand einst an der Straße die Vindobona (Wien), Comagena und Aelium Cetium (St. Pölten) miteinander verband. Er wurde zur Zeit des Kaiser Macrinus (217/218) gesetzt und zeigte die Entfernung von Aelium Cetium (26 Meilen) an. Seine Inschrift ist heute allerdings nicht mehr lesbar. Eine Kopie dieses Steines, samt vollständiger Inschrift, steht im Kreisverkehr am Severinsplatz.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herwig Friesinger, Fritz Krinzinger: Der Römische Limes in Österreich, Führer zu den Archäologischen Denkmälern. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, S. 230.

Folder:

  • Römisches Tulln, Ein Führer durch das Römermuseum und zu den römischen Bauten im Stadtbereich
  • Römermuseum Tulln

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Römermuseum Tulln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Koordinaten: 48° 19′ 59,8″ N, 16° 3′ 25,6″ O