Renault Trucks

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Renault Trucks

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Rechtsform Aktiengesellschaft (SAS)
Gründung 1894
Sitz Saint-Priest, Frankreich
Leitung Bruno Roger Michel Blin
(Präsident des Verwaltungsrates)
Branche Nutzfahrzeuge
Website www.renault-trucks.de

Renault Trucks ist ein französischer Hersteller von Lastkraftwagen mit Hauptsitz in Saint-Priest bei Lyon.[1] Seine Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1894. Ab 1978 unter dem Namen Renault Véhicules Industriels, entwickelte sich das Unternehmen zu einem der größten Marktteilnehmer.[2] Seit dem Jahr 2001 ist Renault Trucks ein Teil der schwedischen Volvo Group mit Sitz in Göteborg.[3] Die Modellpalette umfasst heute in erster Linie schwere Lastwagen für den Fern-, Verteiler- und Baustellenverkehr.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1955 führte Renault seine Produktion von schweren Nutzfahrzeugen mit den Herstellern Somua und Latil unter dem Namen Saviem zusammen. 1978 übernahm der Konzern auf Betreiben des französischen Staates auch den Nutzfahrzeughersteller Berliet, um einen international wettbewerbsfähigen Marktteilnehmer zu schaffen.[5] Der Gründer Marius Berliet hatte 1894 in Lyon seinen ersten Motor gebaut. 1916 nahm die Fabrik in Vénisseux den Betrieb auf, wo noch heute Motoren für Renault Trucks gefertigt werden.[6]

Mit der Zusammenführung von Saviem und Berliet entstand die neue Gesellschaft Renault Véhicules Industriels. Durch die Übernahme des Lastwagenbereichs von Peugeot im Jahr 1981 kamen die damals bestehenden Produktionsstätten in Großbritannien und Spanien sowie ein Vertriebsnetz in den Benelux-Staaten und Teilen Skandinaviens hinzu.[7] Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzte Renault Véhicules Industriels vor allem auf Mittelklasse-Lkw,[8] was dem Unternehmen in den 1980er Jahren hohe Gewinne beschwerte.[9]

Um seine Präsenz in den Vereinigten Staaten auszubauen, übernahm Renault Véhicules Industriels im Jahr 1987 vom Mutterkonzern eine Minderheitsbeteiligung in Höhe von 40 % an Mack Trucks. Beide Unternehmen hatten bereits seit 1983 intensiv in der Forschung und Entwicklung zusammengearbeitet,[10] nachdem Renault schon 1979 bei Mack Trucks eingestiegen war.[7] 1990 stimmte Mack Trucks einer vollständigen Übernahme durch Renault Véhicules Industriels zu.[11]

Anfang der 1990er Jahre hatte Renault Véhicules Industriels mit einer sinkenden Nachfrage zu kämpfen,[12][13] was unter anderem den Abbau von Arbeitsplätzen und den Verkauf einer Tochtergesellschaft für Finanzdienstleistungen zur Folge hatte.[14][15] 1993 gründete das Unternehmen mit dem tschechischen Omnibushersteller Karosa ein Joint Venture mit dem Ziel einer Mehrheitsbeteiligung.[16] 1998 gliederte Renault Véhicules Industriels das Geschäft mit Omnibussen wieder aus und brachte es mit Iveco in das Gemeinschaftsunternehmen Irisbus ein.[17] Den Anteil in Höhe von 50 % verkaufte Renault Véhicules Industriels im Jahr 2001 an den Fiat-Konzern.[18]

Im Jahr 2000 kündigte die schwedische Volvo Group an, Renault Véhicules Industriels zu übernehmen. Hierdurch entstand der zweitgrößte Lastwagenhersteller der Welt und ein Marktführer in Europa.[19] Renault Trucks wurde zur Schwestermarke von Volvo Trucks.[20] Seit 1990/1991 hatte es bereits eine Überkreuzbeteiligung von Renault und Volvo gegeben,[21] die man jedoch 1993/1994 aufgrund unterschiedlicher strategischer Ziele wieder auflöste.[22][23] In den folgenden Jahren intensivierte sich die Zusammenarbeit zwischen Volvo Trucks und Renault Trucks, unter anderem im Bereich des Antriebsstrangs und bei der Entwicklung alternativer Antriebe.[2]

Zeitleiste der Volvo- und Renault-Nutzfahrzeugmarken von 1900 bis heute
Marke 1900er 1910er 1920er 1930er 1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
Western Star White Western Star Western Star an DC
Autocar an White
White WhiteGMC Volvo
GMC (LKW) GMC Truck WhiteGMC Volvo
Volvo Trucks Volvo
Volvo Buses Volvo
Leyland (Bus) zu BLMC Volvo
Renault Trucks Renault Saviem RVI Renault
Latil Saviem RVI Renault
SOMUA Saviem RVI Renault
Berliet an Citroën RVI Renault
Dodge-UK Dodge an PSA Renault
Commer an Rootes an Chrysler Dodge an PSA Renault
Karrier an Rootes an Chrysler Dodge an PSA Renault
Barreiros an Chrysler Dodge an PSA Renault
Mack Trucks Mack Bus Mack Trucks an Renault V.I.
UD Trucks Nippon Diesel Minsei Diesel UD Nissan Diesel UD Trucks
Busse … … von Renault, Saviem und Berliet Irisbus an Iveco
Sodomka / Karosa Sodomka Karosa an Renault V.I. Irisbus
ACMAT ALM ACMAT Renault Trucks
  •  Marke einer eigenständigen Firma mit LKW-Produktion vor Übernahme durch Volvo oder Renault, ggf. vorher schon in anderen Bereichen tätig
  •  Marke von Renault bzw. Tochtergesellschaft
  •  Marke der Volvo Group, an der Renault mit 20% beteiligt war und aktuell noch 17,5% der Stimmrechte hält
  •  Marke oder Mehrheit verkauft, bzw. in unabhängiges Unternehmen überführt
  • Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    2002 änderte das Unternehmen seinen Namen von Renault Véhicules Industriels in Renault Trucks.[24] Das Unternehmen operiert seitdem als vereinfachte Aktiengesellschaft nach französischen Recht (Société par actions simplifiée). Ihr Stammkapital beträgt 50 Millionen Euro. Der Geschäftszweck erstreckt sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Nutzfahrzeugen, einschließlich aller damit zusammenhängenden Aktivitäten.[25][26] Seit einigen Jahren sind Vertrieb und Service der fünf Lkw-Marken der Volvo Group in mehreren geografischen Einheiten zusammengefasst.[27] Während der Vertrieb weiterhin getrennt erfolgt, wurden die administrativen Aufgaben für Volvo Trucks und Renault Trucks in der Zentralorganisation Volvo Group Trucks Central Europe mit Sitz in Ismaning zusammengeführt.[28]

    Amtierender Präsident des Verwaltungsrates von Renault Trucks ist Bruno Roger Michel Blin.[25]

    Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Sortiment von Renault Trucks umfasst derzeit acht verschiedene Lastwagen, die von Motoren mit vier oder sechs Zylindern angetrieben werden.[29] Die Baureihe Renault Trucks T, die mit niedriger und hoher Fahrerkabine erhältlich ist, ist für den Fernverkehr gedacht. Sie wurde beispielsweise 2015 als „International Truck of the Year“ ausgezeichnet.[30] Bei der Baureihe D, von der es ebenfalls mehrere Varianten gibt, handelt es sich um einen Lkw für den Verteilerverkehr. Diese ist bereits mit einem Erdgasantrieb erhältlich und wird ab 2019 als Elektroversion in Serie gefertigt.[31] Auf Baustellen kommen zwei Baureihen zum Einsatz: Für schwere Baustellen ist die Baureihe K gedacht, für leichte Baustellen die Baureihe C. Darüber hinaus führt Renault Trucks auch leichte Nutzfahrzeuge, darunter den Renault Master.[4]

    2018 stellte Renault Trucks als einer der ersten Hersteller seine vollelektrische Baureihe Z.E. vor.[32] Parallel arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an einer weiteren Verbesserung der Diesel-Lkw.[33][34]

    Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Als langjähriger Eigentümer des Renault-Konzerns besaß der französische Staat entscheidenden Einfluss auf das Unternehmen. 1986 wurde bekannt, dass Frankreich Renault Véhicules Industriels ein Darlehen von 1,5 Milliarden Franc und Liquiditätshilfen von 750 Millionen Franc gewährt hatte. Die Europäische Kommission betrachtete dies als unzulässige Beihilfen und leitete ein Vertragsverletzungsverfahren ein.[35]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Peter J. Davies: The World Encyclopedia of Trucks. Manise, 2003, ISBN 978-2-84198-214-1, S. 256 (englisch, französisch: L'encyclopédie mondiale des camions.).
    • Patricia Kapferer, Tristan Gaston-Breton: Renault Trucks: Une autre idée du camion. Le Cherche Midi, 2005, ISBN 978-2-7491-0447-8, S. 183 (französisch).

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

     Commons: Renault Trucks – Sammlung von Bildern

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Impressum. Renault Trucks, abgerufen am 1. Dezember 2018.
    2. a b Geschichte. In: Renault Trucks. Abgerufen am 1. Dezember 2018.
    3. Renault und Volvo fusionieren Lastwagen-Sparten. In: Berliner Zeitung. 26. April 2000, S. 34.
    4. a b Unternehmen. Renault Trucks, abgerufen am 1. Dezember 2018.
    5. Jean-Luc Charron, Sabine Sépari, Françoise Bertrand: DCG 7 – Management – Manuel. In: Jean-Luc Charron, Sabine Sépari, Françoise Bertrand. 6. Auflage. Dunod Editions, Paris 2018, ISBN 978-2-10-078274-1, S. 47 (französisch).
    6. 100-jähriges Jubiläum des Standorts Lyon. Renault Trucks, 15. November 2016, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    7. a b Volker Schmidt: Renault Véhicules Industriels. In: Wirtschaftspolitische Studien 91. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-12295-0, S. 78.
    8. Renault Véhicules Industriels: Weniger Verlust. Das Engagement in der Mittelklasse wird verstärkt. In: Handelsblatt. 10. September 1987, S. 20.
    9. Renault Véhicules Industriels: Der Gruppengewinn ist um 50 Prozent gestiegen. Gute Entwicklung an den europäischen Märkten. In: Handelsblatt. 13. September 1989, S. 17.
    10. Dan Shope: Mack Shares Shifted at Renault. In: The Morning Call. 28. Mai 1987, abgerufen am 1. Dezember 2018 (englisch).
    11. Renault: Mack Trucks stimmt der Offerte der Franzosen zu. Zuvor eine Aufstockung des Angebots. In: Handelsblatt. 10. September 1990, S. 16.
    12. Stephan Schlote: Fahrt ins Abseits. Lkw-Branche: Auslandsmärkte brechen weg. In: WirtschaftsWoche. 1. März 1991, S. 180.
    13. Renault Véhicules Industriels: Nutzfahrzeughersteller wieder in der Gewinnzone. US-Tochter Mack drückt erneut Ergebnis. In: Handelsblatt. 17. März 1992, S. 13.
    14. Renault will tausend Arbeitsplätze abbauen. In: Handelsblatt. 13. April 1992, S. 19.
    15. Renault verkauft Mack Finance. In: Handelsblatt. 5. Mai 1993, S. 15.
    16. Renault steigt bei tschechischer Karosa ein. In: Handelsblatt. 12. Januar 1993, S. 18.
    17. Thomas Kreyenbühl: Gemeinsame Autobus-Produktionen: Joint Venture zwischen Iveco und Renault. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Mai 1998, S. 29.
    18. Micaela Taroni: Fiat übernimmt Bus-Sparte von Renault. Italiener kaufen 50-Prozent-Anteil Renaults am Joint Venture Irisbus. In: WirtschaftsBlatt. 4. Mai 2001, S. 5.
    19. Geburt eines Lkw-Giganten. Volvo und Renault verkünden Allianz – Zweitgrößter Lastwagen-Hersteller der Welt. In: Berliner Morgenpost. 26. April 2000, S. 9.
    20. Kurt Bahnmüller: Wer bleibt am Schluss Sieger? In: Handelszeitung. 3. Mai 2000, S. 65.
    21. Renault und Volvo schließen Vereinbarung. In: Handelsblatt. 21. Januar 1991, S. 19.
    22. Konzerne: Abrupte Wende. In: Der Spiegel. 6. Dezember 1993, S. 120 (spiegel.de [abgerufen am 1. Dezember 2018]).
    23. Renault und Volvo trennen sich. Abkommen über Auflösung der Beteiligungen. In: Die Tageszeitung. 18. Februar 1994, S. 6.
    24. Company Overview. In: Bloomberg. Abgerufen am 1. Dezember 2018 (englisch).
    25. a b Certificate of registration. Greffe du Tribunal de Commerce de Nanterre, abgerufen am 1. Dezember 2018 (französisch, englisch).
    26. History of modifications. Greffe du Tribunal de Commerce de Nanterre, abgerufen am 1. Dezember 2018 (französisch, englisch).
    27. Neue Organisationsstruktur für Renault Trucks und Volvo Trucks in Deutschland. In: Kranmagazin. 22. November 2012, abgerufen am 1. Dezember 2018.
    28. Volvo Trucks und Renault Trucks werden zusammengelegt. In: Verkehrsrundschau. 21. November 2012, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    29. Renault Trucks. In: Eurotransport. Abgerufen am 1. Dezember 2018.
    30. Stefanie Nonnenmann: Renault Trucks T ist „International Trucks of the Year“. In: Verkehrsrundschau. 24. September 2014, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    31. Johannes Reichel: Grüne Logistik: Technisch ist die Welt zu retten. In: Vision Mobility. 19. Mai 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    32. Uli Baumann: Renault Trucks zeigt vollelektrische Nutzfahrzeuge. In: Auto, Motor und Sport. 10. Juli 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    33. Christine Harttmann: Diesel-Truck: Renault Trucks optimiert weiter. In: Transport. 26. September 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    34. Versuchs-Lkw spart 13 Prozent Sprit: Renault Trucks Urban Lab 2. In: Die Welt. 3. August 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
    35. Renault: Brüssel vermutet heimliche Subventionen. Kommission wirft Paris Vertragsverletzung vor. In: Handelsblatt. 6. August 1986, S. 4.