SNCF X 3800

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SNCF X 3800
Museumswagen der Serie X 3800 beim Chemin de fer du Haut Forez
Museumswagen der Serie X 3800 beim Chemin de fer du Haut Forez
Nummerierung: X 3801 bis X 4051
Anzahl: 251
Hersteller: Régie Renault/ANF/De Dietrich/SACM
Baujahr(e): 1950–1960
Ausmusterung: 1988
Achsformel: B'2'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 21,851 m
Höhe: 3,952 m
Breite: 3,090 m
Drehzapfenabstand: 14,201 m
Dienstmasse: 31,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Traktionsleistung: 250 kW
Motorentyp: Saurer BZDSe oder Renault
Leistungsübertragung: mechanisch
Sitzplätze: 62

Die „Autorails“ der Baureihe X 3800 mit dem Spitznamen „Picasso“[1] oder „300 CV“ waren Dieseltriebwagen der französischen Staatsbahn Société Nationale des Chemins de Fer Français (SNCF). Wegen ihres turmartig erhöhten Fahrstands gehören sie zu den markantesten Fahrzeugen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem französischen Schienennetz gefahren sind. Zeitweise kamen die Triebwagen über die französische Grenze zum Saarland bis in den Hauptbahnhof Saarbrücken.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebaut wurden die vierachsigen dieselmechanischen Triebwagen in 251 Exemplaren. Entwickelt 1947, gingen sie zwischen 1950 und 1961 in Betrieb. 1988 wurden die letzten bis auf einen bei der SNCF ausgemustert, jedoch werden 36 Wagen bei Museumsbahnen erhalten.[3]

Die Indienststellung der Fahrzeuge ging einher mit den zeitgleich gebauten SNCF-Baureihen X 5500 und X 5800 („Mobylettes“ bzw. „150 CV“) sowie einer weiteren Baureihe, der SNCF-Baureihe X 2400 mit 600 PS. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg der Fahrzeugpark an Schienenbussen und Verbrennungstriebwagen der SNCF aus der Vorkriegszeit grundlegend mit drei einheitlichen Baureihen verschiedener Leistungsklassen erneuert werden. Ebenso erleichterten diese Verbrennungstriebwagen die Ablösung der Dampftraktion.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Montage waren unter der Federführung von Renault auch die Firmen Ateliers de construction du Nord de la France (ANF), De Dietrich und SACM beteiligt. Die Motoren kamen teils von der schweizerischen Firma Saurer, teils von Renault.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorloses Ende des X 4042
Am motorlosen Ende haben die Fahrgäste eine unbehinderte Sicht auf die Bahnstrecke

Besonderes Charakteristikum ist der tiefliegende Wagenboden wie wir ihn heute (Stand 2012) von Niederflurfahrzeugen her kennen (Beispielsweise der DB Baureihe 641 sowie den baugleichen SNCF Baureihe X 73500 und X 73500). Dies wurde durch das Anbringen des Motors an einem Wagenende über dem Drehgestell ermöglicht; in diesem Bereich befindet sich auch ein Gepäckabteil und direkt darüber der charakteristische Führerstand. Diese Anordnung vereinfachte die Bedienung – die Kupplung und die mechanische Viergangschaltung konnten ohne große Umlenkungen direkt auf das unterhalb des Fahrzeugführers liegende Getriebe wirken –, erschwerte aber die Sicht auf das unmittelbare Vorfeld des Fahrzeugs, vor allem an entfernteren Ende.

Der Einstieg für die Reisenden liegt im Niederflurbereich. Das Fahrgastabteil, ein Großraum mit Mittelgang in Vis-à-vis-Bestuhlung hat eine 2+3-Sitzanordnung in der 2. Klasse und 2+2 Sitzanordnung in der 1. Klasse. Es befindet sich zwischen den Drehgestellen sowie über dem nicht angetriebenen Drehgestell. Da sich der einzige Führerstand in einer erhöhten Kanzel nur an einem Wagenende seitwärts über dem Motor befand, hatten die sich über dem nicht motorisierten Drehgestell befindende Sitzplätze eine profilierte Anordnung. Die letzte Sitzreihe befand sich direkt am Fahrzeugende und war auch gegen das Fahrzeugende ausgerichtet. Sie ermöglichte durch am Fahrzeugende angebrachten Fenster eine freie und ungehinderte Sicht auf die Bahnstrecke.

Diese Form mit nur einem Führerstand, der sich in einer Kanzel erhöht befand, prägte auch die Baureihen X 5500 und X 5800 Mobylettes die von 1950 bis 1954 gebaut wurden. Der Spitzname „Picasso“ ergab sich aus der einseitigen, außermittigen Anordnung des Führerstands oberhalb des Fahrzeugs, die das Design störte und so an die surrealistischen Porträts Pablo Picassos erinnerte.

Hinsichtlich der Fahrgastsitze gab es zwei Versionen. Die zweiklassige bot 20 Plätze in der 1. Klasse, 32 in der 2. Klasse und 6 Klappsitze, die einklassige 62 Plätze in der 2. Klasse und 5 Klappsitze.

Mit seinen Standardkupplungen konnte der Triebwagen ohne Einschränkung mit anderen SNCF-Fahrzeugen zusammengehängt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • José Banaudo: Les Autorails unifies de 300 CV X 3800. Verlag Editions du Cabari, Breil/Roya 1997, ISBN 2-908816-53-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: SNCF X 3800 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flyer Triebwagen X 3800 Picasso der SNCF. In: Enzyklopädie der Eisenbahn. Atlas Verlag, 1996.
  2. Eisenbahnen im Saarstaat bei saar-nostalgie.de, abgerufen am 2. August 2018
  3. Restauration des Wagens X 3890 bei den Chemins de fer du Centre Bretagne