Sarah Ann

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Petermanns Karte von 1859; Sarah Ann (hier Sarah Anne geschrieben) in der rechten oberen Ecke

Sarah Ann (auch Sarah Anne geschrieben) ist der Name einer angeblich im Südpazifik liegenden Phantominsel, die auf verschiedenen Seekarten und in Navigationstabellen des 19. Jahrhunderts mit unterschiedlichen Positionen verzeichnet ist. Die von dem deutschen Geographen und Kartographen August Petermann herausgegebene „Karte vom Amerikanischen Polynesien“ in „Petermanns Geographische Mitteilungen“ des Jahrgangs 1859 zeigt sie nordöstlich der Weihnachtsinsel (Kiritimati).

Trotz ihrer zweifelhaften Existenz gehörte Sarah Ann aufgrund des Guano Islands Acts von 1856 zum Staatsgebiet der Vereinigten Staaten und wurde von der United States Guano Company beansprucht.[1]

Die von dem US-amerikanischen Reporter, Schriftsteller und Entdecker Jeremiah N. Reynolds (1799 – 1858) im Jahr 1828 dem United States House Committee on Naval Affairs übergebene Liste verzeichnet über zweihundert zweifelhafte Inseln und Riffe im Pazifik, darunter auch Sarah Ann. In Reynolds Liste ist deren Position mit 16°08´N und 143°16´W angegeben.[2]

Ein Verzeichnis der Gefahren für die Navigation im Pazifischen Ozean des United States Department of the Navy aus dem Jahr 1866 gibt die Position von Sarah Ann mit 4°00´N und 154°22´W an, mit der Anmerkung: „In den meisten Karten mit einem Fragezeichen versehen. Auf einer Breite von 4° S liegt Independence Island auf demselben Meridian, dies könnte dieselbe Insel sein.“ Als Quelle für die Information ist die New York Tribune vom März 1858 angegeben.[3] „Independence Island“ war im 19. Jahrhundert der Name der Insel Malden, die zur Kette der Line Islands gehört.

Der deutsche Astronom August Kopff hatte errechnet, dass die Insel Sarah Ann, bzw. deren angenommene Position in der Reynolds-Liste, der einzige Fleck festen Landes im Pazifik war, auf dem die totale Sonnenfinsternis vom 8. Juni 1937 zu beobachten wäre. Kopff wollte die Kapitäne von Handelsschiffen im Pazifik dazu bewegen, nach Sarah Ann Ausschau zu halten. Nachdem sich alle Versuche, die Insel aufzufinden, als vergeblich herausgestellt hatten, verschwand Sarah Ann 1932 endgültig von den Karten.[4]

Die Insel Sarah Ann gibt es nicht. Wahrscheinlich ist sie mit der Insel Malden identisch, deren Position durch einen Navigationsfehler falsch ermittelt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Hatcher Childress: Lost Cities of Ancient Lemuria & the Pacific. Adventure Unlimited, Stelle 1988, ISBN 0932813046, S. 243.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Journal of the American Geographical and Statistical Society. New York, Juni 1859, S. 188
  2. Henry Stommel: Lost Islands – The Story of Islands That Have Vanished from Nautical Charts. Dover Publications, Mineola (NY) 2017, ISBN 978-0486-78467-0, S. XIX
  3. A List of the Reported Dangers to Navigation in the Pacific Ocean, Whose Positions are Doubtful, or not Found on the Charts in General Use. United States Navy Dept. Bureau of Navigation, Washington D.C. 1866
  4. Zeitungsartikel in der Ludington Sunday Morning News vom 16. Oktober 1932, S. 1