Reinsdorf (Lutherstadt Wittenberg)

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Reinsdorf
Koordinaten: 51° 54′ 5″ N, 12° 36′ 43″ O
Höhe: 88 m
Fläche: 14,95 km²
Einwohner: 1816 (31. Mrz. 2016)
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner/km²
Eingemeindung: 15. Oktober 1993
Postleitzahl: 06889
Vorwahl: 03491
Reinsdorf (Sachsen-Anhalt)
Reinsdorf

Lage von Reinsdorf in Sachsen-Anhalt

Reinsdorf ist eine Ortschaft von Lutherstadt Wittenberg im Land Sachsen-Anhalt. Zu ihr gehören die Ortsteile Braunsdorf, Dobien und Reinsdorf.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinsdorf liegt im Süden des Naturparks Fläming. Durch den Ort verläuft der Rischebach, der im weiteren Verlauf die Wittenberger Altstadt durchfließt und dann in die Elbe mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinsdorf war bis 1993 eine selbstständige Gemeinde im Kreis Wittenberg. Zu ihr gehörten die Ortsteile Dobien und Braunsdorf. Dobien war 1937, Braunsdorf 1950 eingemeindet worden. Seit der Eingemeindung nach Lutherstadt Wittenberg im Jahr 1993 verfügen die drei Ortsteile über eine gemeinsame Ortsteilverwaltung mit einem Ortschaftsrat und einem gemeinsamen Ortsbürgermeister.[2]

Reinsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde der Ort im Jahr 1398 als Reymersdorf erwähnt. Der sächsische Hofmarschall Löser vergab Reinsdorf 1430 als Lehnsgut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort vollständig zerstört.

In Reinsdorf gab es mehrere Mühlen:

  • Hohe Mühle, 1330 der Kapelle zum Heiligen Kreuz in Wittenberg 1330 zinspflichtig, 1569 Universitätsmühle, ab 1813 Walkmühle der Tuchmacher
  • Neumühle, vor 1573 Pulvermühle, später Mahlmühle, 1972 stillgelegt
  • Teichmühle, 1835/36 erbaut, bis 1950 in Betrieb

In Reinsdorf wurde 1870 ein Braunkohletagebau eröffnet, aus dem nach seiner Stilllegung der Mummelsee entstand.

Nahe dem Ort errichtete 1894 die WASAG (Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff AG) ein Sprengstoffwerk, das 1935 fast 8.000 Beschäftigte hatte. Hier ereignete sich 1935 ein schweres Explosionsunglück mit über 100 Todesopfern, ebenso vielen Schwerverletzten und großen Sachschäden im Werk und in den umliegenden Dörfern.

Dobien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dobien wurde 1182 erstmals als Burgward mit einem Ritter von Dobien auf dem Wallberg erwähnt. Um 1200 wurde die Anlage durch einen Angriff bewaffneter Wittenberger unbewohnbar. Die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kirche wurde 1683 wieder aufgebaut, 1813 im Befreiungskrieg jedoch wieder zerstört. 1820 begann der Wiederaufbau.

Auch in Dobien gab es Mühlen. Die 1672 errichtete Mahlmühle war bis 1954 in Betrieb, eine weitere Mühle lag oberhalb des Ortes und wurde seit 1814 als Tuchmacherei und später zur Papierproduktion genutzt.

Braunsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunsdorf wurde erstmals 1377 als Brunsdorp erwähnt. Die alte Dorfanlage ist als Rundling um eine kleine Anhöhe mit einer Kirche im Mittelpunkt angelegt. Dorf und Kirche wurden im Dreißigjährigen Krieg geplündert und zerstört. 1687 wurde die neu aufgebaute Kirche eingeweiht und zum Gedenken eine Linde gepflanzt, die bis heute erhalten ist.

Braunsdorf besaß zwei durch den Rischebach angetriebene Wassermühlen. Auf dem Grundstück der einen Mühle wurden in der DDR im VEB Leichtbaustoffe Leichtbauplatten hergestellt, in der zweiten Mühle bis 1960 Papier produziert.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Reinsdorf Dobien Braunsdorf
1871 281 241 163
1925 594 743 .
1933 1832 354
1939 3119 470
1992 966 1346 367
2010 864 1365 412
2014 882 1299 408

Quellen: [3][4][5]

Die Zunahme der Einwohnerzahl in den 1930er-Jahren ist auf den starken Ausbau des Sprengstoffwerks der WASAG zurückzuführen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Kulturdenkmale in Lutherstadt Wittenberg

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk Wittenberg der Feldbinder Spezialfahrzeugwerke GmbH produziert Tank- und Silofahrzeuge auf einer Fläche von 28.000 m² überkranter Produktionsanlagen.[6] Vorgängerbetrieb war der VEB Apparate- und Rohrleitungsbau (später VEB Apparate- und Chemieanlagenbau-ACA). In diesem Werk waren seit Ende der 1920er-Jahre Druckbehälter für die chemische Industrie und die Eisenbahn in Edelstahl und Aluminium gefertigt worden.

Seit 1953 bestand in Reinsdorf die Reinsdorfer Wurst- und Fleischkonservenfabrik Ernst Dexheimer (später VEB Fleischkonserven Reinsdorf). Seit 1990 produziert hier die Reinsdorfer Fleisch- und Wurstwarenmanufaktur GmbH.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Dobien liegt an der Landesstraße L 124 zwischen Lutherstadt Wittenberg und Straach. Reinsdorf ist durch die Buslinie 301 der Vetter Verkehrsbetriebe mit dem Stadtzentrum Wittenbergs verbunden.

Der Ort lag mit den Haltepunkten Reinsdorf (bei Lutherstadt Wittenberg) und Reinsdorf-Braunsdorf an der Bahnstrecke Lutherstadt Wittenberg–Straach, die 1911 eröffnet und auf der der Personenverkehr 1959 eingestellt wurde.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinsdorf verfügt über ein Strandbad, das 1934 aus einer Quarzsandgrube entstand, die sich nach Ende des Abbaus mit Grundwasser füllte.[8]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Reinsdorf befinden sich die Grundschule „Heinrich Heine“ und die Sekundarschule „Heinrich Heine“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 17 der Hauptsatzung der Lutherstadt Wittenberg
  2. Gebietsänderungsvertrag mit der Gemeinde Reinsdorf
  3. Aus alten Zeitungen auf www.dobiener.de
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Einwohnerzahlen 1925, 1933 und 1938. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Lutherstadt Wittenberg: Statistischer Informationsdienst. Jahresbericht 2013/2014. S. 7
  6. Unternehmenshistorie der Feldbinder Spezialfahrzeugwerke
  7. Wir sind die Reinsdorfer. In: Wittenberger Sonntag, 14. November 2015
  8. Strandbad Reinsdorf auf der Website des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt