Radwerk

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Sinnbild der durch Wasserräder angetriebenen Blasebälge zu einem Radwerk.[1]

Ein Radwerk war ein im Mittelalter entwickelter und ungefähr bis zum Jahre 1900 verwendeter, heute technisch überholter Hochofentyp. Diese Hochöfen dienten der Eisengewinnung. Als Brennmaterial wurde Holzkohle eingesetzt. Um für die Eisenerzeugung möglichst hohe Temperaturen in den Schmelzöfen zu erzielen, wurde Luft mit Hilfe von Blasebälgen eingeblasen. Diese Blasebälge wurden zuerst mit Tretwerken und ab dem 13. Jahrhundert mit Wasserrädern betrieben. Daher lagen diese Schmelzhütten immer an Flüssen oder Bächen und ein typisches Bauelement war das Wasserrad, worauf der Ausdruck „Radwerk“ für eine solche selbständige Schmelzanlage zurückgeht.[2]
Eine andere Bezeichnung für ein Radwerk ist Blähhaus oder Blahhaus. Blähen kommt von blasen, damit ist das Einblasen der Luft in den Hochofen durch die Blasbälge gemeint. Die Blahhausleute, auch Bleier oder Bläher genannt, haben die Befüllung des Schmelzofens und den Schmelzvorgang durchgeführt und kontrolliert.

Die Besitzer der Radwerke wurden Radmeister genannt.

In der Steiermark sind zahlreiche Radwerke historisch belegt. Das letzte seiner Art, das Radwerk IV in Vordernberg, wurde 1911[3] eingestellt. Hier kann man heute zwei dieser ursprünglich 14 Radwerke, in einem Industriemuseum besichtigen. Dazu gehören das komplett erhaltene Radwerk IV und der steinerne Ofenstock und das Gebläsehaus vom Radwerk III. Dieses beherbergt auch den frühesten Typ einer Dampfmaschine auf österreichischem Boden. Weiters stehen in Vordernberg auch noch die Reste des Radwerks I und auch der Ofenstock des Radwerks X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abb.: Spätmittelalterliche Schmiede bei der Weiterverarbeitung (Frischen) der Luppen aus kohlenstoffreichen Eisenschwamm. Quelle: Agricola: De re metallica libri XII. (1556)
  2. Hans Jörg Köstler, Josef Slesak: Die Radwerke zu Vordernberg in der Steiermark. Eine Bilddokumentation der vierzehn Hochöfen und ihrer Roheisenerzeugung. Podmenik, Fohnsdorf 1986, ISBN 3-900662-04-7, S. 12.
  3. Edwin Weigand: Montanhistorisches Museumsensemble RADWERK IV Vordernberg. Abgerufen am 5. Oktober 2015.