Schlüssellochgarten

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Ein Schlüssellochgarten (engl. Keyhole Garden) ist eine spezielle Form des Hochbeets, der seinen Namen aufgrund der kreisrunden Form erhalten hat. Durch seine Einbuchtung zur Mitte hin ähnelt der Garten aus der Vogelperspektive einem Schlüsselloch (engl. keyhole). Aufbau und Form des Schlüssellochgartens entstanden unter Einfluss des Konzepts der Permakultur.[1]

Aufbau und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Darstellung des Schlüssellochgartendesigns.

Ein typischer Schlüssellochgarten ist ein kreisrundes Hochbeet, das in der Regel bei einem Durchmesser von ca. 3 Metern auf Hüfthöhe aufgeschichtet wird. Dabei wird die namensgebende Einbuchtung freigelassen, durch die der Gärtner dann einfachen Zugriff auf die Mitte des Gartens hat. Bei der Konstruktion wird eine Außenmauer aus Feldsteinen, oder sonstigen geeigneten Materialien um das Beet errichtet. Diese soll die Stabilität der Konstruktion gewährleisten und unerwünschten Einflüssen auf den Innenraum des Beetes, wie etwa größeren Temperaturschwankungen, entgegenwirken. Der Innenraum des Schlüssellochgartens besteht aus mehreren abwechselnden Schichten von Holzasche, Dung und normalem Erdreich. Die unterste Schicht besteht aus Materialien, die den Boden nach unten hin abschließen, um Wärme und Feuchtigkeit im Beet zu halten. Die dafür verwendbaren Materialien sind sehr variabel und die Anwendungsbeispiele reichen von Aloe-Blättern bis hin zu zerstoßenen Konservendosen. Im Zentrum des Beetes befindet sich der „Korb“, der in der Regel ein aus Stöcken und Gras gefertigtes Gestänge ist, das einen Freiraum bis zum Boden des Beetes offenhält. In diesen Freiraum, können dann regelmäßig kompostierbare Materialien, wie etwa Küchenabfälle, gefüllt werden, die den Nährstoffgehalt des Gartenbeetes unterstützen. Durch die filternden Eigenschaften des Korbes kann zusätzlich auch Brauchwasser aus dem Haushalt für einen Großteil der Bewässerung des Gartens verwendet werden.[2][3]

Verbreitung und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der sporadischen Verbreitung unter Hobbygärtnern im europäischen und angloamerikanischen Raum,[4] wurde das Konzept des Schlüssellochgartens auch von mehreren Hilfsorganisationen aufgegriffen. Der spezifische Aufbau des Hochbeetes bietet zahlreiche Eigenschaften, die den Schlüssellochgarten sehr geeignet für die Verwendung innerhalb von Entwicklungsprojekten machen. Die übliche Vorgehensweise ist es dabei, die Expertise und die Mittel zum Bau und Unterhalt der Gärten – Saatgut, Werkzeuge, in Wassermangelgebieten auch ein Verdunstungsschutz- einzelnen Haushalten zur Verfügung zu stellen, damit diese dann eigenständig Gemüseanbau betreiben können. Dadurch soll in Regionen, in denen sich weite Teile der Bevölkerung hauptsächlich nur von einer Nahrungsmittelart ernähren, die längerfristige Basis für Nahrungsergänzung gelegt werden um gesundheitsschädlicher Mangelernährung entgegenzuwirken. Ein weiterer beabsichtigter Nebeneffekt ist die Erhöhung des Haushaltseinkommens, durch das Verkaufen von eventuellen Ernteüberschüssen.

Folgende Eigenschaften des Gartendesigns führten dabei zu der Bewertung, dass der Schlüssellochgarten als erfolgversprechendes Konzept für die Entwicklungshilfe eingestuft wurde:

  • Die niedrigen Kosten und die hohe Verfügbarkeit der zum Bau benötigten Materialien sorgen dafür, dass die wirtschaftliche Barriere für die Errichtung eines Schlüssellochgartens niedrig gehalten werden kann. Das ermöglicht auch Personen, die über wenig bis gar keine finanziellen Ressourcen verfügen, den Zugang zu dem Projekt.
  • Da durch das Düngen mit natürlichen und in der Regel leicht verfügbaren Materialien wie Küchenabfällen das Einkaufen von Extradünger entfällt, kommt hier ein weiterer Kostenvorteil zum Tragen.
  • Durch das Anpflanzen bestimmter Kombinationen von schädlingsresistenten Pflanzensorten in entsprechender Anordnung kann die Verwendung von Pestiziden und der damit einhergehende finanzielle Aufwand umgangen werden.
  • Die Möglichkeit Wasser zu sparen, indem man den Schlüssellochgarten zu einem Großteil mit Brauchwasser aus dem Haushalt bewässert, macht das Konzept gerade auch für Regionen, die unter Dürren und Wasserknappheit leiden, attraktiv.
  • Die komprimierte Konstruktionsweise mit dem zusätzlichen Schutz durch eine Außenmauer, erlaubt den Einsatz des Gartens auch bei sehr steinigem und unter starker Erosion stehendem Gelände. Damit wird der Garten weitestgehend unabhängig von der Bodenbeschaffenheit vor Ort.
  • Die Höhe des Gartens, sowie die Zugangseinbuchtung zur Mitte, erleichtern Älteren oder kranken Menschen die Arbeit am Hochbeet.
  • Die hohe Fruchtbarkeit und geschützte Anordnung des Beetes ermöglichen es, oft ganzjährig, ca. fünf verschiedene Gemüsesorten anzupflanzen.[2][5]

Projekte mit Verwendung des Schlüssellochgartens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Johanniter-Unfall-Hilfe will ihr bereits bestehendes Ernährungshilfeprojekt in Dschibuti mit dem Bau von Schlüssellochgärten ergänzen.[6]
  • Die Britische Hilfsorganisation „Send a Cow“ ist die erste Organisation, die die Schlüssellochgärten erfolgreich im Rahmen ihrer Entwicklungshilfe einsetzt.[5][7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Permakultur – Internet Archive S. 78; S. 105.
  2. a b teca.fao.org (Memento des Originals vom 5. Juni 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/teca.fao.org
  3. youtube.com
  4. countryworldnews.com
  5. a b fao.org (PDF).
  6. Gemüsegärten in der Wüste
  7. „African Gardens Project“ von „Send a Cow“