Ressourcengerechtigkeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ressourcengerechtigkeit ist ein umweltpolitischer und umweltethischer Begriff. Er verbindet Elemente der Verteilungsgerechtigkeit und der Klimagerechtigkeit und geht von der Beobachtung aus, dass in Ländern, die reich an Ressourcen wie Bodenschätzen und anderen natürlich vorkommenden Primärrohstoffen sind, viele Menschen dennoch in Armut leben. Um diesem als ungerecht empfundenen Widerspruch Abhilfe zu schaffen, soll durch Ressourcengerechtigkeit eine global faire Verteilung aller natürlichen Vorkommen erreicht werden.

Teilbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gini-Koeffizient (in Prozent) der Einkommensverteilung (Weltbank, 2014)

Als Unterbegriff der Verteilungsgerechtigkeit entstand der Begriff Ressourcengerechtigkeit zuerst durch die wiederholte Beobachtung, dass Ressourcen, die eigentlich ein Segen sein sollten, sich für die Menschen in jenen Gegenden, in denen sie vorkommen, zum Fluch entwickelten (siehe Ressourcenfluch). Hierfür gibt es verschiedene Gründe, die teils isoliert, teils in Kombination auftreten, so zum Beispiel:

  • Der Abbau von Ressourcen wie z. B. Erdöl führt zu schweren Umweltschäden.
  • Die Ressourcen werden von einer kleinen Elite kontrolliert, die die Gewinne einstreicht oder unterschlägt.
  • Ressourcen in Entwicklungsländern werden durch Konzerne aus den Industriestaaten abgebaut, wobei letztere die Gewinnen weitgehend für sich behalten.
  • Konzerne können versuchen, genetische Ressourcen zu patentieren.[1]

Wege zur Ressourcengerechtigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tilman Santarius, Vorstandsmitglied bei Germanwatch, empfiehlt für die Ressourcengerechtigkeit vier Leitbilder: „Existenzrechte sichern, Ressourcenansprüche zurückbauen, fairen Tausch ermöglichen, Nachteile ausgleichen.“[2] In dem Memorandum der Heinrich-Böll-Stiftung „Gerechtigkeit gestalten – Ressourcenpolitik für eine faire Zukunft“ (2014) wird gefordert:

  • „[...] den Rechten von Menschen und der Natur Vorrang vor Märkten und Profiten geben und Menschen befähigen, ihre Rechte zu behaupten und einzufordern;
  • die Machtkonzentration stoppen und den Zugang zu sowie die Kontrolle über natürliche Ressourcen, Finanzkapital und Technologien wieder in die Hände der Menschen legen;
  • Produktion, Konsum und Lebensgrundlagen sozial-ökologisch gerecht machen.“[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • INKOTA-Dossier 16: Ressourcengerechtigkeit – Auf der Suche nach einer anderen Rohstoffpolitik
  • G. Kier, D. Bernhardt, C. Bals: Erneuerbare Energien. Eine Chance für Ressourcengerechtigkeit und Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, Germanwatch 2004, ISBN 3-9806280-8-6
  • Heinrich-Böll-Stiftung: Gerechtigkeit gestalten – Ressourcenpolitik für eine faire Zukunft, Berlin 2014, ISBN 978-3-86928-128-5
  • Wuppertal Institut: Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit, München 2005, ISBN 3 406 52788 4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. André Zantow: Zwischen Ressourcengerechtigkeit und Biopiraterie Deutschlandfunk, 8. April 2013
  2. Tilman Santarius: Was ist Ressourcengerechtigkeit? In: Widerspruch, Nr. 54, 2008, S. 127–137.
  3. Heinrich-Böll-Stiftung: Gerechtigkeit gestalten – Ressourcenpolitik für eine faire Zukunft Berlin 2014, ISBN 978-3-86928-128-5 Siehe dort S. 13