Schadeleben

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Schadeleben
Stadt Seeland
Koordinaten: 51° 50′ 17″ N, 11° 21′ 42″ O
Höhe: 131 m
Fläche: 16,98 km²
Einwohner: 717 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner/km²
Eingemeindung: 15. Juli 2009
Postleitzahl: 06449
Vorwahl: 034741
FriedrichsaueFroseGaterslebenHoymNachterstedtSchadelebenSalzlandkreisKarte
Über dieses Bild
Lage von Schadeleben in Seeland
Schadeleben (Seeland), auf dem Kirchhügel

Schadeleben ist ein Ortsteil der Stadt Seeland in Sachsen-Anhalt. Der Ort liegt an der Deutschen Alleenstraße etwa 16 Kilometer nordwestlich der Stadt Aschersleben.

vor der Sankt-Annen-Kirche

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Scadenleve ist vom Personennamen Skado abzuleiten. Der Ortsnamenendung -leben liegt ein gemeingermanisches Wort mit der Bedeutung „Überbleibsel, Hinterlassenschaft, Erbe, Überlassenes“ zugrunde. Es handelt sich also um die Hinterlassenschaft des Skado.[1]

Der Ort wurde erstmals im Jahr 1223 in einer Urkunde des Burchard von Mansfeld erwähnt. Die Edelherren von Meinersen waren in Schadenleve begütert. Sie gaben hier um 1250/60 eine Hufe als Lehen an Johannes von Wedderstedt und vier Hufen hier und im benachbarten † Brunsdorf mit zugehörigen Leuten an Johannes Wilde, Bürger in Halberstadt.[2]

Im Mittelalter war Schadeleben ein Fischerdorf am Nordrand eines ausgedehnten Sumpfgebietes in den Urstromniederungen, die sich circa 20 Kilometer von Aschersleben bis Gatersleben bei Quedlinburg erstreckten.

Als bedeutend kleineres, aber im Ansatz ähnliches Projekt wie die Trockenlegung des Oderbruches erfolgte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Friedrich II. eine weitgehende Urbarmachung durch Anlage eines Grabensystems (Einleitung in die Selke bei Gatersleben). Dabei verschwand die gesamte Wasserlandschaft und aus dem Fischerdorf wurde eine gewöhnliche Ackergemeinde. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Gründung der Nachbargemeinden Friedrichsaue und Königsaue.

1856 begann man, bei Nachterstedt/Schadeleben (Mitteldeutsches Braunkohlerevier) Braunkohle abzubauen (bis 1991, heute Concordiasee).

Am 30. September 1928 wurde der Hauptteil des Gutsbezirks Staatliche Domäne Schadeleben mit der Landgemeinde Schadeleben vereinigt. Eine Enklave des Gutsbezirks wurde mit der Landgemeinde Königsaue vereinigt.[3]

Ebenfalls am 30. September 1928 wurde das Hauptgut des Gutsbezirks Rittergut Schadeleben mit der Landgemeinde Schadeleden vereinigt. Der in die Feldmark Hausneindorf hineinragende Teil des Gutsackers wurde mit der Landgemeinde Hausneindorf vereinigt und die Enklave des Gutsbezirks in der Gemarkung Cochstedt mit der Stadt Cochstedt.[4]

Heute ist am südlichen Ortsrand noch der alte „Hauptgraben“ zu sehen. In seiner zuletzt angelegten Form diente dieser aber im 20. Jahrhundert der Entwässerung der Braunkohletagebaue des Gebietes. Der größte Tagebau erstreckte sich zwischen Schadeleben und Nachterstedt (mit 70 Metern einer der tiefsten in Deutschland) und bedrohte zur Zeit der Wende 1989/90 die Gemeinde unmittelbar. So gesehen hat das heutige Schadeleben seine Existenz der Wiedervereinigung zu verdanken, auch wenn in deren Folge die meisten Arbeitsplätze in Bergbau und Landwirtschaft verloren gegangen sind.

Seit dem Jahr 2003 steht der sich im alten Tagebau bildende Concordiasee (2006 circa 4 km²) dem öffentlichen Badebetrieb und dem Segel- bzw. Surfsport zur Verfügung. Im Frühjahr 2005 begann sogar ein regelmäßiger Betrieb des Fahrgastschiffes „Seelandperle“ mit einstündigen Rundfahrten. Infolge des verheerenden Erdrutsches in der Nachbargemeinde Nachterstedt, musste die "Seelandperle" den Fuhrbetrieb ab 18. Juli 2009 einstellen. Das Schiff wurde ein Jahr später vom Stadtrat der Stadt Seeland verkauft und am 21. September 2010 nach Nienburg/Weser transportiert.

Am 15. Juli 2009 wurde Schadeleben in die neue Gemeinde Seeland eingegliedert.[5] Der letzte Bürgermeister war Ernst Sentner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Schadeleben COA.svg
Blasonierung: „Durch Göpelschnitt geteilt von Silber, Grün und Blau; vorn drei grüne Ähren, hinten ein aufrecht stehender silberner Bär, unten ein linksgewendeter silberner Karpfen.“
Wappenbegründung: Die Farben des Ortes sind Grün - Weiß (Silber). Die Göpelteilung wurde gewählt, um im Wappen eine Geschichte erzählen zu können. Die drei grünen Ähren zeugen vom Fleiß der Einwohner, von der Hauptanbaufrucht sowie vom ländlichen Charakter des Dorfes. Gemeindespezifisch ist der Bär. Das Dorf liegt im hügeligen Gelände, also schreitet der Bär bergan. Im Volksmund der Umgebung werden die Schadelebener Bürger „die Bären“ genannt. Eine Geschichte - in mehreren Versionen verbreitet - erzählt von einer Bärenjagd, die die tapferen Schadeleber unternahmen, um das Ungeheuer zu erlegen, das plötzlich zu reden begann und sich als Bauer im Bärenfell entpuppte. Aus diesem Grund hat der Wappenbär keine Zähne und Zunge - es handelt sich ja um einen Menschen. Sein Maul ist jedoch geöffnet, seine Vordertatzen wehren ab: „Tut mir nichts!“ Der Karpfen schließlich symbolisiert die Nähe zu dem ehemaligen Nachterstedter Tagebau, der wieder zum klaren See, der er einst war, werden soll.

Das Wappen wurde von der Heraldikerin Erika Fiedler aus Magdeburg gestaltet und am 7. Juni 1996 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist grün - weiß (1:1) gestreift mit dem aufgelegten Ortswappen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Annecke (1818–1872), Achtundvierziger-Revolutionär, in Dortmund geboren, aber mit Schadelebener Vorfahren (siehe Literaturangabe) sowie seine ebenfalls nach 1849 in die USA ausgewanderten Brüder Emil Annecke und Carl Annecke
  • Erich Klapproth (1894–1945), „Femeurteilsvollstrecker“ der „Schwarzen Reichswehr“, später NSDAP-Funktionär und Gutsbesitzer in Polen

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Schadeleben Ort lag an der Bahnstrecke Aschersleben–Nienhagen. Diese Strecke ist stillgelegt.

In einem Bogen, entlang des Concordiasees, verläuft um den Ort herum der Europaradweg R1, der das französische Boulogne-sur-Mer mit Sankt Petersburg in Russland verbindet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annecke, Heinrich: Die Bauernfamilie Annecke aus Schadeleben und ihre Stammfolge. Deutsches Familienarchiv, Band 13, 1960. S. 116–140.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schadeleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auskunft des Landeshauptarchives Sachsen-Anhalt vom 18. Dezember 1992, Aktenzeichen: 8.1.2. pa-eh 6095
  2. Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen, Hrsg.: Uwe Ohainski und Gerhard Streich, Hahnsche Buchhandlung Hannover 2007, S. 530
  3. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 215.
  4. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 214 f.
  5. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009