Piper Verlag

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Piper Verlag
Rechtsform GmbH
Gründung 19. Mai 1904
Sitz München, Deutschland
Leitung Hans-Joachim Hartmann, Marcel Hartges
Branche Verlag
Website www.piper.de
Das Verlagsgebäude in der Georgenstraße 4 ist eine von August Thiersch erbaute Villa.

Der Piper Verlag ist ein 1904 gegründeter Buchverlag für Belletristik und Sachbuch mit dem Geschäftssitz in München. Autoren des Verlages sind unter anderem Hannah Arendt, Ingeborg Bachmann, Ferdinand von Schirach, Charlotte Roche, Hape Kerkeling, Alan Weisman, Markus Heitz, Sándor Márai, Sten Nadolny und Paul Watzlawick. Der Verlag gehört seit 1995 zur schwedischen Bonnier-Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verlag von seiner Gründung bis 1932[Bearbeiten]

Umschlagillustration von Kandinsky zum Almanach Der Blaue Reiter

Der Piper Verlag (München) wurde am 19. Mai 1904 vom damals 24-jährigen Reinhard Piper gegründet. Sein Schwerpunkt lag in den Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bei der künstlerischen Avantgarde Deutschlands. Bekannt wurde er durch die Veröffentlichung des Almanachs Der Blaue Reiter, herausgegeben von Wassily Kandinsky und Franz Marc im Mai 1912. Auch Christian Morgenstern ließ viele seiner Werke im Piper Verlag veröffentlichen.

Der Verlag während der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

1935 musste der jüdische Teilhaber Robert Freund den Verlag verlassen. Er erhielt eine Abfindung, die durch den Verkauf des verlagseigenen Gebäudes erzielt wurde und der Piper Verlag zog in die Georgenstraße 4. Bis heute hat das Unternehmen dort in der von August Thiersch erbauten Villa seinen Sitz.

Unrühmlich ist der Umgang mit dem jüdischen Übersetzer Isak Grünberg, dessen Céline-Übersetzung (Reise an das Ende der Nacht) nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sofort an einen Kleinverlag verkauft wurde. Erst in den 1990er Jahren wurde der Übersetzer in den zahlreichen Neuauflagen benannt (inzwischen liegen die Rechte beim Rowohlt Verlag).

Während der Zeit des Nationalsozialismus beschränkte der Verlag sich auf neutrale „Unterhaltungsliteratur“ und weniger bekannte – oft ausländische – Autoren, da viele der „Hausautoren“ nun als entartete Künstler gebrandmarkt wurden.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Als Reinhard Piper 1953 starb, gab er den Verlag an seinen Sohn Klaus weiter. In den Nachkriegsjahren veröffentlichte der Piper Verlag vor allem Taschenbücher und gründete 1960 mit 10 weiteren Verlagen den Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv). Piper blieb seinem Anspruch, anspruchsvolle Literatur zu veröffentlichen, treu. So erschienen neben deutschsprachigen (z. B. ein Gedichtband von Ingeborg Bachmann) auch besonders Werke von italienischen Autoren. Der Verlag erweiterte sein Repertoire stetig, unter anderem im Bereich der Naturwissenschaften, Zeitgeschichte, Theologie und Musik. Ab 1986 erschien die siebenbändige Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters.

Als Problem erwies sich Hans Rößner: Erst nach seinem Tod (1997) wurde öffentlich, dass dieser langjährige Lektor und Verlagsleiter als Leiter des Referates III C 3 (Volkskultur und Kunst) im Reichssicherheitshauptamt tätig gewesen war. Bei Piper betreute er u. a. die Emigrantin Hannah Arendt. Seine Karriere nach 1945 ähnelt der vieler Akademiker aus der Generation des Unbedingten, die Netzwerke des Verschweigens und des sozialen Aufstiegs bildeten. Piper ist aber der wichtigste Verleger von Arendt.

Aktuelle Verlagsentwicklung[Bearbeiten]

1995 ging der Piper Verlag in den Besitz der schwedischen Bonnier-Gruppe über. Ab 1995 war Viktor Niemann (* 1940) Geschäftsführer des Verlages. Er wurde von der Zeitschrift BuchMarkt als „Verleger des Jahres 1998“ ausgezeichnet. Von 2003 bis 2008 war Wolfgang Ferchl (* 1955) verlegerischer Geschäftsführer des Verlages. Im April 2009 hat Marcel Hartges, vorher verlegerischer Geschäftsführer des DuMont Buchverlags, diese Position übernommen.

Ich bin dann mal wegHape Kerkelings Bericht seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg erschien 2006 bei Malik und gilt mit mehr als vier Millionen verkauften Exemplaren als erfolgreichstes deutschsprachiges Sachbuch der Nachkriegsgeschichte. Es befand sich nach seinem Erscheinen monatelang auf den vorderen Plätzen der deutschen Bestsellerlisten und verkaufte sich nach Auskunft des Verlages bis Ende 2007 rund 3 Millionen mal[1] und belegte für 100 Wochen Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste

Piperbote[Bearbeiten]

Von 1924 bis 1936 erschien quartalsweise Der Piperbote für Kunst und Literatur. Mit diesen kostenlos im Abonnement abgegebenen Verlagsschriften, in denen u. a. kleinere Erzählungen der Hausautoren und Leseproben aus ihren größeren Werken sowie Autorenporträts enthalten waren, machte Piper zusätzlich zu den üblichen Werbeprospekten auf die aktuelle Verlagsproduktion aufmerksam.

Buchreihen vor 1945[Bearbeiten]

Was nicht im Baede­ker steht. Das Buch von Ungarn und Budapest (1928), Umschlag von Eugen Feiks

Was nicht im „Baedeker“ steht[Bearbeiten]

Zu der Buchreihe im einzelnen:

Als augenzwinkernder Gegenentwurf zu den sehr sachlichen und auf das aus Sicht des Verlages Karl Baedeker Wesentliche beschränkten Baedeker-Inhalten erschien im Piper Verlag ab 1927 die vom Teilhaber des Verlags, Robert Freund, lektorierte Reihe Was nicht im „Baedeker“ steht[1] mit Startauflagen zwischen 5 000 und 10 000 Stück. U. a. gehörten Erika und Klaus Mann sowie Annemarie Schwarzenbach, Hans Reimann und Hermann von Wedderkop zu den Autoren der insgesamt 17 Bände, die bis auf die von Thomas W. Mac Callum ins Englische übertragene Ausgabe von Wien (The Vienna, that's not in the Baedeker) römisch nummeriert waren. Zu den Buchdeckeln bzw. den fragilen Schutzumschlägen von 14 dieser Titel, die in verschiedenen Einbandvarianten erschienen sind, zeichnete der Grafiker Walter Trier die farbigen Illustrationen auf gelbem Grund. Die mit Eugen Szatmaris Beschreibung von Berlin beginnenden und einer überarbeiteten Fassung von Wedderkops Bands für Rom 1938 endenden Texte wurden von verschiedenen Künstlern, wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Otto Pankok, Olaf Gulbransson oder Ernst Aufseeser, mit schwarz-weiß Illustrationen versehen.

Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung aus Leipzig legte 1995 und 1997 von insgesamt fünf Titeln fotomechanische Nachdrucke vor.[2] Von dem Band Riviera der Mann-Geschwister wurden auch vom Rowohlt Verlag 2001 und 2004 Reprints vorgelegt, nachdem bereits 1989 der Berliner Verlag Silver & Goldstein eine mit zeitgenössischen Fotografien und einem Nachwort von Martin Ripkens ergänzte Ausgabe auf den Buchmarkt gebrachte hatte.

Was nicht im Wörterbuch steht[Bearbeiten]

Weitere Ausführungen zu der Buchreihe finden sich im:

1931 folgte anknüpfend an das Motto der alternativen Reiseführer mit Hans Reimanns Sächsisch, der damit erneut als Autor in Erscheinung trat, der erste Band der nur siebenbändigen Reihe „Was nicht im Wörterbuch steht“, die die deutschen Dialekte und die mit ihr verbundene Heimatkultur thematisiert. Unter den weiteren Autoren waren Hans Sassmann (Wienerisch), Hans Ostwald (Berlinerisch) und Fritz Specht (Plattdeutsch). Ein zunächst als Band II geplanter Reihentitel Kölsch von Kuhlemann erschien nicht. Die Ausstattung (Umschlaggestaltung, Illustrationen und Einbindungen) war ähnlich wie bei der Reihe Was nicht im Baedeker steht. Wiederum lieferte also Walter Trier die Einbandentwürfe; es gab jedoch keine Pappbände, da diese sich bei der Reiseführer-Reihe als nicht robust genug erwiesen hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten einige Bände Neuauflagen, teilweise in veränderter Aufmachung und sogar bei anderen Verlagen. Zu einer Reprintausgabe der Connewitzer Verlagsbuchhandlung kam es bei dieser Reihe nur beim Band Sächsisch im Jahre 1995.

Buchreihen nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Piper Bücherei[Bearbeiten]

1946 kam mit Beethovens Denkmal im Wort von Richard Benz der erste Band der nummerierten Piper-Bücherei im Broschureinband und Taschenbuchformat auf den Markt. Die bis 1966 in über 200 Nummern im Hoch- und Querformat erschienene Reihe umfasste zum einen literarische Texte von Autoren, wie Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Gustave Flaubert oder Herman Melville. Später erschienen zum anderen auch viele Titel von und über Künstler sowie zu kunstwissenschaftlichen Themen, wie Matthias Grünewald's Isenheimer Altar (PB 2, 1947), Michelangelos Weltgericht (PB 29, 1949) oder, von Erhard Göpel herausgegeben, Max Beckmann Der Zeichner (PB 74, 1954). Mag die Namensgebung vielleicht auch ein wenig von der schon über 30 Jahre länger, sehr erfolgreich verlegten Insel-Bücherei inspiriert worden sein, entwickelte die ab 1948 zumeist im Pappband aufgebundene Reihe doch ein eigenständiges Profil mit einem starken Akzent im künstlerischen Bereich.

Serie Piper[Bearbeiten]

Die Serie Piper ist die aktuelle Taschenbuchreihe des Verlages. Sie wurde bereits 1970 begründet und in den 1980er-Jahren stark ausgebaut, indem nicht nur Hardcover-Titel als preiswerte, broschierte Nachauflagen zweitverwertet wurden, sondern auch viele Erst- und Originalausgaben erschienen. 1995 wurde die Serie Piper von dem Trendforscher Peter Wippermann komplett neu gestaltet. Derzeit werden jeden Monat bis zu 25 neue Titel veröffentlicht, von denen etwa 60 Prozent aus dem Hardcover-Programm des Verlages stammen.

Gebrauchsanweisung[Bearbeiten]

Schon 1978 war Paul Watzlawicks "Gebrauchsanweisung für Amerika" entstanden, der Pilotband für die erfolgreiche "Gebrauchsanwedungen"-reihe. Seither erscheinen jährlich neue Titel, in denen namhafte Autoren wie z.B. Kai Strittmatter, Antje Rávic, Birgit Vanderbeke oder Bruno Jonas ihre Eindrücke und ortskundigen Geschichten veröffentlichen. So ermöglichen die Autoren auf ungewöhnliche und literarische Weise einen persönlichen Blick und eine authentische Annäherung an Länder, Regionen, Städte sowie seit kurzem Sport und sportliche Phänomene.

Denkanstöße[Bearbeiten]

Seit 30 Jahren stehe die Serie "Denksanstöße" regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Das Lesebuch aus Philosophie, Kultur und Wissenschaft erscheint einmal jährlich und gibt eine Orientierung in der Welt des Wissens. Die Gesamtauflage liegt bei über 2 Millionen verkauften Büchern.

Imprints, Tochterverlage[Bearbeiten]

Mit dem Erwerb des Neuen Malik-Verlags (1996) und des Kabel Verlags (1997) konnte das Programm ausgeweitet werden, ebenso 2004, als die Heyne-Fantasy-Reihe vom Piper Verlag übernommen wurde. Im Juni 2008 kaufte Piper den Pendo Verlag, und schließlich wurde auch der Westend-Verlag in Frankfurt am Main als Imprint der Piper-Gruppe übernommen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Piper: Almanach zum 70. Jahr. Hg. Klaus Piper, München 1974 ISBN 3-492-02057-7 (Querschnitt der verlegten Werke, mehrere Register, auch Liste aller verlegten Bücher in 1. Aufl.)
  • 75 Jahre:    R. Ripper, Uwe Steffen, Klaus Piper (Hrsg.): 75 Jahre Piper. Bibliografie und Verlagsgeschichte 1904–1979. Piper, München/Zürich 1979, ISBN 3-492-02445-9.
  • (85 Jahre:)  Uwe Steffen (Hrsg.): Piper-Bibliographie 1979–1989. Piper, München/Zürich 1990, ISBN 3-492-03088-2.
  • 90 Jahre:    Ernst Piper, Bettina Raab: 90 Jahre Piper. die Geschichte des Verlages von der Gründung bis heute. Serie Piper 1990, München/Zürich 1994, ISBN 3-492-11990-5.
  • 100 Jahre:  Edda Ziegler: 100 Jahre Piper. Die Geschichte eines Verlags. Piper, München/Zürich 2004, ISBN 3-492-04478-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ludwig Hirschfeld: Das Buch von Wien. 1927, 11.-20., S. 1
  2. Vergleiche die Katalogeinträge bei der Deutschen Nationalbibliothek
  3. Imprints der Piper-Gruppe