Scheich Fadl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Scheich Fadl (Ägypten)
Scheich Fadl
Scheich Fadl
Memphis
Memphis
Elephantine
Elephantine
Karte von Ägypten

Koordinaten: 28° 30′ N, 30° 51′ O

Scheich Fadl (arabisch الشيخ فضل, DMG aš-Šaiḫ Faḍl) ist ein Dorf in Mittelägypten (Ägypten) im Gouvernement al-Minya auf der Ostuferseite des Nils gegenüber Bani Mazar.

Der Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4 km östlich und nordöstlich des Dorfes liegt ein ptolemäerzeitlicher, aus Felsgräbern bestehender Friedhof. Dieser gehörte auch zur antiken Stadt Kynopolis, der Hauptstadt des 17. oberägyptischen Gaues und dem Kultort des hundeköpfigen Gottes Anubis, deren genauer Standort bisher unbekannt ist.

Ein Großteil der Gräber wurde geplündert. Funde aus einigen Gräbern, die von der ägyptischen Altertümerverwaltung ausgegraben wurden, befinden sich heute im Altertümermuseum in Mallawi. Im Norden des Friedhofes befinden sich unterirdische Galerien, in denen Hundemumien beigesetzt wurden. Die bisher wenig erforschten Tiergalerien sind heute in einem schlechten baulichen Zustand.

W. M. Flinders Petrie entdeckte ein Grab im Friedhof, dessen Wände mit mehreren Kolumnen in aramäischer Schrift versehen waren.[1] Der schwer entzifferbare, in das 5. Jahrhundert v. Chr. zu datierende Text bildet eine zusammenhängende Erzählung.[2] Die Erzählung selbst spielt zur Zeit des Neuassyrischen Reiches und nennt u. a. einen gewissen Inaros, der auch aus demotischen Erzählungen bekannt ist.[3] Deshalb handelt es sich wohl um die aramäische Übersetzung ägyptischen Erzählgutes.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Farouk Gomaà: Scheich el-Fadl In: Helck, Wolfgang, Otto, Eberhard, Westendorf, Wolfhart (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. (LÄ) Bd. V: Pyramidenbau – Steingefäße. Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 978-3-447-02489-1, Spalte 555–556.
  • Farouk Gomaà, Renate Müller-Wollermann, Wolfgang Schenkel: Mittelägypten zwischen Samalut und dem Gabal Abu Sir. Beiträge zur historischen Topographie der pharaonischen Zeit (= Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. Reihe B, Geisteswissenschaften. Bd. 69). Reichert, Wiesbaden 1991, ISBN 978-3-88226-467-8.
  • Farouk Gomaà: Särge und andere Funde aus der Nekropole der Falkenstadt. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 57, 2001, S. 35–57.
  • André Lemaire: Les inscriptions araméenes de Cheikh-Fadl (Egypte). In: M. Geller, J. C. Greenfield, M. P. Weitzman (Hrsg.): Studia Aramaica. New Sources and New Approaches. Papers Delivered at the London Conference of the Institute of Jewish Studies, University College, London, 26th-28th June 1991 (= Journal of Semitic Studies. Supplement 4, 1995). S. 77–132.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Noël Giron (Aimé-Giron): Note sur une tombe découverte près de Cheikh-fadl par M. Flinders Petrie et contenant des inscriptions araméenes. In: Ancient Egypt. Nr. 8, 1923, S. 38–43.
  2. André Lemaire: Les inscriptions araméenes de Cheikh-Fadl (Egypte). 1995, S. 77–132.
  3. Kim S. B. Ryholt: The Assyrian invasion of Egypt in Egyptian literary tradition. A survey of the narrative source material. In: Mogens Trolle Larsen, Jan Gerrit Dercksen (Hrsg.): Assyria and beyond: Studies presented to Mogens Trolle Larsen. Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten, Leiden 2004, ISBN 978-90-6258-311-9, S. 483–510.
  4. Joachim Friedrich Quack: Zur Chronologie der demotischen Weisheitsliteratur. In: Kim Ryholt (Hrsg.): Acts of the seventh international conference of demotic studies. copenhagen, 23-27 august 1999 (= CNI Publications. Nr. 27). Carsten Niebuhr Institute of Near Eastern Studies - University of Copenhagen, Kopenhagen 2002, ISBN 978-87-7289-648-9, S. 341 Anm. 78.