SORKC-Modell

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Das SORKC-Modell (auch SORCK-Modell[1][2], SORK-Modell[3] oder SORC-Modell[4][5]) ist eine Erweiterung des operanten Konditionierens (S: Stimulus → R: Reaktion → C: Konsequenz) nach Burrhus Frederic Skinner, welches zuerst von Lindsley im Jahr 1964 um die Variable K (Kontingenz) erweitert wurde und später im Jahr 1969 von Frederick Kanfer und Saslow um die kognitiven Elemente O (Organismus).[6]

Es ist ein Verhaltensmodell, das fünf Bestimmungsstücke als Grundlage von Lernvorgängen beschreibt. Im deutschen Sprachraum wurde daraus eine „Verhaltensgleichung“ geprägt, also ein Modell, das sowohl Verhalten als auch den Erwerb von Verhalten erklärt. Das von G. A. Saslow mitentwickelte SORKC-Schema gilt in der Verhaltenstherapie mittlerweile als Standard für die Erklärung des Zustandekommens von pathopsychologischen Verhalten in ätiologischer Hinsicht, aber auch des Ablaufs dieses Verhaltens in der konkreten Situation.

Das SORKC- Modell wurde von Frederick Kanfer im Zuge der kognitiven Orientierung der Verhaltenstherapie in den 1970er Jahren um Burrhus Frederic Skinner entwickelt. Kanfer selbst wollte das SORKC-Modell eher als Arbeitshypothese verstanden wissen und versuchte immer, auch auf andere Ansätze und Entwicklungen hinzuweisen. Die axiomhafte Anwendung des SORKC-Schemas bekämpfte er.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sorkc.jpg
  • S (Stimulus) bezeichnet eine äußere oder innere Reizsituation. Der Stimulus erfasst die das Verhalten auslösenden Bedingungen (In welcher Situation tritt das Verhalten auf?).
  • O (Organismusvariable) bezeichnet die individuellen biologischen und lerngeschichtlichen Ausgangsbedingungen bzw. Charakteristika der Person auf den Stimulus.
  • R (Reaktion bzw. Verhalten) bezeichnet die Reaktion auf den Stimulus nach der Verarbeitung durch den Organismus auf kognitiver, motorischer, vegetativer und affektiver Ebene.
  • K (Kontingenz) bezeichnet die Regelmäßigkeit des Auftretens der Konsequenz nach der Reaktion.[7]
  • C (Konsequenz) bezieht sich auf das Einsetzen einer Verstärkung oder Bestrafung als Folge eines Verhaltens (Was folgt auf das Verhalten?).

Im SORKC-Modell sind die zentralen Lernmechanismen vereinigt: Während sich S und R auf die klassische Konditionierung (ein Reiz löst ein bestimmtes Verhalten aus) beziehen, umfassen R und C das operante Lernen (positive bzw. negative Konsequenzen steuern ein Verhalten).

Grundsätzlich kann man also sagen:

S O R K C

Ein Reiz wirkt auf einen Organismus ein, der bei diesem eine emotionale-physiologische Reaktion auslöst. Nachfolgend ergibt sich eine Konsequenz aus der Reaktion (z. B. Erleichterung durch Flucht). Läuft dieser Vorgang häufig ab, verstärkt sich die Reaktion; es wird gelernt, bestimmte Verhaltensweisen bilden sich heraus. Auf diese Weise können unter anderem psychische Krankheiten oder Verhaltensstörungen entstehen oder auch bekämpft werden - bspw. durch ein Einüben anderer Verhaltensweisen oder durch eine Veränderung von Stimuli. Dieser Ansatz wird vor allem in der Verhaltenstherapie verfolgt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel mit dem Verhalten eines Zwangspatienten (Kontrollzwang):

  • S: Die Person verlässt ihre Wohnung (externe auslösende Situation).
  • O: Sich Sorgen zu machen und in Grübelschleifen zu geraten, gehört zum Denkstil des Patienten.[8]
  • R(kognitiv): „Das Haus könnte abbrennen, falls ich vergessen habe den Herd auszuschalten oder ein Kabel durchbrennt“
  • R(emotional): Angst, starke Beunruhigung.[8]
  • R(physiologisch): Anspannung, Unruhe.[8];
  • R(motorisch): Daraufhin geht er zurück in die Wohnung, kontrolliert den Herd und sucht alle Räume ab, ob auch wirklich alle Stecker gezogen sind.
  • K: Nach dem Kontrollieren (R) entspannt er sich (C-/) mit hoher Wahrscheinlichkeit.[8]
  • C-/(kurzfristig): Als Konsequenz (C) tritt bei der Person eine Spannungsreduktion auf, jedoch verstärkt sich hierdurch der Kontrollzwang (R(motorisch)). Die Reduktion der unangenehm empfundenen Spannung wird als negative Verstärkung (C-/) bezeichnet.
  • C+/(langfristig): Der Patient vermeidet aus dem Haus zu gehen und verliert dadurch soziale Kontakte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frederick H. Kanfer, Hans Reinecker, Dieter Schmelzer: Selbstmanagement-Therapie. Springer: Berlin, Heidelberg, 3. Aufl. 2000, S. 36 ff
  • Clemens Hillenbrand: Einführung in die Pädagogik bei Verhaltensstörungen, 3. Auflage. München 2006.
  • Michael Borg-Laufs: Störungsübergreifendes Diagnostik-System für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (SDS-KJ). 2. Auflage, DGVT-Verlag, Tübingen 2011

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Borg-Laufs, Heiko Hungerige: Selbstmanagementtherapie mit Kindern. Ein Praxisbuch. 2. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-89104-1, S. 89 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Frank Schneider, Sabbrina Weber-Papen: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ...in 5 Tagen. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-540-89049-2, S. 85 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Wulf Rössler: Psychiatrische Rehabilitation. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-40735-9, S. 587 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. A. Zaby, J. Heider: Verhaltenstherapeutische Diagnostik. In: Michael Broda, Wolfgang Senf (Hrsg.): Praxis der Psychotherapie. Ein integratives Lehrbuch. 5. Auflage. Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-106095-2, S. 295 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Fritz Mattejat: Fallkonzeptualisierung, Indikationsstellung und Therapieplanung. In: Helmut Remschmidt, Fritz Mattejat, Andreas Warnke (Hrsg.): Therapie psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Ein integratives lehrbuch für die Praxis. Thieme, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-13-143681-8, S. 18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Hans-Ulrich Wittchen, Jürgen Hoyer: Klinische Psychologie & Psychotherapie. Springer, 2011, ISBN 978-3-642-13018-2, S. 424 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. H.-C. Steinhausen: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. 2006, S. 61 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. a b c d Tilo Kircher: Pocket Guide Psychotherapie. Springer, Berlin 2013, ISBN 978-3-642-30008-0, S. 34 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]