Sächsisches Krankenhaus Rodewisch, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie

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Sächsisches Krankenhaus Rodewisch, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie
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Trägerschaft Freistaat Sachsen
Ort Rodewisch
Bundesland Sachsen
Koordinaten 50° 31′ 52″ N, 12° 23′ 59″ OKoordinaten: 50° 31′ 52″ N, 12° 23′ 59″ O
Geschäftsführer Prof. Dr. C. Christoph Schultz (Ärztlicher Direktor)
Lothar Bischof (Verwaltungsdirektor)
Thomas Winkler (Pflegedirektor)
Betten 414 (Stand August 2020)
Mitarbeiter 670
Fachgebiete Psychiatrie, Neurologie
Gründung 1893
Website www.skh-rodewisch.de
Lage
Sächsisches Krankenhaus Rodewisch, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie (Sachsen)
Sächsisches Krankenhaus Rodewisch, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie
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Das Sächsische Krankenhaus Rodewisch, Zentrum für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie ist ein Fachkrankenhaus mit den Schwerpunkten Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Neurologie und Forensische Psychiatrie. Das Krankenhaus ist zudem akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig.

Träger des Krankenhauses ist der Freistaat Sachsen. Neben dem Hauptsitz in Rodewisch existieren zusätzlich drei Tageskliniken in Plauen, Werdau und Annaberg-Buchholz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sächsische Krankenhaus Rodewisch wurde am 25. Juli 1893 als „Königlich Sächsische Landes-, Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zu Untergöltzsch“ eingeweiht. Die Planung und der Bau dieser Einrichtung fielen in die Neugestaltung des „staatlichen Irrewesens“ zwischen 1887 und 1895 im Königreich Sachsen. Aufgrund zunehmender Überfüllung der Landesanstalten beschloss der Landtag in Dresden in der Legislaturperiode 1888/89 den Bau einer neuen Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke. Bei der Wahl des Standortes fand die noch unzureichende psychiatrische Versorgung im Erzgebirge und im Vogtland Berücksichtigung.

Gebäude der Gerontopsychiatrie
Historische Postkarte mit Blick auf die Geländeseite A des Sächsischen Krankenhauses Rodewisch

Zum Zeitpunkt der Eröffnung verfügte die Anstalt über 29 Gebäude, die meisten im Schweizer Stil mit geräumigen hellen Veranden mit gelben, roten oder braunen Backsteinen. Die Anstalt war für die Aufnahme von 600 Kranken vorgesehen. In den folgenden Jahren wurde die Einrichtung baulich erweitert, bis 1913 entstanden 41 Gebäude. Damit wurde die für diese Zeit moderne architektonische Konzeption für psychiatrische Einrichtungen realisiert.

Im Ersten Weltkrieg, Ende 1917, mussten alle Patienten der Anstalt Untergöltzsch auf die übrigen Einrichtungen Sachsens verteilt werden, weil die Militärverwaltung das Haus als Reservelazarett beanspruchte. Ab 1920 wurde die Anstalt wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt. Ein großer Teil der Patienten wurde 1940 und 1941 Opfer der Aktion T4 und in der NS-Tötungsanstalt Sonnenstein bei Pirna ermordet. Zugleich wurden Häuser für eine Lungenstation sowie das Kreisstift (Altersheim) Obergöltzsch geräumt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges trug das Krankenhaus eher den Charakter einer Verwahreinrichtung.

Die Einführung von Psychopharmaka Mitte der 1950er Jahre führte zur Wandlung der Einrichtung von einer Anstalt hin zu einem Fachkrankenhaus. Im Zuge dessen wurde das Haus 1956 auch in „Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch“ umbenannt. Ein Jahr später eröffnete die Poliklinik, um eine Nachbetreuung der stationär entlassenen Patienten zu gewährleisten. 1963 fand im Krankenhaus eine internationale Tagung statt, deren Ergebnis die Rodewischer Thesen – ein Programm zur Reformierung der Psychiatrie sowie inbegriffen ein humanerer Umgang mit den Patienten in der DDR – wegweisend werden sollte.

Nach der Wende wurde das Krankenhaus in die Trägerschaft des Freistaates Sachsen, vertreten durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales, übernommen und erhielt den Namen „Sächsisches Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch“. In den folgenden Jahren wurde die Bettenzahl minimiert. Die einstigen Schlafsäle wurden durch Ein- und Zweibettzimmer ersetzt. Waren in den 1950er Jahren noch über 1500 Patienten untergebracht, so verkleinerte sich durch die Umbaumaßnahmen die Bettenzahl erheblich, sodass heute nur noch insgesamt 396 Patienten stationär und tagesklinisch behandelt werden.

Außenansicht der Neurologischen Klinik des Sächsischen Krankenhauses Rodewisch

Rodewischer Thesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1956 wurde im „Betriebseigenen Plan“ des Fachkrankenhauses Rodewisch festgehalten, „die Einrichtung zu einer modernen psychiatrischen und neurologischen Klinik zu entwickeln, die in der Lage ist, sämtliche international zum Standard gewordenen therapeutischen Maßnahmen anzuwenden“. Zur Anhebung des Behandlungsniveaus wurden unter anderem folgende Schritte vorgesehen: Aus- und Fortbildung des Personals mittels eines mehrstufigen Programms, Einführung eines Dreischichtsystems, Aufbau einer physiotherapeutischen und die Profilierung der neurologischen Abteilung. Besonderes Augenmerk lag jedoch auch auf den Punkten „Auflockerung der überbelegten Krankenabteilungen“, „Differenzierung der einzelnen Stationen nach Krankheitssymptomatik und Chronifizierungs- bzw. Schweregrad“, „Verbesserung der ambulanten psychiatrischen Versorgung“ und „Entwicklung der Arbeitstherapie“. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Überbelegung, die 1957 noch 1500 Betten betrug, schrittweise reduziert. „Die Pionierleistung der Rodewischer Einrichtung […] [wurde] im In- und Ausland mit großem Interesse aufgenommen […] und hat dazu beigetragen, dass seit etwa Anfang der 60er Jahre auch andere psychiatrische Großkrankenhäuser in der DDR mit der Reorganisation begannen. In Würdigung dieser bedeutenden Verdienste um das Gesundheitswesen […] wurde auf Beschluss der Gesundheitsministerien der DDR und befreundeter sozialistischer Länder Rodewisch als Tagungsort für ein Symposium über psychiatrische Rehabilitation bestimmt.“[1]

Das Krankenhaus war vom 23. bis 25. Mai 1963 Tagungsort des 1. Internationalen Symposiums über Psychiatrische Rehabilitation. Etwa 120 Ärzte und Wissenschaftler aus neun Ländern nahmen daran teil. Abschließend wurden einstimmig wissenschaftlich begründete Therapieempfehlungen verabschiedet. Diese gingen in die Geschichte der Psychiatrie als „Rodewischer Thesen“ ein.[2] Grundzüge waren die Forderung der Abschaffung der so genannten „Verwahrpsychiatrie“, die soziale Integration der Kranken und der Aufbau ambulanter und teilstationärer Dienste.[3] Mit diesen Thesen wurden wichtige Impulse für die Psychiatriereformen in Ost und West benannt. Erstmals wurden hier die zentralen Gedanken der deutschen Psychiatriedebatte formuliert, die auch die Entwicklung der Sozialpsychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland beeinflussten. Über 120 Ärzte und Wissenschaftler aus neun Ländern nahmen teil (UdSSR, DDR und „befreundete sozialistische Länder“, BRD, Frankreich und Kanada), die Vorträge wurden ins Russische, Französische und Deutsche übersetzt.[4]

Die Thesen führten in der Folge zu Teilerfolgen, wenn auch die komplette Reform ausblieb. In vielen psychiatrischen Einrichtungen wurden die Gitter an den Fenstern entfernt und Stationen geöffnet. In Rodewisch selbst brachte man rehabilitative Programme auf den Weg. In allen Behandlungsstadien sollte fortan der Rehabilitationscharakter erkennbar sein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Konrad Sänger, Dipl.-Psych. Jürgen Crackau: Von der königlich sächsischen Landesheil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke zu Untergöltzsch zum Bezirksfachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Rodewisch. In: Chronik des Fachkrankenhauses Rodewisch. Band 3. Rodewisch 1975.
  2. Sächsische Gesellschaft für Soziale Psychiatrie: Die Rodewischer Thesen (1963) (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sozialpsychiatrie-in-sachsen.de.
  3. Eva A. Richter: Psychiatrie in der DDR: Stecken geblieben – Ansätze vor 38 Jahren.. In: Deutsches Ärzteblatt. 2001; 98(6).
  4. Maria Rank: Rodewischer Thesen. 2014, abgerufen am 8. November 2017.