Ressourcentheorie

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Ressourcentheorien beschreiben die Möglichkeiten von Individuen und Unternehmen an Hand der Ausstattung mit materiellen und immateriellen Ressourcen. Im Unterschied zu (betriebs)wirtschaftlichen Ressourcentheorien, die die Lage von Unternehmen betrachten, beschäftigen sich psychologische und soziologische Ressourcentheorien mit der Lebenssituation von Individuen.

Betriebswirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ressourcentheorie bzw. Ressourcenorientierung, oft auch Resource-based View (RBV), ist seit Ende der 1970er Jahre von verschiedenen Fachwissenschaftlern vertretene Theorie zur alternativen Erklärung von Wettbewerbsvorteilen von Unternehmen, in denen der Begriff der Ressource in den Mittelpunkt gestellt wird. Stellvertretend können Jeffrey Pfeffer und Gerald R. Salancik genannt werden.[1]

Die wissenschaftliche Disziplin des Strategischen Managements hat bei der Untersuchung des Unternehmenserfolgs einen stetigen Wandel erfahren: Während in den 1970er Jahren eine relativ einseitige Ausrichtung am Absatzmarkt existierte, so herrschte in den 1980er Jahren eine intensive Wettbewerbs- und Umweltorientierung vor. Die Hauptaussagen dieses Paradigmas gipfeln in der Marktstruktur-Marktverhaltens-Marktergebnis-Hypothese (Structure-Conduct-Performance-Hypothese), in der der Erfolg eines Unternehmens auf seine strategische Anpassung an extern gegebene Faktoren, wie z. B. Branchencharakteristika, abgestellt wird. In den 1990er Jahren geriet die einseitige Ausrichtung des Strategischen Managements an externen Faktoren immer mehr in die Kritik. Unter Rückgriff auf Edith Penrose, die bereits 1959 in „The Theory of the Growth of the firm“ Erfolg auf die Qualität interner Ressourcen zurückführt, wurde die Idee eines Resource-based View reanimiert. Im RBV werden also zwei Ansätze vereint: zum einen werden strategische Vorteile von Unternehmen darauf zurückgeführt, dass Unternehmen über andere, strategisch wertvollere Ressourcen verfügen; zum anderen, dass sie ihre Ressourcen besser als ihre Konkurrenz nutzen können. Unterschiede im Unternehmenserfolg werden hier – wie auch in anderen Ansätzen der Evolutionsökonomik – in der Ressourcenausstattung bzw. auf den Ressourcenmärkten gesehen.

Kernkompetenzansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im RBV verankerte Kernkompetenzansatz von Prahalad und Hamel[2] verengt das Feld potenziell wettbewerbsrelevanter Ressourcen eines Unternehmens auf bestimmte Kompetenzen des Unternehmens. Diese sollen so beschaffen sein, dass sie bei der Produktion einer Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen genutzt werden können und dabei den Kunden einen möglichst hohen Nutzenzuwachs bringen. Ferner sollte das Unternehmen möglichst alleine über diese Kernkompetenz verfügen. Hieraus wird u. a. als strategisches Unternehmensziel die Entwicklung eines Alleinstellungsmerkmals gefordert (auch: Unique Selling Proposition resp. USP).

Kooperative Strategien im RBV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Tatsache, dass der RBV einen unternehmensinternen Fokus einnimmt, haben auch kooperative Beziehungen ihren Stellenwert innerhalb des RBV.

Gründe und Ziele für kooperative Beziehungen aus der Perspektive des RBV sind:

  • Zugang und Integration externer Ressourcen (zur Generierung von Wettbewerbsvorteilen müssen externe Ressourcen in die unternehmensinternen Prozesse integriert sein)
  • Kosten- und Zeitaspekte rein interner Beschaffung und Generierung von Ressourcen (Beschleunigung des Produktionslebenszyklus z. B.)
  • Kurzfristige Nutzung von komplementären Ressourcen
  • Einseitigkeit der Nutzenmaximierung (unternehmungsegoistisches Ziel des „outlearning“)

Der Markt als Organisationsform spielt innerhalb des RBV (fast) keine Rolle. Das liegt zum einen an der schwachen Informationsdichte der Marktbeziehungen, die es nicht erlaubt, strategische Ressourcen zu bilden. Im Markt existieren kaum nicht-monetäre Anreize, wertvolle Informationen zwischen Unternehmungen auszutauschen. Der RBV ist hierarchiegebunden, auch wenn Kooperationen analysiert werden. Netzwerke werden als Medium interner Vorteilsgenerierung gesehen, wo jeder Partner versucht, wertvolle Ressourcen des anderen zu integrieren, mit der Absicht, Vorteile in Form einer Kooperationsrente zu generieren.

Kritik und Einschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Langfristige Wertschöpfungs-Potenziale im Rahmen einer Kooperation sind schwer in die Logik des RBV integrierbar. Der RBV trägt nur unzureichend zur Erklärung unternehmensübergreifender Kooperationen bei.
  • Inkonsistente Vorstellung über unternehmensinterne Austauschprozesse. Es besteht die Gefahr dass ein Partner versucht, an wertvolle Ressourcen des anderen Partners zu gelangen, ohne dabei den Zugang zu eigenen strategischen Ressourcen zu gewährleisten. Dies führt zu Misstrauen und zur Auflösung der Partnerschaft.
  • Statisches Verständnis der Kooperationen. Ressourcen und Motivation sind einem ständigen Wandel ausgesetzt. Zugang zu sich verändernden Ressourcen impliziert langfristige kooperative Beziehung.
  • Ausschließliche Anwendung der Organisationstheorien. Eine Integration sozialer Theorien erfolgt nicht.

Psychologie und Soziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Unterschied zu (betriebs)wirtschaftlichen Ressourcentheorien, beschäftigen sich psychologische und soziologische Ressourcentheorien nicht mit Organisationen sondern mit Individuen. Es existieren mehrere psychologische Ressourcentheorien zu Teilaspekten der Ressourcennutzung.

Ressourcen(austausch)Theorie von Foa und Foa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ressourcen(austausch)theorie von Foa und Foa[3] erfasst die Bedeutung von Ressourcen zur Gestaltung von Lebensführung und zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Autoren erstellen sechs Ressourcenklassen Liebe, Dienstleistungen, Güter, Geld, Informationen und sozialer Status, die nach dem Grad ihrer Konkretheit und ihrer Einzigartigkeit einander zugeordnet sind. Ressourcen erhalten ihre Wertigkeit über subjektive und kulturelle Bedeutungszuschreibungen und vor allem über den Wert, den sie für den Austausch mit anderen Ressourcen haben, um darüber die eigenen sozialen Beziehungen und die Lebensgestaltung zu verbessern oder weitere Ressourcen hinzuzugewinnen.[4]

Theorie der Ressourcenerhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hobfoll führt mit seiner Theorie der Ressourcenerhaltung, die Entstehung von individuellem und sozialem Stress auf Veränderungen (insbes. reale oder drohende R.-Verluste) der zur Verfügung stehenden Ressourcen zurück. Er kann zeigen, dass Ressourcenverluste, insbes. solcher, die zur Aufrechterhaltung des Individuums, der Familie oder des Lebenskontextes dienen, zu schwerwiegenderen Stress-Reaktionen führen als Ressourcengewinne im gleichen Ausmaß.[5][6]

Das SAR-Modell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das systemisches Anforderungs-Ressourcen-Modell (SAR-Modell) nach Peter Becker betrachtet das Zusammenspiel von Ressourcen und Anforderungen auf verschiedenen biopsychosozialen Systemebenen, und untersucht deren Auswirkungen auf die Gesundheit.[7] Damit rücken die die wechselseitige Abhängigkeit von Menschen und (sozialer) Umwelt in der Zugänglichkeit, Nutzung und Handhabung von Ressourcen und die damit gekoppelten Ressourcenaustauschprozesse in den Fokus. Die dem Modell von Becker zugrunde liegende Idee, Ressourcen und Belastungen gegenüberzustellen, wird bereits in dem transaktionalen Stressmodell von Lazarus formuliert und wird gegenwärtig von Franz-Christian Schubert als transaktionale Ressourcenkonzeption weitergeführt.[8]

Soziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Soziologie wird eine ressourcentheoretische Analyse auch dafür verwendet, um soziale Ungleichheit zu beschreiben. Pierre Bourdieu thematisiert in einer Untersuchung[9] sowie in seinem Buch Sozialer Sinn die Akkumulation verschiedener Ressourcen als den Mechanismus, der eine vorteilhafte Stellung in der Gesellschaft dauerhaft absichern kann und sie auch an nachfolgende Generationen "vererbbar" macht.[10] Er unterscheidet ökonomische, soziale und kulturelle Ressourcen, die er als Kapitalarten bezeichnet (siehe Kapital).

Alban Knecht entwickelt aufbauend auf psychologische und die soziologische Ansätzen eine integrative Dachtheorie zur Beschreibung sozialer Ungleichheit und zur Analyse ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung.[11] Psychische Ressourcen wie Motivation und Engagement, internale Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartung sowie Kohärenzgefühl und andere Ressourcen wie finanzielle, soziale, gesundheitliche und bildungsbezogene Ressourcen wirken wechselseitig aufeinander ein. Die Möglichkeit Ressourcen ineinander zu transformieren, führt dazu, dass Menschen mit vielen Ressourcen ihre soziale Position oft (lebens)lang halten können, während Menschen mit geringen Ressourcen in vielen verschiedenen Lebensbereichen mit Deprivation zu kämpfen haben (multidimensionale Armut). Die soziale Verteilung der Ressourcen wird auch durch sozialpolitische Interventionen wie Erhebung von Steuern, Umverteilung und sozialen Dienstleistungen beeinflusst.

Knecht und Schubert[12] vertiefen diese Perspektive interdisziplinär, indem sie für einzelne Ressourcen (Geld, Gesundheit, Bildung, Soziales Netzwerk) zeigen, wie diese zum einen durch sozialpolitische Maßnahmen und zum anderen durch beratende/psychotherapeutische und sozialarbeiterische Interventionen beeinflusst werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barney, J.B. (1991): Firm Resources and Sustained Competitive Advantage. Journal of Management, 17. Jg., H. 1, S. 99–120
  • Crook, T.R.; Ketchen, D.K.; Combs, J.G.; Todd, S.Y. (2008): Strategic Resources and Performance: A meta-analysis. In: Strategic Management Journal; Vol. 29, No. 11, pp. 1141–1154.
  • Hoopes, D.G.; Madsen, T.L.,; Walker, G. (2003): Guest Editors’ Introduction to the Special Issue: Why is There a Resource-Based View? Toward a Theory of Competitive Heterogeneity. In: Strategic Management Journal; 24, pp. 889–902.
  • Peteraf, M. A. (1993): The cornerstones of competitive advantage: a resource-based view. In: Strategic Management Journal, Vol. 14, No. 3, pp. 179–191
  • Richard P. Rumelt (1991): How much does industry matter? In: Strategic Management Journal, Vol. 12, No. 3, pp. 167–185
  • David J. Collis, Cynthia A. Montgomery (1995): Competing on Resources: Strategy in the 1990s, Harvard Business Review, July-August
  • Teece, D., Pisano, G.; Shuen, A. (1997): Dynamic Capabilities and Strategic Management. In: Strategic Management Journal, Vol. 18, No. 7, pp. 509–533
  • Wernerfelt, B. (1984): A resource-based view of the firm. In: Strategic Management Journal, Vol.5, pp. 171–180

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jeffrey Pfeffer, Gerald R. Salancik (1978): The external control of organizations: a resource dependence perspective; New York: Harper & Row ISBN 0-060-45193-9
  2. C.K. Prahalad, Gary Hamel: The Core Competence of the Corporation, Harvard Business Review, Mai–Juni 1990
  3. U. G. Foa & E. B. Foa: Resource theory of social exchange. In: J. W. Thibaut, J. T. Spence, R. C. Carson (Hrsg.): Contempory Topics in Social Psychology. General Learning Press, 1976, ISBN 978-0-382-25078-1.
  4. Kjell Törnblom, Ali Kazemi (Hrsg.): Handbook of Social Resource Theory. Theoretical Extensions, Empirical Insights, and Social Applications. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2012.
  5. S. E. Hobfoll: Conservation of resources: An new attempt at conceptualizing stress. In: American Psychologist. Band 44, S. 513–524.
  6. S. E. Hobfoll: Stress, culture, and community. Plenum Press, New York.
  7. Becker, Peter: Gesundheit durch Bedürfnisbefriedigung. Hogrefe, Göttingen.
  8. Schubert, Franz-Christian: Ressourcenorientierung im Kontext von Lebensführung - grundlegende Theorien und konzeptionelle Entwicklungen. In: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis. Band 48, Nr. 4, S. 827–844.
  9. Bourdieu, Pierre: Ökonomisches Kapital - Kulturelles Kapital - Soziales Kapital. In: Pierre Bourdieu (Hrsg.): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zu Politik & Kultur, 1. VSA, Hamburg 1992, S. 49–79.
  10. Knecht, Alban: Lebensqualität produzieren. Ressourcentheorie und Machtanalyse des Wohlfahrtsstaats. VS Verlag, Wiesbaden 2012.
  11. Knecht, Alban: Lebensqualität produzieren. Ressourcentheorie und Machtanalyse des Wohlfahrtsstaats. VS Verlag, Wiesbaden 2012.
  12. Alban Knecht, Franz-Christian Schubert: Ressourcen im Sozialstaat und in der Sozialen Arbeit. Aktivierung - Förderung - Zuteilung. Kohlhammer, Stuttgart.