Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof

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Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum) im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof.
Der Hermannshof.

Der Hermannshof ist ein über 2,2 ha großer Schau- und Sichtungsgarten für Stauden in Weinheim an der Bergstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Anwesens führt zurück ins 18. Jahrhundert zu einem Sommersitz („Lusthaus“) inmitten eines Gartens, der u. a. Lambert Babo gehörte, den Kurfürst Karl Theodor zum Reichsfreiherrn ernannte. Um 1820 wurde von dem Karlsruher Baudirektor Friedrich Weinbrenner das klassizistische Gebäude mit dem Charakter einer herrschaftlichen Gartenvilla errichtet. In den Besitz der Familie Freudenberg kam das Anwesen 1888 durch Abkauf von den Erben. Der neue Eigentümer war der Weinheimer Unternehmer Hermann Ernst Freudenberg (1856–1923). Seit diesem Erwerb waren das Gebäude der Wohnsitz der Industriellenfamilie Freudenberg und das Gelände der dazugehörige Privatgarten. Nach einem weiteren Umbau trägt das Ensemble aus Villa, Gärtnerhaus und Garten seit 1900 den Namen Hermannshof.

historische Myrte (mit dem Gerüst für die Einhausung im Winter)

Die Geschichte der Gestaltung des Gartens durch die Familie Freudenberg beginnt allerdings bereits mit dem Jahr 1879. Ein Zweiglein von Myrtus communis aus dem Brautschmuck der Helene Siegert bei ihrer Hochzeit mit Hans Ernst Freudenberg, in diesem Jahr ein- und später im Garten ausgepflanzt, bewurzelte sich und wuchs inzwischen zu einem stattlichen Baum von mittlerweile zehn Metern Höhe heran, der zur Überwinterung ein eigenes Glashaus beansprucht. Er gilt als die größte und älteste Myrte in Deutschland.

Mit der Gestaltung des Gartens befassten sich Hermann Ernst und nach seinem Tod Hans und Ida Freudenberg: vor allem durch die Pflanzung weiterer Bäume und durch die Anlage der großen Wiese. Nach ihnen betreute Maria Schildhauer die Anlage. In den 1920er-Jahren wurde der Garten von dem Landschaftsarchitekten Heinrich Friedrich Wiepking-Jürgensmann umgestaltet. Ein vom ihm angefertigter Grundriss aus dem Jahr 1924 ist erhalten.[1]

Den Garten zu einem Schau- und Sichtungsgarten zu machen war ein Vorschlag der mit der Familie verschwägerten Gerda Gollwitzer. Die Firmenleitung stimmte zu. Für die Trägerschaft wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet, der das Grundstück vom Eigentümer, der Firma Freudenberg, pachtete.

Die Umgestaltung des Gartens in den Jahren 1981 bis 1983 plante Landschaftsarchitekt Hans Luz (Stuttgart) zusammen mit Urs Walser. Das Gebäude wurde umgebaut zu einem repräsentativen Seminar- und Konferenzhaus. Im Jahr 1983 konnte dann das Anwesen in die Stiftung „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof e. V.“ überführt werden. Seitdem hat das Publikum zu den Öffnungszeiten kostenfreien Zugang zur Gartenanlage. Man zählt jährlich ca. 120.000 Besucher.

Vorsitzender der Stiftung ist Reinhart Freudenberg; der fachliche Beirat wird von Bernd Hertle (Weihenstephan) geleitet. Die Leitung des Gartens oblag von 1981 bis 1997 Urs Walser; sein Nachfolger ist Cassian Schmidt. In die jährlichen Kosten teilen sich die Firma Freudenberg (ca. 80 %) und die Stadt Weinheim (ca. 16 %); der Rest sind sonstige Einnahmen.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rundweg im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof.

Die geschützte Lage des Areals, die sich in zwei Himmelsrichtungen erstreckende Hanglage mit dem Schatten alter Gehölze und die sich darunter ausbreitende sonnige Talsenke mit einem kleinen Teich sowie offenen Steinflächen ermöglichen die Pflanzung von Stauden und Sträuchern mit sehr unterschiedlichem Anspruch an Boden, Licht und Feuchtigkeit. Die Winterhärtezone entspricht einem milden Weinbauklima und unterstützt die Überwinterung andernorts nicht winterharter Stauden.

Zweck und Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend dem zweifachen Zweck eines Schau- und Sichtungsgartens werden einerseits Pflanzen und Pflanzengesellschaften in ihren unterschiedlichen Habitaten, aber auch als zu jeder Jahreszeit attraktive Beet- und Rabattenbepflanzung dem Publikum präsentiert; andererseits werden Stauden auf ihre Standortbedingungen und auf die Verträglichkeit mit Konkurrenten um Licht und Nahrung systematisch untersucht. Einer der Schwerpunkte dabei ist das Verhalten der Stauden, wie Trockenheits- und Hitzeresistenz bei weiter zunehmenden klimatischen Veränderungen, und ihre Brauchbarkeit in privaten und öffentlichen Gärten vor allem in Südwestdeutschland.

In letzter Zeit werden auch Pflanzenzusammenstellungen entwickelt und getestet im Hinblick auf kostengünstigen Einsatz in öffentlichen Anlagen mit abwechslungsreichem Flor bei nur wenigen Pflanz- und Pflegegängen.

Besondere Hervorhebung verdient der um 2002 angelegte und inzwischen gut eingewachsene Hochgras-Präriegarten mit Stauden und Gräsern, die in den entsprechenden Gebieten der USA heimisch sind. Darunter befinden sich Arten, die an ihrem ursprünglichen Standort infolge von Flussregulierungen und ähnlichen Maßnahmen bereits bedroht sind. Zur Beschaffung der Samen steht der Hermannshof in Verbindung mit Gartenbaubetrieben in den USA. Neben den Beschriftungen der einzelnen Arten findet man Tafeln mit Erläuterungen zur Verwendung der Pflanzen in der indianischen Medizin („Apotheke Manitou's“).

Weitere Sehenswürdigkeiten sind

Neben Führungen für interessierte Gruppen bietet der Garten in den Vegetationsmonaten auch thematische Führungen an, meist an einem bestimmten Sonntag im Monat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cassian Schmidt: Hermannshof: Schau- und Sichtungsgarten. Ulmer Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 3800178370
  • Presse- und Informationsabteilung der Firma Freudenberg (Hg.): Der Hermannshof (Flyer). Weinheim 2006.
  • Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof e. V. (Hg.): Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof. Weinheim, o. J.
  • Hermann Freudenberg: (Ausführungen anlässlich der Feier des 25-jährigen Bestehens des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof am 6. Mai 2008), online in [1] abgerufen am 1. Juli 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermannshof Weinheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Er befindet sich im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin in der Universität. Vgl. http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71162203

Koordinaten: 49° 32′ 51″ N, 8° 40′ 13″ O