Holzkohle

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Holzkohle

Holzkohle (englisch charcoal; medizinisch (DAB): Carbo pulveratur, Carbo medicinalis), ist ein fester Brennstoff und entsteht, wenn lufttrockenes Holz (auf 13 bis 18 % Wasser getrocknet) unter Luft­abschluss und ohne Sauerstoff­zufuhr auf 275 °C erhitzt wird (Pyrolyse). Die Temperatur steigt dabei von selbst auf 350 bis 400 °C an (Holzverkohlung, ähnlich der Verkokung von Kohle). Dabei verbrennen die leichtflüchtigen Bestandteile des Holzes. Als Rückstand erhält man neben gasförmigen Zersetzungsprodukten (siehe Methanol) etwa 35 % Holzkohle.

Mit der gleichen Technik kann man auch Torf zu Torfkohle und allgemein pflanzliche Ausgangsstoffe in Biokohle umwandeln. Torfkohle, die ähnliche Eigenschaften hat wie Holzkohle, war im 18. und frühen 19. Jahrhundert aufgrund von Holzknappheit recht verbreitet, ist heute aber kaum noch anzutreffen. Biokohle wird ein Potential als Mittel zur Kompensation der Kohlendioxid-Emissionen in Anbetracht der globalen Erwärmung zugeschrieben, ihre Herstellung wurde in den vergangenen Jahren intensiviert.[1][2]

Nicht zu verwechseln ist Holzkohle mit Pflanzenkohle oder Faserkohle (Fusit), auch fossile Holzkohle oder mineralische Holzkohle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwaldung Haitis (links) im Vergleich zur Dominikanischen Republik (rechts)

Seit dem Altertum konnten Metalle, insbesondere Eisen und Stahl, nur durch die Verbrennung von Holzkohle hergestellt werden. Steinkohle war dafür wegen verschiedener schädlicher Inhaltsstoffe nicht verwendbar. Die grosse Nachfrage nach Holzkohle führte im 16. Jahrhundert zur Holzknappheit. Anfangs des 18. Jahrhunderts waren die Wälder insbesondere in Großbritannien durch den zunehmenden Verbrauch von Holzkohle (und durch die anderen Verwendungen wie Schiffbau, Bauholz, Pfahlfundamente, Kanalbau etc.) so weit ausgebeutet worden, dass sich die Knappheit an Holzkohle in der Eisenproduktion zu einem ernsten nationalen Problem entwickelte.[3] Die Eisenhütten waren deshalb gezwungen, andere Verbrennungsmaterialien zu suchen. Diese Rohstoffkrise zählt zu den Auslösern der Industriellen Revolution. Die Lösung des Problems bestand im Einsatz von Koks als Brennstoff für die Hochöfen und in der Entwicklung des mit Steinkohle betriebenen Puddelverfahrens zur Erzeugung von Schmiedeeisen. Mit dem Ausbau der Eisenbahnen und der Verkehrswege wurde die Holzkohle immer mehr durch die Steinkohle verdrängt. Auch gewann Strom und Gas als Energieträger immer mehr an Bedeutung. Während des ersten und Zweiten Weltkrieges wurde die Holzkohle vom Gewerbe, der Industrie und der Armee wieder begehrt (Holzvergaser etc.). Heute wird die Holzkohle vor allem noch für Grillzwecke gebraucht.

Auch heute noch ist in manchen Ländern die Abholzung zur Holzkohlegewinnung ein gravierendes Problem, zum Beispiel in Haiti, wo sie 60 Prozent der heimischen Energie liefert.[4][5] Das gleiche Schicksal droht Madagaskar, wo ebenfalls Holzkohle der verbreitetste Brennstoff ist.[6]

Eigenschaften und Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzkohle ist der kohlenstoffhaltige Überrest von der Holzverbrennung bei begrenzter Luftzufuhr.

Holzkohle ist ein Gemisch organischer Verbindungen mit 81 bis 90 % Kohlenstoff, 3 % Wasserstoff, 6 % Sauerstoff, 1 % Stickstoff, 6 % Feuchtigkeit und 1 bis 2 % Asche und nur unbedeutende Mengen Schwefel.

Die Holzkohle bildet ein lockeres, schwarzes Produkt mit einer Rohdichte zwischen 0,15 und 0,40 g cm−3 und Reindichte zwischen 1,38 und 1,46 g cm−3.[7] Die Porosität der Holzkohle schwankt in Abhängigkeit von der Holzart sowie der Geschwindigkeit und Endtemperatur der Verkohlung zwischen 72 und 85 %,[8] die Innere Oberfläche beträgt 50 bis 100 m2/ Gramm,[9] deshalb weist sie ein hohes Adsorptionsvermögen auf.

Bezogen auf das Holzeinsatzmaterial tritt bei der Pyrolyse ein Volumenschwund von 35 bis 45 % und ein Massenschwund von 65 bis 75 % ein.

Holzkohle lässt sich verhältnismäßig leicht entzünden (350 bis 400 °C)[10] und brennt ohne Flamme weiter, weil die flammenbildenden Gase bereits bei der Verkohlung entwichen sind und brennt mit einer höheren Temperatur als Holz. Die Verbrennungstemperatur der Holzkohle beträgt 800 °C.[11]

Pro Kilogramm Holzkohle werden bei der Verbrennung je nach Qualität etwa 28 bis 35 Megajoule an Energie frei. Nach einer anderen Quelle beträgt der Heizwert je nach verwendeter Holzsorte umgerechnet 31,6 bis 32,9 Megajoule pro kg.[12]

Der Heizwert erhöht sich mit wachsender Verkohlungstemperatur. Durch Erhöhung der Pyrolyseendtemperatur von 400 auf 1200 °C steigt die spezifische Wärme von 1,02 auf 1,60 kJ/kg K an.[7]

Harzfreies, nicht saftreiches Holz gibt glanzlose, höchst poröse Kohle, die aus harzigem, saftreichem Holz erhaltene Holzkohle, enthält im Innern der Zellen, die aus den Saftbestandteilen gebildete Glanzkohle. Stets ist Holzkohle leicht zerreibbar, aber nur infolge ihrer Struktur; die Kohlensubstanz selbst ist hart und ein gutes Poliermittel für Metall. Bei gewöhnlicher Temperatur ist sie höchst beständig und liegt jahrhundertelang im Boden, ohne sich zu verändern; an der Luft adsorbiert sie bestimmte Gasbestandteile und Dämpfe sowie aus Flüssigkeiten suspendierte Stoffe.

Durch die Absorption von Gasen und speziell Wasserdampf tritt eine Gewichtszunahme der Holzkohle nach dem unter Luftabschluß ausgeführten Erkalten ein. Die Gewichtszunahme frischer Kohle beim Liegen an der Luft beträgt in 24 Stunden bei Eichen- und Birkenkohle 4 bis 5 Prozent, Fichten-, Buchen-, Erlenkohle 5 bis 8 Prozent, Kiefern-, Weiden-, Pappelkohle 8 bis 9 Prozent, Tannenkohle 16 Prozent.

Qualitätskriterien für Holzkohle sind Stückigkeit, Wassergehalt, Aschegehalt und Gehalt an flüchtigen Bestandteilen. Frische, trocken aus den Verkohlungsanlagen ausgetragene Holzkohle neigt zur Selbstentzündung. Deshalb ist eine Alterung unter kontrollierten Bedingungen erforderlich, wobei das Entstehen von Wärmestauungen in den ersten 48 Stunden nach der Pyrolyse vermieden werden muß. Gute Holzkohle ist glänzend schwarz und hat die Struktur des Holzes, schlecht verkohlte Kohlen haben ein braune, braunrote Färbung, diese werde als Rotkohlen, Brände, Füchse bezeichnet und sind von einer zu niedrigen Verkohlungstemperatur, unter 300 °C. Diese wurde auch absichtlich erzeugt, zur Schwarzpulverherstellung oder in der hüttenmännischen Verarbeitung.[13][14]

Modell eines Kohlenmeilers (Albstadt Onstmettingen)
Vorne ein Kohlenmeiler im Bau, dahinter ein ebensolcher in Betrieb. Im Bildhintergrund ein Hauberg zur Gewinnung des benötigten Holzes
Versuch zur Herstellung von Holzkohle: Blechdose mit Holz in ein Feuer stellen

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzkohle wird durch Erhitzen von Holz bei Luftabschluss hergestellt, es entsteht Holzkohle, Holzessig, Holzgas, Holzteer. Dabei werden abhängig von der Temperatur verschiedene Phasen des Pyrolyseprozesses unterschieden.

In der Initialphase kommt es bei Temperaturen von bis zu 220 °C vor allem zu einer Aufheizung und Trocknung des Materials, wobei vor allem Wasserstoff sowie Spuren von Kohlendioxid, Essigsäure und Ameisensäure entweichen. Holz gibt beim Erhitzen bis 150 °C nur hygroskopisches Wasser ab; dann entwickeln sich saure Dämpfe, steigt die Temperatur über 150 °C, so zersetzt es sich. Bis etwa 280 °C vermehrt sich die Freisetzung dieser Stoffe in einer pyrolytischen Zersetzungsphase, die ebenso wie die Initialphase endotherm ist. Ab 280 °C kommt es dann zu einer starken exothermen Reaktion, bei der etwa 880 kJ/kg Holz als Energie freiwerden und den Prozess auf über 500 °C aufheizen. Von 300 °C ab immer dichter werdender gelber oder gelbbrauner Dampf und Gase. Die brennbaren Gase (siehe auch unter Holzgas), vor allem Kohlenmonoxid, Methan, Formaldehyd, Essig- und Ameisensäure sowie Methanol und Wasserstoff, die verbrennen und unter Rauchentwicklung austreten, beim Abkühlen der entweichenden Produkte erhält man Holzteer und Holzessig. Die Struktur des Holzes verändert sich oberhalb von 400 °C von der fibrillären Struktur des Holzes in die kristalline Struktur von Graphit. Beim letzten endotherm ablaufenden Prozess werden die Rauchgase beim Durchtritt durch bereits verkohlte Schichten in brennbares Kohlenmonoxid und Wasserstoff aufgespalten, zurück bleibt die Holzkohle als Rückstand.[15][16]

  • Rotkohle (Röstkohle) entsteht bei Verkohlungstemperaturen zwischen 270° und 350°, ist braun-schwarz und hat bei einer um die Hälfte größeren Ausbeute fast denselben Heizwert wie die über 350 °C entstehende Schwarzkohle. Diese wird deshalb vielfach zu metallurgischen Zwecken und wegen gewisser Eigenschaften zur Schießpulverfabrikation hergestellt.
  • Schwarzkohle entsteht bei Temperaturen über 350°, mit dem Steigen der Verkohlungstemperatur wächst die Dichtheit und die Leitungsfähigkeit der Kohle für Wärme und Elektrizität; zugleich aber sinkt die Entzündlichkeit der Kohle und ihre Neigung, Feuchtigkeit anzuziehen.
  • Ein zwischen Rot- und Schwarzkohle liegendes Produkt wird als Rotholz bezeichnet.

Die Dichtigkeit und quantitative Ausbeute der Kohle wird durch die Verkohlungsgeschwindigkeit bestimmt, eine langsamere Geschwindigkeit ergibt eine dichtere Kohle sowie eine größere Ausbeute.[17][13] Die Ausbeute an Kohle sinkt mit steigenden Temperaturen. Zugleich wird die Kohle beständig reicher an Kohlenstoff und Asche und entsprechend ärmer an Wasserstoff und Sauerstoff.

Rotkohle wie Schwarzkohle lassen noch makroskopisch deutlich die Holzstruktur erkennen, mikroskopisch lässt sich die Holzart erkennen, aus der die Holzkohle erzeugt wurde.

Es werden sowohl Laub- wie Nadelhölzer zu Kohle verarbeitet, erstere hauptsächlich, wenn die flüssigen Destillationsprodukte, Essigsäure und HolzgeistHolzessig, das Haupterzeugnis sind, letztere wenn das Hauptgewicht auf die Gewinnung der Kohle, Teer und Terpentinöl gelegt wird.

Verkohlung in Meilern und Haufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Methode der Holzkohlengewinnung (Kohlenbrennerei) ist der aus dem Altertum stammende Meilerbetrieb (Köhlerei), bei dem das Holz in annähernd halbkugel- oder kegelförmigen Haufen (Meilern) in großen Scheiten regelmäßig (und zwar stehend oder liegend) um drei in der Mitte errichtete Pfähle (Quandel) aufgesetzt und mit einer Decke bedeckt wird.

Hauptartikel: Kohlenmeiler

Früher verkohlte man das Holz besonders in Süddeutschland, Russland und Schweden in Haufen oder liegenden Werken. Die Verkohlung des geschichteten Holzes erfolgte nur allmählich von einem Ende des länglichen Haufens zum anderen. Die fertig verkohlten Stücke wurden nach und nach gezogen.

Meilerkohle wird folgendermaßen unterschieden:

  • Stück-, Grob-, Lese- oder Ziehkohlen, die dichtesten oder größten Stücke, noch in Form der angewandten Holzscheite.
  • Schmiede- oder Mittelkohlen, dichte, aber nur faustgroße Stücke.
  • Kleinkohlen aus Astholz.
  • Quandelkohlen, kleine undichte Stücke aus der Nähe des Quandels.
  • Kohlenklein, -Kohlenlösche oder Kläre, kleine Stücke oder Staub.
  • Brände, unvollständig verkohlte Stücke vom Rand oder Boden des Meilers.

Verkohlung in Öfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganz ähnlich wie in Meilern oder Haufen verläuft die Verkohlung in runden oder eckigen gemauerten Pechöfen, die eine leichtere, vollständigere Gewinnung der Nebenprodukte (Teer, Holzessig, Gase, die beim Meilerbetrieb in der Regel verloren gehen) gestatten, aber eine geringere Ausbeute und weniger gute Kohle liefern. Bei diesen Einkammeröfen, tritt ebenfalls Luft zu dem zu verkohlenden Holz, und ein Teil desselben erzeugt durch seine Verbrennung die nötige Temperatur. Diese Kohle wird als Ofenkohle bezeichnet.

Man hat aber den Verkohlungsprozess besser unter Kontrolle, wenn man das Holz in Gefäßen, die von außen geheizt werden, also ohne Luftzutritt, verkohlt. Dies geschieht in Zweikammeröfen, Retorten, Röhren oder Zylindern zuweilen mit erhitzter Luft, mit Gichtgasen der Hochöfen, mit überhitztem Wasserdampf oder mit Anwendung von Gebläseluft. Diese Kohle wird als Retortenholzkohle bezeichnet, bei 500°C bildet sich eine harte Holzkohle.[9]

Holzkohle zur Herstellung von Schwarzpulver[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine solche sorgfältige Verkohlung ist besonders zur Gewinnung von Kohle für die Schwarzpulverfabrikation erforderlich. Dazu benutzt man große eiserne Zylinder, die außerhalb des Ofens gefüllt, mit einem Deckel verschlossen und in den Ofen geschoben werden. Ein großer beweglicher Deckel schließt den Raum, in dem sich der Zylinder befindet. Die aus dem Holze sich entwickelnden Gase leitet man in die Feuerung. Die Temperatur 300–400 °C, wird mittels eines Pyrometers bestimmt. Rotkohle für Jagdpulver wird mit überhitztem Wasserdampf hergestellt. Faulbaum, Pappel oder Erlenholzkohle eignet sich hier am besten.[18]

Ergebnisse der Verkohlung mit diversen Holzarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem tatsächlichen Volumen nach beträgt die durchschnittliche Kohlenausbeute 47,6 Prozent.

Öfen im Erzgebirge zur Herstellung von Holzkohle
Historische Holzkohlenöfen in Heligan

Vergleicht man das scheinbare Volumen (ohne Abzug der Zwischenräume) des Holzes mit dem der Kohle, so liefern die Holzarten folgende Volumenprozentanteile Kohle:

Man erhält bei verschiedenen Holzarten folgende Gewichtsprozente der Kohle (bei 150 °C getrocknet und bei 300 °C verkohlt):

Absorptionseigenschaft der Holzkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Holzkohle war und blieb unentbehrlich als Absorbens und Filter, Klärmittel in vielen Bereichen.[19] Holzkohle, deren fein gegliederte Oberfläche viele unerwünschte organische Substanzen bindet, kann auch als Aktivkohle zum Filtern und Reinigen diverser Stoffe eingesetzt werden. Zum Beispiel bei der Herstellung von Wodka, als Kohletablette bei Durchfall oder für Filter von Gasmasken. Im Allgemeinen absorbiert bei niedriger Temperatur hergestellte Kohle am stärksten. Kohle absorbiert Sauerstoff und wird dabei oxidiert. Dieser reagiert beispielsweise mit Schwefelwasserstoff zu Schwefelsäure und Wasser, mit Ammoniak zu salpetersaurem Ammoniak und mit Schwefelammonium zu schwefelsaurem Ammoniak.

Auch Fäulnisprodukte werden energisch zerstört. Mit Kohle umgebenes Fleisch zersetzt sich erst nach längerer Zeit, und zwar ohne Fäulniserscheinungen. Kohle absorbiert auch Gerüche. Übelriechendes, fauliges Wasser kann durch frisch ausgeglühte Holzkohle gereinigt und Weingeist von Fuselölen befreit werden.

Aber die Kohle wirkt nicht auf die im Wasser enthaltenen mikroskopischen Organismen (Bakterien usw.), und beim Filtrieren des Wassers durch Kohle gehen dieselben durch den Filter; das Wasser wird also geruchlos, aber nicht von den Krankheiten übertragenden Organismen befreit. Kohle kann einige große, unpolare, organische Wasserinhaltsstoffe zurückhalten, z. B. chlorierte Kohlenwasserstoffe, Pflanzenbehandlungsmittel oder Medikamente. Aber Schwermetall-Ionen (z.B. Blei), Nitrat und Calcium/Magnesium (Kalk) lassen sich durch dieses Verfahren nicht herausfiltern.

Holzkohle absorbiert auch

  • Farbstoffe, insbesondere wirkt die stickstoffhaltige Kohle (Knochenkohle in erster Reihe) stark entfärbend.
  • Salze von der Kohle absorbiert, und darauf beruht zum großen Teil der Wert der Knochenkohle für die Zuckerfabrikation.
  • Bitterstoffe, Glycoside, Kohlenhydrate, besonders Alkaloide, werden ebenfalls absorbiert.
Hauptartikel: Aktivkohle

Bei längerem Liegen an der Luft verliert Holzkohle ihr Absorptionsvermögen, erlangt es aber wieder durch Ausglühen; auch können der Kohle die aus Flüssigkeiten aufgenommenen Substanzen wieder entzogen werden (Wiederbelebung), so dass sie nach Ausglühen erneut benutzbar ist.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japanischer Binchōtan

Man benutzt Holzkohle zur Erzeugung intensiver Hitze besonders überall da, wo Rauch- und Flammenbildung vermieden werden muss, beispielsweise im Schmiedefeuer, beim Glühendmachen von Plättstählen, bei chemischen Vorgängen usw. Heute wird Holzkohle vor allem für Freizeitzwecke, z. B. zum Grillen DIN 1860 (51749), technisch hergestellt. Holzkohle war vor Entwicklung der Verkokung von Steinkohle zu Koks der notwendige Brennstoff zur Metallverhüttung sowie für die Esse des Schmiedes. Da sie Metalloxide reduziert, sowie wenig Asche und praktisch keinen Schwefel enthält eignet sie sich hervorragend zur Gewinnung von Metallen aus den Erzen, ist aber viel zu teuer und verbrennt zu schnell.[20][21] Silber- und Kupfersalze werden durch Kohle reduziert.→Löten. Holzkohle kann auch zur Stahlhärtung verwendet werden, dazu wird das Werkstück mehrere Stunden in glühende Holzkohle gelegt und danach mit Wasser abgeschreckt.[22] Der Kohlenstoff dringt dann in die äusseren Schichten des Stahls ein. Weiter kann aus Holzkohle Schwefelkohlenstoff, NatriumcyanidCastner-Kellner-Verfahren, Ferrosilicium gewonnen werden.[18]

Weitere Verwendungszwecke:

Als Bodenverbesserer macht Holzkohle den Boden locker und wirkt außerdem durch ihre Absorptionsfähigkeit für Ammoniak und Kohlensäure. Zierpflanzen mit faulenden Wurzeln können geheilt werden, wenn sie in mit Kohle gemischte Erde gebracht werden. Große Wunden an Saftgewächsen heilen leicht, wenn man sie mit Kohlenpulver bestreut, auch kann man solche Gewächse, Knollen und Samen für einen längeren Transport gut in Kohle verpacken. Seit kurzem wird Holzkohle auch als wiederentdeckter Bodenhilfszusatzstoff im Gartenbau und in der Landwirtschaft diskutiert unter dem Namen Pflanzenkohle (auch Biokohle oder biochar) oder Terra preta.

Produktion und Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzkohlefabrik
Rechts wird das Holz angeliefert und gelagert. Die Verarbeitung erfolgt links in den Gebäuden

Der Beruf des Köhlers, eines Arbeiters, der in Meilern Holzkohle herstellte, ist in Europa praktisch ausgestorben. Vereinzelte Köhlereien gibt es unter anderem noch im Harz und im Frankenwald. Dabei ist der Rückgang vor allem auf gestiegene Umweltstandards (im Zuge der EU-Osterweiterung auch in Osteuropa) sowie den Mangel an billig verfügbarem Holz als Rohstoff zurückzuführen.

Der größte Teil der weltweit hergestellten Holzkohle stammt aus den so genannten Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Gesamtmenge wird auf mindestens 43 Millionen Tonnen geschätzt, aufgrund der Datenunsicherheit wird diese Menge allerdings als Mindestmenge angenommen. Die in europäischen Ländern verwendete Holzkohle wird überwiegend importiert, wobei für Deutschland eine Importquote von etwa 98 % angenommen wird. Im Zeitraum von Januar bis April 2009 importierte Deutschland 76.700 Tonnen Grillkohle. Davon stammten 32,4 % aus Paraguay, 17,5 % aus Argentinien und 10,7 % aus Polen.[37]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Kaltschmitt, Hans Hartmann, Hermann Hofbauer (Hrsg.): Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren. 2. Auflage. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-85094-6.
  • Max Klar: Technologie der Holzverkohlung: 2. Auflage. Springer, 1910, ISBN 978-3-642-99310-7.
  • H.M. Bunbury, W. Elsner: Die trockene Destillation des Holzes. Springer, 1925, ISBN 978-3-642-91149-1.
  • P. Krais (Hrsg.): Werkstoffe. Handwörterbuch der technischen Waren und ihrer Bestandteile. 3 Bände, Barth, Leipzig 1921 auf Archive.org
  • Hans Jüptner von Jonstorff auch Hanns: Lehrbuch der chemischen Technologie der Energien. Band 1, F. Deuticke, Leipzig 1905.
  • Kohle. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 914.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11, Leipzig 1907, S. 229–231.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Holzkohle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Charcoal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Y. Kuzyakov, I. Subbotina, H. Chen, I. Bogomolova, X. Xu: Black carbon decomposition and incorporation into soil microbial biomass estimated by 14c labeling. Soil Biology & Biochemistry 41, 210-219 (2009).
  2. Johannes Lehmann: Terra Preta de Indio. In: Soil Biochemistry (internal citations omitted). Abgerufen am 8. Oktober 2013.
  3. J.C. Carr, W. Taplin: History of the British Steel Industry. Basil Blackwell, Oxford 1962, S. 1: ... the industry's growing demand for fuel had so depleted timber reserves ... as to create a serious national problem.
  4. Jake Kheel: The charcoal war, lateinamericascience.org, abgerufen am 23. November 2015 (englisch).
  5. Andrea Viala: Haiti - Überblick und Naturraum, Webseite der GIZ, abgerufen am 23. November 2015.
  6. François Missier: Ein Paradies wird geplündert, taz vom 17. Oktober 2012, abgerufen am 23. November 2015.
  7. a b Holzkohle auf spektrum.de, abgerufen am 12. August 2016.
  8. Krais
  9. a b Franz Spausta: Treibstoffe für Verbrennungsmotoren. Springer-Verlag, 1939, ISBN 978-3-7091-5309-3, S. 45, 304.
  10. Krais
  11. Information-Brennstoff auf pdf-center.schoweb.de, abgerufen am 12. August 2016.
  12. H.M. Bunbury, S. 115.
  13. a b Th. Geilenkirchen: Grundzüge des Eisenhüttenwesens: 1. Band, Springer, 1911, ISBN 978-3-642-89738-2, S. 124.
  14. Klar
  15. Martin Kaltschmitt, Hans Hartmann, Hermann Hofbauer (Hrsg.): Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren. 2. Auflage. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-85094-6, S. 384.
  16. Franz Liebetanz: Die Kalziumkarbid-Fabrikation. 3. Ausgabe, O. Leiner, Leipzig 1909.
  17. Klar
  18. a b RÖMPP Lexikon Chemie. Band 3: H-L., 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 1997, ISBN 3-13-734810-2, S. 1786.
  19. Otto Fleischer: Lebenserinnerungen eines Bergingenieurs. Jürgen Fleischer, 2014, ISBN 978-3-7357-9876-3, S. 34.
  20. Hermann Hundshagen: Der Schmied am Amboß: ein praktisches Lehrbuch für alle Schmiede. Verlag Th. Schäfer, 1989, ISBN 3-87870-581-6, S. 16 f.
  21. G. Jander, H. Spandau: Kurzes Lehrbuch der anorganischen und allgemeinen Chemie. Springer, 1987, ISBN 3-540-16749-8, S. 204.
  22. Peter Kurzweil: Chemie: Grundlagen, Aufbauwissen, Anwendungen und Experimente. 10. Auflage. Springer, 2015, ISBN 978-3-658-08659-6, S. 103.
  23. a b c d Hans Irion: Chemikalien, Drogen, wichtige physikalische Begriffe in lexikalischer Ordnung: Band 2: A–K. Springer, 1955, ISBN 978-3-642-49796-4, S. 589.
  24. Jöns Jacob Berzelius: Lehrbuch der Chemie. Ausgabe 2, Band 3, Arnold 1828, S. 996.
  25. a b Martin Kaltschmitt S. 703.
  26. A. Lipp, J. Reitinger: Lehrbuch der Chemie und Mineralogie: Springer, 1928, ISBN 978-3-663-15321-4, S. 59.
  27. Saul Dushman, R.G. Berthold, E. Reimann: Die Grundlagen der Hochvakuumtechnik. Springer, 1926, ISBN 978-3-642-91109-5, S. 157 ff.
  28. Prometheus: illustrierte Wochenschrift über die Fortschritte in Gewerbe, Industrie und Wissenschaft. Band 20, Verlag von Rudolf Mückenberger, 1909, S. 38.
  29. F. F. Runge: Grundriß der Chemie: 1. Teil, Georg Franz (Hrsg.), 1846, S. 60.
  30. Gustav Adolf Buchheister, Georg Ottersbach: Vorschriftenbuch für Drogisten. Springer, 1922, ISBN 978-3-662-29491-8, S. 348.
  31. W. T. W. Blumenbach: Handbuch der technischen Materialwaarenkunde, oder Anleitung zur Kenntniß der Rohstoffe etc. C. A. Hartleben (Hrsg.), 1846, S. 107.
  32. Elektrochemische Zeitschrift. Bände 25-26, 1919.
  33. Peter Kuhnert: Lexikon Lebensmittelzusatzstoffe: 4. Auflage. Behr's Verlag, 2014, ISBN 978-3-95468-118-1, S. 9.
  34. Gerhard Eisenbrand, Peter Schreier: RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 3-13-143462-7, S. 914, 964.
  35. Ingo Klöckl: Chemie der Farbmittel: In der Malerei. De Gruyter, 2015, ISBN 978-3-11-037451-3.
  36. RÖMPP Lexikon Chemie. Band 5: Pl-S., 10. Auflage, Georg Thieme Verlag, 1998, ISBN 3-13-735010-7.
  37. Focus. Nr. 31, 27. Juli 2009, S. 76 (Quelle: Statistisches Bundesamt).