Richtlinie 90/434/EWG (Fusionsrichtlinie)

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Flagge der Europäischen Union
Basisdaten der
Richtlinie 90/434/EWG
Titel: Richtlinie des Rates über das gemeinsame Steuersystem für Fusionen, Spaltungen, Einbringungen von Unternehmensteilen und den Austausch von Anteilen, die Gesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten betreffen
Kurztitel:
(nicht amtlich)
Fusionsrichtlinie
Rechtsnatur: Richtlinie
Geltungsbereich: Europäische Gemeinschaft
Rechtsmaterie: Steuerrecht
Veröffentlichung: 90/434/EWG, ABl. 1990, L 225/1-5[1]
Inkrafttreten: 30. Juli 1990
Verabschiedung: 23. Juli 1990
Letzte Änderung durch: 2005/19/EG vom 17. Februar 2005
(ABl. 2005, L 58/19)[2]
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung!

Die Fusionsrichtlinie ist eine EG-Richtlinie. Sie regelt die Besteuerung des grenzüberschreitenden Eigentümerwechsels von Unternehmen und Kapitalbeteiligungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft.

Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das übertragende und das übernehmende Unternehmen müssen in zwei unterschiedlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ansässige Kapitalgesellschaften sein (mittlerweile wird auch die zwischenzeitlich neu eingeführte SE begünstigt). Um einen Aufschub der Besteuerung zu erhalten, muss der Zugriff des Fiskus, dessen Bereich verlassen wird, auf die endgültig aus den stillen Reserven erzielten Erträge sichergestellt sein. Eine weitere Voraussetzung sind weiterhin gesicherte Rechte im Rahmen der Mitbestimmung der Arbeitnehmer.

Ziele und Rechtsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich soll ein Zwang zur Auflösung stiller Reserven bei grenzüberschreitendem Eigentümerwechsel vermieden werden.[3] Eine Besteuerung soll erst zu dem Zeitpunkt erfolgen, zu dem durch eine tatsächliche Veräußerung aus dem Unternehmen heraus eine Gewinnrealisierung erzielt wird.

Ursprüngliche Anwendungsfälle sind Fusionen, Einbringungen, Spaltungen und der Anteilstausch zwischen Unternehmen. Durch Änderungen sind die Regelungen auch auf Abspaltungen, die grenzüberschreitende Sitzverlegung und die Umwandlung von Betriebsstätten in Tochtergesellschaften anwendbar.

Ziel der Richtlinie ist eine Vereinfachung der grenzüberschreitenden Umstrukturierung, vor allem innerhalb von Konzernen und Holdingstrukturen.

Die Sicherung der Besteuerungsrechte erfolgt durch Buchwertverknüpfung, auch die erhaltenen Anteile werden zum Buchwert angesetzt.

Umsetzung in deutsches Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurden zunächst im Rahmen des Umwandlungssteuergesetzes (§ 20 und § 23) die Einbringung und der Anteilstausch umgesetzt, da diese im Wege der Einzelrechtsnachfolge abgewickelt werden. Für die im Wege der Gesamtrechtsnachfolge durchgeführten Umstrukturierungen durch Fusion und Spaltung ist die Umsetzung dann am 12. Dezember 2006 im Rahmen des SEStEG erfolgt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise/Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richtlinie 90/434/EWG
  2. Richtlinie 2005/19/EG
  3. Zum Inhalt: Skript (Memento des Originals vom 1. August 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.steuerlehre.wiso.uni-erlangen.de, dort S. 80 ff., Universität Erlangen, Lehrstuhl Wolfram Scheffler
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