Renate Müller (Designerin)

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Renate Müller (* 1945) ist eine deutsche Designerin und Spielzeugproduzentin aus Sonneberg.

Renate Müllers Interesse für Spielzeugherstellung resultiert aus der Familienherkunft: Bereits ihr Großvater hatte in der Firma H. J. Leven an der Entwicklung und Produktion von Spielzeug unter reformpädagogischen Gesichtspunkten mitgewirkt. Ihre Eltern führten ebenfalls eine Werkstatt für pädagogisch anspruchsvolle Gegenstände. So studierte Renate Müller Design an der Sonneberger Fachschule für angewandte Kunst bei Helene Haeusler (1904–1987). Über ihre Lehrerin sagte sie in einem Interview: „Sie war vom Bauhaus beeinflusst, einfache Formgebung und Naturmaterialien waren ihr Ideal. Sie hatte ihren Studentinnen schon Ende der Fünfziger Zuckersäcke mitgebracht, aus denen die ersten mit Holzwolle gestopften Rupfentiere entstanden. In Sonneberg, wo sich alles ums Plüschtier drehte, war dieses Material eine Provokation. Als ich 1964 mein Studium begonnen habe, hat es mir gleich zugesagt.“[1]

Sie begann in den 1960er Jahren in der elterlichen Werkstatt in Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten hochwertiges Kinderspielzeug zu entwickeln. Ihre Tier-Figuren konnten rasch zur Serienreife geführt und 1967 erstmals zur Leipziger Frühjahrsmesse der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nach dem Erwerb des Abschlusses stieg Renate Müller in das elterliche Unternehmen mit ein. Alles Spielzeug wurde in Handarbeit hergestellt, beispielsweise eine Schildkröte aus weichem Plüsch mit einem Panzer aus bunten Lederecken. Das Tier konnte von den Kleinkindern gekuschelt, aber auch zum Sitzen genutzt werden.[2]

Im Jahr 1972 wurde die Manufaktur verstaatlicht und die Produktion nach Müllers Entwürfen weitergeführt, sie verlor aber die Markenrechte an ihren Figuren. Das wertvolle therapeutische Spielzeug ging in der DDR-Zeit nicht in den normalen Verkauf, sondern ausschließlich an Kindergärten,therapeutische Einrichtungen und in den Export. Bis 1978 arbeitete Renate Müller als Gestalterin im VEB Therapeutisches Spielzeug (später VEB Sonni), dann schlägt sie sich bis zur Wende als freischaffende Künstlerin durch, baut unter anderem Spielplätze.

Die kleine Werkstatt wurde nach der Wende reprivatisiert, die Markenrechte zurückgekauft und die Firma Renate Müller – Spiel & Design gegründet. Sie bietet weiterhin hochwertiges Spielzeug wie Krokodil, Giraffe oder Nashörner aus ökologischen Materialien, gefüllt und geformt mit Rupfen und in Handarbeit gefertigt.[2] Weil inzwischen bessere Materialien verfügbar sind und nur Kleinstserien erzeugt werden, gehören die seit den späten 1990er Jahren hergestellten Spielsachen zu den hochpreisigen Produkten. Ihnen wird sogar eine höhere Authentizität bescheinigt.

Die robusten Spieltiere aus Müllers Manufaktur werden inzwischen weltweit gehandelt. Die früheren Erzeugnisse erfreuen sich bei Sammlern, Museen und vor allem in den USA großer Nachfrage. Die oben genannte Schildkröte aus dem Jahr 1968 wird beispielsweise von einem Kunstexperten auf einen Wert von 1 800 Euro geschätzt.[2] Renate Müller beliefert eine New Yorker Kunstgalerie regelmäßig mit mehreren Dutzend Tieren. 2012 wurde ihr Spielzeug u.a. im Rahmen der Ausstellung "Century of a child" im Museum of Modern Art ausgestellt.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Müller: Toys + Design (englisch), Verlag R 20th Century Gallery, 2011, ISBN 978-0970460837.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glück im Spiel, Interview mit Renate Müller im Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 30/2013, abgerufen am 23. Februar 2016
  2. a b c Stefan Strauß: Kunst und Design aus der DDR wird versteigert; in der Printausgabe: Die Schätze des Ostens. In: Berliner Zeitung vom 15./16. November 2014, S. 18.