Rollenförderer

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Rollenbahnen und Verschiebewagen
Rollenförderer für Behälter und Kartons bis 50 kg Nutzlast

Der Rollenförderer (auch Rollentransfer) bezeichnet eine stationäre Anlage innerhalb der Fördertechnik bei der die Ware über eine Anordnung von Rollen aus dem Transportvorgang ausgeschleust wird. Rollenbahnen werden innerhalb eines Produktionsprozesses vielseitig eingesetzt: Von der Sortierung, Verteilung und Lagerung von Rohmaterial und letztendlich in der Kommissionierung.[1]

Rollenbahn mit Kettenhubumsetzer zum Ausschleusen

Rollenförderer haben den Vorteil durch eine Art Baukastenprinzip den zur Verfügung stehenden räumlichen Bedingungen angepasst werden zu können, so dass unter anderem Erweiterungen umsetzbar sind. Ebenso anpassungsfähig sind sie, wenn es um das Gewicht der zu transportierenden Ware geht, so kann schweres und leichtes Stückgut durch Rollenförderer ausgeschleust werden. Die Rollen selbst bestehen aus Stahl oder Kunststoff, in Abhängigkeit von dem Gewicht der auszuschleusenden Ware. Die Rollen von Rollenförderern können verschiedene Breiten haben. Schmale Rollen werden Scheibenrollen oder Röllchen genannt. Mehrere auf einer Achse angebrachte Röllchen (egal ob nebeneinander oder hintereinander) bilden Scheiben- oder Rollenbahnen.

Die Varianten des Rollentransfers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollenbahnen, die innerhalb von Rollenförderersystemen zum Einsatz kommen, können in verschiedene Einzelsysteme unterteilt werden. So gibt es verschiedene Systeme, die über unterschiedliche Nutzungen der Rollen die Waren ausschleusen. Es gibt Systeme, die die Ware im 90° Winkel ausschleusen und andere, die dies mit kleineren Winkeln (meistens 45°) tun, auch wenn kleinere Winkel komplizierter zu verwirklichen sind, ist es technisch betrachtet durchaus realisierbar. Die Systeme kann man nicht nur anhand des Ausschleusewinkels unterscheiden: So gibt es Systeme, bei denen die Ware innerhalb des Ausschleusevorgangs vollständig von den Rollen getragen wird und andere, bei denen die Ware lediglich teilweise angehoben und erst anschließend durch die Rollen heruntergezogen wird.

Somit ergeben sich vier Hauptvarianten des Rollentransfers:

  • 90° Ausschleusung volltragend (Rollenhubtisch)
  • 90° Ausschleusung teiltragend (Friktionsrolle)
  • 45° Ausschleusung volltragend (Rollenteppich)
  • 45° Ausschleusung teiltragend (Rollenleiste)

Rollenhubtisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parallel zueinander verlaufende Gurte (zwei oder mehr), zwischen denen zylindrische Rollen angebracht sind, bilden den so genannten Rollenhubtisch. Im Ausgangszustand befinden sich die verwendeten Rollen unterhalb des so genannten Förderniveaus der Gurte (mit dem Förderniveau ist lediglich gemeint, dass die transportierte Ware höher liegt als die Rollen, so kann die Ware problemlos darüber hinweg gefördert werden, ohne dass Probleme auftreten, weil sie nicht anecken können). Zum Ausschleusen der Ware werden die Rollen über das Förderniveau hinausgehoben, so dass die darauf liegende Ware im Winkel von 90° vom Fördermittel ausgeschleust werden kann. Da sich zwischen den Gurten und den Rollen kleinere Lücken befinden, sind innerhalb dieses Rollenförderersystems kleinere Pakete/Waren schwierig zu transportieren. Das Transportsystem des Bandförderers, das beim Rollenhubtisch verwendet wird, findet u. a. Anwendung bei Waren um die 50 kg und weist eine Sortierleistung von 2.000 Teilen pro Stunde auf.

Friktionsrollenbahn / Staurollenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Bei einer Friktionsrolle wird die Drehbewegung durch Reibschluss übertragen.

Innenliegende Friktion: Auf einer fest angetriebenen Welle sitzt ein Reibbelag, außen herum die Rolle. Je nach Gewicht des Fördergutes stellt sich eine entsprechende Reibung und Kraftübertragung ein.

Außenliegende Friktion: Ein z. B. fest angetriebenes Kettenrad ist über eine Rutschkupplung mit der Rolle verbunden, je nach Einstellung der Rutschkupplung wird mehr oder weniger Kraft unabhängig vom Gewicht des Fördergutes übertragen.

Friktionsrollenbahnen sind in der Regel einfach zu steuern. Bei ununterbrochenem Antrieb fährt das Fördergut so lange, bis es auf einen Stopper oder ein anderes Fördergut auffährt. Somit reihen sich die Fördergüter dicht an dicht auf der Rollenbahn auf.[2]

Nachteil Friktionsrollenbahnen - Fördergut berührt sich, da dicht an dicht - je länger das angestaute Fördergut, desto mehr Kraft wird auf das vorderste Fördergut ausgeübt - Mechanik zum Verringern des Staudruckes bei größeren Längen notwendig - Mechanik zum Vereinzeln (Stopper), damit das erste Fördergut frei entnommen werden kann

Einsatz: vorwiegend in der Verkettung von Werkzeugmaschinen

Rollenteppich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollenleisten, die hintereinander montiert sind, bilden den sogenannten Rollenteppich, der über 6.000 Teile pro Stunde verteilt oder auch zusammenführt. Dieses System des Rollentransfers kann Ware befördern, die zwischen 300 Gramm und 35 Kilogramm wiegt. Der Rollenteppich selbst bietet zusätzliche Variationsmöglichkeiten, so können zwei Förderströme auf einer Linie zusammengeführt werden oder aber ein Förderstrom auf zwei Linien verteilt werden, was abhängig ist von der zu transportierenden Ware und der Nutzung des Systems. Da zwischen den einzelnen Rollen Abstände und Lücken entstehen, sollten die zu transportierenden Waren eine Mindestgröße nicht unterschreiten, da es sonst beim Ausschleusen zu Problemen kommen kann.

Rollenleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rollenleiste wird auch als Schwenkrollensorter bezeichnet, wobei der Schwenkrollensorter viel eher als eine Sonderform der Rollenleiste anzusehen ist. Rollenleisten setzen sich aus einer Reihe einzelner Rollen, die aus der Förderebene herausgehoben werden können und so die Ware vom Band schleusen zusammen. Die Rollen sind bei diesem System schräg gestellt und lenken die Ware zur Seite hin vom Förderband herunter, so dass die Ware sobald sie sich über die Rollen bewegen in die Abgabestelle ausgeschleust werden kann. Bei der Nutzung von schwenkbaren Rollen ist es auch möglich die Ware beidseitig auszuschleusen (Sonderform der Rollenleiste: Schwenkrollensorter). Wird die Ware im Vorfeld in die Richtung der Ausschleusung ausgerichtet, so gewährleistet dies eine schnelle und sichere Abgabe. Zwischen den Rolleisten befinden sich bei diesem System der Rollenförderer Rollen- oder Gurtförderer. Dieses Rollenfördersystem eignet sich besonders gut zum Ausschleusen von Waren die nicht in Beuteln oder mit überhängenden Schlaufen versehen sind. Die Leistung liegt bei 7.500 Teile/h und ist besonders geeignet für Kartonagen, Behälter mit glattem Boden, Päckchen, Pakete oder Trays und sollten sich zwischen 1 und 50 kg bewegen.

Rollgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Walzwerken werden Rollenförderer zur Beförderung einzelner Brammen bzw. Bleche, oder in kontinuierlichen Anlagen des Bandes, zwischen den Bearbeitungseinrichtungen genutzt. Solche Fördereinrichtungen werden dort meist als Rollgang bezeichnet und transportieren Einzellasten von bis zu 30 Tonnen, in Einzelfällen auch mehr. In Warmwalzanlagen dürfen einzelne Brammen niemals dauerhaft zum Stillstand gebracht werden, da sie sonst die Rollen durch Wärmeübertragung schädigen würden, und werden deshalb in Warteperioden ständig vor- und zurückgeschoben. Rollgänge in Walzwerken erstrecken sich zum Teil über mehr als einen Kilometer und beinhalten Antriebe mit einer Gesamtleistung von mehreren Megawatt. Eine Übersicht über die Förderwege wird dort in Rollgangsplänen oder Rollenplänen festgehalten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günthner, Willibald A. und Heptner, Klaus: Technische Innovationen für die Logistik, Huss Verlag, München, 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rollenförderer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.wuwer.de/ger/rollenbahn
  2. http://www.wuwer.de/ger/staurollenbahn