Schüttelreim

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Der Schüttelreim ist eine Reimform, bei der die (Anfangs-)Konsonanten der letzten beiden betonten Silben miteinander vertauscht werden. Er stellt somit eine Sonderform des Doppelreims dar (zwei Zeilen reimen nicht nur ab der letzten, sondern bereits ab der vorletzten betonten Silbe). Die Kadenzen können stumpf oder klingend sein. Beispiel: „Er würgte eine Klapperschlang’, / bis ihre Klapper schlapper klang.“ mit stumpfer Kadenz.[1] Gängiger ist die Version „Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen.“ mit klingender Kadenz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schüttelreim ist eine im deutschen Sprachraum seit dem 13. Jahrhundert bekannte Gedichtform. Seit dem 19. Jahrhundert werden Schüttelreime hauptsächlich für vergnügliche Zweizeiler verwendet.

Frauengroll:
Grauenvoll!

(Das Beispiel stammt von Clemens Plassmann.)

Es gibt ganze Bücher in Schüttelreimform, zum Beispiel Versionen des Faust oder einen Opernführer.

Es existieren auch wenige komplette vierfach abgewandelte Vierzeiler, beispielsweise

Ein Wagen fuhr in Gossensaß,
durch a [eine] tiefe Soßengass,
Sodass die ganze Gassensoß
Sich über die Insassen goss.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niemals veröffentlicht wurde der unanständigste Schüttelreim der Neuzeit, den – neben Anderen – Egon Erwin Kisch und Jürgen Kuczynski unabhängig voneinander erfunden haben wollen.[2]

Schüttelreimsammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Arthur Thies (Hrsg.): Zwei Knaben auf dem Schüttelrost. Die schönsten und neuesten Schüttelreime, Klapphornverse, Leberreime, Schnadahüpfl und Limericks. Verlag Braun & Schneider, München 1954.
  • Benno Papentrigk (d. i. Anton Kippenberg): Schüttelreime. Insel Verlag, Leipzig 1939. (1942: Insel-Bücherei Nr. 219/3).
  • Manfred Hanke: Die schönsten deutschen Schüttelgedichte. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1967.
  • Clemens Plassmann (Pseudonym: C. Palm-Nesselmanns): Schüttelreime. DVA, Stuttgart 1967.
  • Franz Mittler: Gesammelte Schüttelreime. Hrsg.: Friedrich Torberg. 2. Auflage. Piper Verlag, München 1998, ISBN 3-492-21642-0.
  • Wendelin Überzwerch (Hrsg.): Aus dem Ärmel geschüttelt. J.Engelhorns Nachf. Stuttgart 1935, gekürzte Neuauflage Deutscher Bücherbund, Stuttgart 1967.
  • Leo Kettler: Die Rattenleier: Schüttelreime – Lieder – Holzschnitte. Aphaia Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-926677-07-4.
  • Erich Mühsam: Mühsam’s Geschütteltes. Zusammengestellt von Reiner Scholz, Stadt- und Universitätsbibliothek der Stadt Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-88131-075-4.
  • Miguel Herz-Kestranek (Hrsg.): Gereimte Sammelschüttler. Mit Wortspenden geistreicher Schüttelgenossen. Brandstätter, Wien 1995, ISBN 3-85447-606-X.
  • Miguel Herz-Kestranek (Hrsg. und Mitschüttler): Mir zugeschüttelt. Neueste und allerneueste Schüttelreime aus österreichischem Volksmund von Apetlon bis Zürs. Brandstätter, Wien 1999, ISBN 3-85447-838-0.
  • Sven Eric Panitz, Matthias Oheim: Geschüttelt, nicht gerührt!: Schüttelreime. 1. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8391-0241-1.
  • Sven Eric Panitz, Matthias Oheim: Gerüttelt, nicht geschürt!: Schüttelreime. 1. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8482-0214-0.
  • Werner Sutermeister. Der fröhliche Apfelbaum. Bern: Gute Schriften / Haupt, 1973. ISBN 978-3-7185-0383-4.
  • Erwin Thieleke: Erwin macht ein Gedicht – dann brauch’ ich keine Rosen … Schuettel-Schuettel 1000 heitere Schüttelreime. Media Tec, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-931387-32-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schwänke aus heiterem Himmel. In: Das große Heinz Erhardt Buch. Fackelträger, Lingen 1970. S. 222.
  2. Egon Erwin Kisch: Die Geschichte des unanständigsten Schüttelreimes der Neuzeit. In: Läuse auf dem Markt (Gesammelte Werke Band X). Berlin und Weimar 1985, S. 209.