Relikt (Botanik)

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Reliktart Blaues Mänderle

Bei einem Relikt (oft Relikte) handelt es sich in der Geobotanik um eine Pflanzenart, welche in der Vergangenheit auf Grund klimatischer Bedingungen in einem anderen Gebiet verbreitet war. Infolge von Klimaänderung haben sich diese Arten an Überdauerungsorte zurückgezogen, sind fast verschwunden und besitzen heute in der Kulturlandschaft kein Ausbreitungsvermögen. Durch isoliertes Vorkommen ist der Gen- und Diasporenaustausch eingeschränkt.

Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vorkommenden Glazial- und Xerothermrelikte werden in drei Gruppen eingeteilt:

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Reliktstandorten gehören Hochmoore, Steinschuttfluren, Berggipfel und Schwermetallböden. Man findet sie etwa in den südlichen Alpen als Felsspaltenfluren. In Mitteleuropa kann nach Ellenberg die Bunte Erdflechtengesellschaft als Reliktgesellschaft der postglazialen Wärmezeit aufgefasst werden.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Floristisch vielfältige Reliktgesellschaften aus dem Tertiär findet man im submediterranen Raum. Im Speziellen als Glazialrelikt beherbergen beispielsweise kühle, saure Moorgewässer im Alpenvorland die seltene Gesellschaft der Kleinen Teichrose (Nupharetum pumilae). Im Gebiet der Karnischen Alpen findet man auch heute noch auf den Überdauerungsort beschränkt beispielsweise Blaues Mänderle (Paederota bonarota) oder Schopfteufelskralle (Physoplexis comosa, früher Phyteuma sieberi benannt). In der Pannonischen Florenprovinz treten u. a. Tátorján-Meerkohl und Europa-Hornmelde als eiszeitliche Kältesteppenrelikte auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 5. Aufl., Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3825281043