Revolta da Chibata

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Einige der Seeleute mit Reportern auf der Minas Geraes am letzten Tag der Revolte, in der Mitte João Cândido
Das Schlachtschiff Minas Geraes, Ausgangspunkt der Revolte

A Revolta da Chibata (Die Revolte der Peitsche) war ein Aufstand hauptsächlich dunkelhäutiger brasilianischer Seeleute der brasilianischen Marine im November 1910. Über 2000 Seeleute rebellierten gegen die Bestrafung mit physischer Gewalt durch ihre hellhäutigen Vorgesetzten.

Der Aufstand war über zwei Jahre lang geplant und wurde unter der Führung des Seemannes João Cândido Felisberto (Geb. 24. Juni 1880, verst. 6. Dezember 1969) von den Besatzungen von vier großen Kriegsschiffen durchgeführt. Die Revolte ging vom neuen Schlachtschiff Minas Geraes (Minas-Geraes-Klasse) aus und griff auf deren Schwesterschiff São Paulo, das alte Küstenschlachtschiff Deodoro und den Kreuzer Bahia über. Auch kleinere Schiffe wurden übernommen, die Besatzungen wechselten jedoch zur Verstärkung der Mannschaften auf die genannten vier Schiffe, die damit die Flotte der Aufständischen bildete. Die meisten Offiziere und ihnen loyale Mitarbeiter durften dort frei an Land wechseln.

Die Offiziere entstammten dabei praktisch ausschließlich der Oberschicht Brasiliens, die schon früher gegen Reformen rebelliert hatte. Die Sklaverei in Brasilien wurde eigentlich 1888 abgeschafft, als dem letzten Land westlicher Kultur. Schon im Jahr darauf kam es jedoch zum einem Staatsstreich. Die Situation konnte jedoch nicht klar geklärt werden. Letztlich wurden Körperstrafen wie Auspeitschung an Land verboten. Bei der Marine wurde sie jedoch beibehalten, da man die einfachen Ränge äußerst gering schätzte - straffällig gewordene Jugendliche der Unterschichten wurden oft in Erziehungslager gesteckt, und etwa ab dem Alter von 16 zum Dienst verpflichtet. Auch wahllose Zwangsverpflichtungen in den Armenvierteln sind aus dieser Zeit bekannt.

Bei der Übernahme der Schiffe am 22. November 1910 gab es nur sechs Tote, darunter Joao Batista das Neves, dem Kommandanten des Schlachtschiffs Minas Geraes. Dieser kam ums Leben, als er sich mit dem Revolver gegen die Meuterer versuchte zu wehren. Anschließend wurde einige Salven über die Stadt Rio de Janeiro hinweggeschossen, um zu zeigen, dass sie die Waffengewalt hatten. Durch einen Boten wurden die Forderungen an die Regierung übersandt, betreffend die Abschaffung von Bestrafung durch Auspeitschungen, Verbesserung der Verpflegung und Amnestie für alle Meuterer.

Am Morgen des 23. November 1910 sah sich die Stadt einer Flotte mit Kanonen gegenüber, gegen die sie keine Gegenmittel hatten. Sofort begann die Regierung jedoch mit Planungen, wie sie den Aufstand gewaltsam niederzuschlagen konnten, und beorderte die restlichen Schiffe der brasilianischen Marien heran. Um Zeit zu gewinnen, entsandte sie jedoch eine Unterhändler auf die Schiffe, José Carlos de Carvalho. Dieser berichtete dann jedoch auch, dass die Aufständischen wohlorganisiert sind, und ihre Flotte (zum Erstaunen der Offiziere) in Formation fahren konnten. Da schon eines der Dreadnought-Schiffe mehr Feuerkraft als die gesamten verbliebenen Kanonen hatte, blieb effektiv nur noch die Möglichkeit, die Schiffe mit Torpedos zu versenken.

Über diese Frage entbrannte nun innerhalb der Regierung und im Parlament ein heftiger Streit. Die gerade erst beschafften Kriegsschiffe sollten eigentlich den Aufstieg Brasiliens zur internationalen Macht sichern, und waren schon in der Beschaffung eine hohen finanzielle Belastung. Alle anderen Schiffen waren militärisch völlig veraltet, und im damaligen Wettrüsten der Dreadnought-Schiffe völlig unterlegen. So wurde die Situation dann doch so gelöst, dass am 24. November eine Entscheidung ausgearbeitet wurde, die den Forderungen der Aufständischen entsprach, und am 25. November dem Unterhaus zur Annahme vorgelegt wurde.

Nach einer Denkpause akzeptierten die Aufständischen, und manövrierten die Schiffe zur Übergabe zurück (sie waren zwischenzeitlich auf die See hinausgefahren, um möglichen Attacken und Torpedos vorzubeugen). So wurde die Schiffe am 26. November wieder an die Marine übergeben. In der Folge wurden die meisten Meuterer bis zum 27. November an Land gesetzt, und in den folgenden Tagen die Kanonen außer Funktion gesetzt.

Im weiteren Verlauf kam es zu erheblichen Spannungen in den Besatzungen, sodass man dazu überging, die aufständischen Seeleute sämtlich zu entlassen. Die Angst vor Befehlsverweigerungen war so groß, dass man 1300 Entlassungen aussprach, und die entstehenden Lücke mit portugiesischen Seeleuten von Handelsschiffen deckte. Zudem behauptet die Regierung, über 1000 Reisedokumente ausgestellt zu haben, sodass die Entlassenen in ihre Heimatdörfer zurückkehren können.

Im Zuge der Veränderungen auf den Schiffen kam es nun zu einer weiteren Revolte am 9. Dezember. Diese konnte jedoch nicht nur niedergeschlagen werden, sondern bildete den Vorwand, auch die ehemaligen Besatzungsmitglieder festzunehmen. Eigentlich kann die neue Revolte mit dem ersten Aufstand nichts zu tun haben, sodass es letztlich einen Bruch des Amnestieversprechens darstellt. Über 600 Seeleute konnten aufgegriffen werden - und noch am gleichen Tag starben die meisten Anführer des ursprünglichen Aufstandes in den Gefängnissen. Die restlichen Männer wurden zur Zwangsarbeit auf die Plantagen weiter nördlich geschickt, wo dann viele in den Folgejahren unter den extrem heißen Arbeitsbedingungen umkamen.

João Cândido Felisberto überlebte als einer der wenigen die Folter, zog sich allerdings eine schwere Lungenentzündung zu. Der Schwarze Admiral, wie ihn die Presse taufte ("Almirante Negro"), verdingte sich nach der Genesung jahrelang als schlechtbezahlter Hafenarbeiter. In der Politik erschien er nur noch ab 1933 als Mitglied der Integralisten. Andere politische Konsequenzen des Aufstandes sind kaum sichtbar - allenfalls mussten fortan die Rekruten der Marine mindestens lesen und schreiben können.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moacir C. Lopes: O almirante negro. Revolta da Chibata. Quartet Editorial, Rio de Janeiro 2000, ISBN 85-85696-30-3.
  • Edmar Morél: A revolta da chibata. 3. Aufl. Editorial Graal, Rio de Janeiro 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]