Schloss Caputh

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Schloss Caputh

Das Schloss Caputh liegt im Ortsteil Caputh der Gemeinde Schwielowsee nahe bei der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam unmittelbar am Templiner See.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, Gemälde von Gedeon Romandon
Seitenansicht
Schloss Caputh, Park und Seeseite im April 2010
Schloss Caputh, Hofseite
Das Kavaliershaus der Familie von Thümen
Typisch für Lenné: Sichtachsen gestalten den Park

Schloss Caputh ist das einzige erhaltene Schloss der Potsdamer Kulturlandschaft aus der Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und des Brandenburger Frühbarock. Es wurde von 1995 bis 1999 für neuneinhalb Millionen DM restauriert.

Bereits im 16. Jh. hatte hier die Kurfürstin Katharina eine Sommerresidenz, die aber im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört wurde. 1662 schenkte der Große Kurfürst das Schloss dem kurfürstlichen Quartiermeister Philip de Chiese (auch Philippe de la Chièze), der ein Landhaus unter Verwendung der Reste des alten Schlosses errichtete.

1671 gingen das Schloss und Gut Caputh mit sämtlichen Ländereien und Weinberg zurück an den Großen Kurfürsten. De Chiese erhielt dafür einen 150 Hufen (ca. 2.600 Hektar ) großen Besitz im Memeldelta in Ostpreußen. Der Große Kurfürst schenkte das frühbarocke Lusthaus 1671 seiner zweiten Gattin, der Kurfürstin Dorothea von Brandenburg, die das Schloss erweiterte und reichhaltig ausstattete. Es entstand eine Dreiflügelanlage mit aufgesetzter Attika und doppelläufig geschwungener Freitreppe an der Nordseite, dem damaligen Hauptzugang vom Templiner See, und zwei Eckpavillons an der Südseite, deren Gesicht weitgehend erhalten ist. Das Sommerschloss war Kurfürstin Dorotheas bevorzugter Wohnsitz, insbesondere nach dem Tod des Kurfürsten. Nach ihrem Tod kaufte der Sohn des Großen Kurfürsten aus erster Ehe, Friedrich III. - ab 1701 König Friedrich I. in Preußen - , Schloss Caputh von seinen Halbgeschwistern zurück. Er stattete es zu einem Lustschloss für Festlichkeiten und Jagdaufenthalte aus. Friedrich der Große verpachtete die Anlage an eine Färberei für türkische Garne, eine Lederwarenfabrik und nutzte das Schloss als königliche Baumschule. 1820 kaufte der preußische Generalleutnant August von Thümen das Schloss. 1908 gelangte es im Erbgang in den Besitz der Familie von Willich. Das im Zuge der Bodenreform enteignete Schlossensemble wurde ab 1947 als berufsbildende Einrichtung genutzt. Im November 1995 übernahm die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg das Schloss und führte umfassende Restaurierungsarbeiten durch. Seit 1998 ist Schloss Caputh der Öffentlichkeit zugänglich. Die Rustika ist wie zu Zeiten der Kurfürstin Dorothea in kräftigem Ocker abgesetzt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der prunkvoll dekorierte Festsaal sowie im Souterrain der Fliesensaal, dessen Wände und Deckengewölbe der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. um 1720 mit ca. 7.500 blau-weißen holländischen Fayencefliesen als Speisesaal für seine Jagdgesellschaften ausstatten ließ. Er ist nach dem Fliesensaal im Schloss Oranienbaum bei Wörlitz der älteste und wegen seiner Gewölbe wohl der bedeutendste in Deutschland. Die Gewölbe konnten mit einer nicht sichtbaren Betonrippenkonstruktion gerettet werden. Über hundert beschädigte Fliesen wurden zusammengefügt und retuschiert. 200 Originalfliesen wurden nachgekauft.

Der Festsaal und die Wohn- und Schlafgemächer des Kurfürsten und der Kurfürstin können besichtigt werden. Barocker Deckenstuck und Deckengemälde der beiden Hofmaler Samuel Theodor Gericke und Augustin Terwesten sind fast vollständig erhalten geblieben. Zur Inneneinrichtung gehören Lackmöbel, Porzellane, Fayencen und Skulpturen der Originalausstattung oder aus dem Nachlass der Kurfürstin Dorothea und aus dem Potsdamer und Berliner Schloss. Die heute ausgestellten Kunstwerke vermitteln einen Eindruck von höfischer Kunstentfaltung und fürstlicher Wohnkultur um 1700. Aus dem Berliner Stadtschloss stammt ein Tisch aus dunklem Ebenholz mit herzförmigen Einlagen aus Elfenbein.

Die Gemäldesammlung mit mehr als hundert Werken besteht überwiegend aus holländischer aber auch italienischer Malerei, denn die erste Ehe des Großen Kurfürsten mit Luise Henriette von Oranien prägte auch den Stil des kurfürstlichen Hofes. Das Gemälde Dame mit Papagei von Willem van Mieris (1662–1747) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Beutekunst ins Ausland verschleppt. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hatte sich lange um die Rückgabe des Bildes bemüht, das 1945 von britischen Soldaten aus dem Berliner Jagdschloss Grunewald entwendet worden war. Das Kunstwerk ist im Kabinett am Saal zu sehen.

Park[Bearbeiten]

Der Schlossgarten hat eine Größe von ca. 3,5 ha. Der Park liegt am Ufer des Templiner Sees. Die barocke Parkanlage mit Skulpturen und Fontänen, terrassiertem Garten und vielen Obstbäumen wurde in Anlehnung an Lennés Verschönerungsplan aus dem Jahre 1830 mit dem südlichen Abschluss am Ufer der Havel umgestaltet. Zwischen der Havel und dem Schloss wurde der Gartenraum mit locker gestellten Bäumen gefüllt, die gerade noch den Blick zum Fluss freiließen. Die Hälfte des Gartens wurde von Gemüsefeldern eingenommen. Dichtes Buschwerk und Bäume schirmten diese Beete ab. In Lennès Plänen sind die barocken Sichtbeziehungen nicht vorgesehen. Als Bäume wurden später unter anderem Eßkastanien (Maronen) gepflanzt. Die Familie von Thümen errichtete auch das Kavaliershaus zwischen Schloss und Havel.

Ereignisse[Bearbeiten]

Am 8. Juli 1709 trafen sich im Schloss Caputh drei gekrönte europäische Häupter im Rahmen des Dreikönigstreffens. Mit einem Prunkschiff kamen der dänische König Friedrich IV. und August der Starke. Gastgeber war der preußische König Friedrich I. Die beiden Gäste verhandelten mit dem preußischen König über eine Allianz gegen Schweden. Der ein paar Tage später abgeschlossene Freundschafts- und Neutralitätspakt hatte jedoch politisch kaum Bedeutung.

Das Schloss in der Literatur[Bearbeiten]

Eine ausführliche Würdigung des Schlosses findet sich bei Theodor Fontane in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Er schildert ausführlich die Geschichte und den persönlichen Eindruck eines Besuches. Seine Darstellung beginnt mit den Zeilen:

„Wer hat nicht von Caputh (so heißt das Dorf) gehöret,
Das, in verwichner Zeit, die größte Zier besaß,
Als Dorothea sich, die Brandenburg noch ehret,
Das Schloß am Havelstrom zum Witwensitz erlas.“

Theodor Fontane[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Havelland, die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg. Band 3, Aufbau-Verlag, 1976, S. 400

Literatur[Bearbeiten]

  • Fontane, Theodor: Wanderung durch die Mark Brandenburg, Band 3: Havelland
  • Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Der Große Kurfürst als Sammler und Mäzen, Potsdam 1888
  • Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert, Potsdam 1993
  • Günther, Harri: Peter Josef Lenné. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1985
  • Hoffmeister, Tita: Caputh. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1991, ISBN 3-87584-423-8
  • Kopisch, August: Geschichte der Königlichen Schlösser und Gärten in Potsdam, Berlin 1854
  • Lorenz, Hellmut (Hrsg.): Berliner Baukunst der Barockzeit. Die Zeichnungen und Notizen aus dem Reisetagebuch des Architekten Christoph Pitzler, Berlin 1998
  • Schurig, Gerd: Der Park des Schlosses Caputh, In: Nichts gedeiht ohne Pflege. Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärtner, Ausstellungskatalog SPSG, Potsdam 2011, S. 24-29
  • Schurig, Gerd: Garten, Caputh, in: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (Hg.): Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern. 2. überarb. Aufl., Bonn 2005, S. 51f. ISBN 3-925374-69-8
  • Schurig, Gerd: Caputh Schlossgarten, In: Peter Joseph Lenné, Parks und Gärten im Land Brandenburg, Werkverzeichnis, Hrsg. BLDAM und SPSG, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms 2005, S. 40-43
  • Sommer, Claudia: Das Schloß Caputh, in: Carmen Hohlfeld: Caputh und die Caputher. Ein kulturhistorischer Streifzug. Ed. Gemeindeverwaltung Caputh, Caputh 1992, S. 22-32
  • Schloss und Park Caputh. (in der Reihe: Königliche Schlösser und Gärten in Brandenburg), Deutscher Kunstverlag, Berlin, München, 2009
  • Winter, Peter Jochen: Staunen wo einst die Majestäten zechten. Phönix aus Potsdam: Das restaurierte Schloß Caputh öffnet die ersten Räume in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Oktober 1998

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Caputh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.34911111111113.000713888889Koordinaten: 52° 20′ 56,8″ N, 13° 0′ 2,57″ O