Schmales Leerzeichen

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Das schmale Leerzeichen (englisch thin space) wird in der Typografie zur optischen Gliederung einer zusammenhängenden Zeichengruppe benutzt.

Verwendung[Bearbeiten]

Trennungsart Beispiel 1 Beispiel 2
kein Leerzeichen z.B. i.d.R.
schmales (umbruchgeschütztes) Leerzeichen U+202F z. B. i. d. R.
schmales Leerzeichen U+2009 (thinsp) z. B. i. d. R.
normales Leerzeichen z. B. i. d. R.

Das schmale Leerzeichen soll die Leserlichkeit einer unübersichtlichen Zeichengruppe verbessern, beispielsweise vielstellige Zahlen oder Abkürzungen. Durch die Verwendung von schmalen Leerzeichen sind einzelne Zeichengruppen schneller erkennbar und wirken besser proportioniert. Im Unterschied zum üblichen Leerzeichen soll es jedoch die Zusammengehörigkeit der Gruppe eindeutig erkennen lassen.

Im Textsatz trägt es darüber hinaus dazu bei, unerwünschte Loch- und Gassenbildung zu verringern, welche ansonsten die Leserlichkeit ganzer Absätze verschlechtern kann.

Ein weiterer Verwendungszweck ist der Einsatz in Gleichungen und Formeln, wie   3¦+¦6=5¦+¦4

Typische Textbeispiele mit unterschiedlichen Typen von Leerräumen
Verwendung Beispiele Sieht so aus
Abkürzung z.¦B.   i.¦d.¦R. z. B.   i. d. R.
Datum 1.¦Mai2006   31.¦12.¦06   – aber: 31.¦12.¦2006 oder 31.¦12.2006 1. Mai 2006   31. 12. 06   – aber: 31. 12. 2006 oder 31. 12. 2006
Nummer Bankleitzahl100¦100¦10 Bankleitzahl 100 100 10
Abkürzung mit Nummer §¦315cStGB   Abs.¦3   S.¦78¦ff. § 315c StGB   Abs. 3   S. 78 ff.
Zahl (Tausendertrennzeichen) 3¦456¦789Einwohner 3 456 789 Einwohner
Zahl mit Einheitenzeichen 220¦V   37¦°C   20¦€Umsatz   98¦765¦tBananen
aber:   Winkel␣von␣90°
220 V   37 °C   20 € Umsatz   98 765 t Bananen
aber:   Winkel von 90°

Legende:

„normales“ Leerzeichen durch „“, schmales Leerzeichen durch „¦“ dargestellt

Zeilenumbruch[Bearbeiten]

Per Definition ist an einem schmalen Leerzeichen ein Zeilenumbruch nicht erlaubt. Dagegen wird zwischen Wörtern ein normales Leerzeichen – ein Wortzwischenraum – gesetzt. Am Wortzwischenraum ist auch der Umbruch erlaubt.

Beim Ausschließen behält ein schmales Leerzeichen immer seine feste Breite, während die Ausdehnung der Wortzwischenräume leicht vergrößert wird. Der Grund ist, dass sonst in der einen Zeile   12 345   stehen könnte, sich beim Randausgleich jedoch in einer anderen Zeile   98   765   ergeben könnte. Damit wäre aber nicht mehr erkennbar, dass es sich in beiden Fällen um eine zusammenhängende, gleichartige fünfstellige Zahl handelt.

Digitale Texte[Bearbeiten]

Erst mit den Unicode-Zeichensätzen sind schmale Leerzeichen für elektronische Publikationen verfügbar geworden, für welches es zwei Kodierungen gibt:

Unicode dezimal Bedeutung HTML
dezimal
HTML
hexadezimal
HTML
benannt
U+202F 8239 NARROW NO-BREAK SPACE    
U+2009 8201 THIN SPACE      

Für die deutsche Typografie sind zunächst beide Zeichen möglich; es gibt keinen optischen Unterschied. Die Breite soll ein Sechstel der Grundzeichenbreite (em) betragen, aber auch ein Achtel wäre zulässig.

Beim erstgenannten Zeichen U+202F soll das Textsystem einen Zeilenumbruch an dieser Stelle direkt verhindern; beim zweiten Zeichen U+2009 ist ein Umbruch erlaubt, außerdem die Verbreiterung des Leerzeichens etwa im Blocksatz.[1] Weil aber in einer durch schmale Leerzeichen gegliederten Zeichengruppe nie ein Zeilenumbruch erfolgen darf und auch keine Verbreiterung erwünscht ist, kommt für Fließtext nur die erste Kodierung (U+202F) in Frage.

Im Englischen kann der lange Gedankenstrich mit einem noch schmaleren „hair space“, U+200A (dezimal 8202) von den angrenzenden Wörtern abgesetzt werden.

Bürokommunikation[Bearbeiten]

Für Geschäftsbriefe und sonstige Geschäftsunterlagen sollen Schreibkräfte nach DIN 5008 statt eines schmalen Leerzeichens das geschützte Leerzeichen benutzen. Dies ist ein Kompromiss zwischen der schnellen Texterstellung und einer ansprechenden Gestaltung.

Übergangslösungen[Bearbeiten]

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Diese Entwicklung ist noch sehr jung; die Zeichendarstellung wie auch die richtige Interpretation wird bei weitem noch nicht von jeder Software richtig vorgenommen. Beim automatischen Zeilenumbruch ist darauf zu achten, dass keine Trennung erfolgt. Die Regeln dafür sind aber ggf. in der Software noch nicht richtig implementiert. Falls das schmale Leerzeichen jedoch als unbekanntes Buchstabenzeichen interpretiert wird, würde nicht umbrochen werden und das wäre genau der gewünschte Effekt.

In den meisten Proportionalschriften wird das geschützte Leerzeichen nicht allzu breit dargestellt, kann somit ohne allzu große Beeinträchtigung ersatzweise verwendet werden.

Im Kontext von HTML gibt es verschiedene Methoden, ein geschütztes schmales Leerzeichen zu simulieren. Eine einfache Methode besteht darin, die Schriftgröße eines einfachen geschützten Leerzeichens ( ) zu halbieren:

<span style="font-size:50%;">&nbsp;</span>.

Es gibt jedoch Browser, die die Breite des geschützten Leerzeichens nach unten hin beschränken (i. d. R. auf 0,25 em), sodass diese Methode versagt.

Verlässlicher lässt sich mithilfe der Konstruktion

<span style="margin-left:0.167em"> … </span>

ein Weißraum beliebiger Breite erzeugen, der allerdings nicht zum Text gehört, d. h., wenn der Text auf der HTML-Seite markiert und kopiert wird, befindet sich an dessen Stelle kein Leerzeichen in der Zwischenablage. Bei Zahlen mit Zifferngruppierung ist dies durchaus vorteilhaft, da für Screenreader sowie für die Weiterverwendung der Zahlen in anderen Anwendungen wie Tabellenkalkulationen die Leerzeichen störend wären. Daher ist für die Zifferngruppierung in HTML diese Lösung dem schmalen geschützten Leerzeichen sogar vorzuziehen. Wird die span-Konstruktion als Ersatz für das schmale Leerzeichen verwendet – also bei Abkürzungen etc. – ist es hingegen sinnvoll, für den zu kopierenden Text ein unsichtbares schmales Leerzeichen oder Ersatzzeichen im Weißraum zu „verstecken“, etwa so:

<span style="margin-left:0.167em"><span style="display:none">&nbsp;</span></span>.

Folgender Satz ist eine Anwendung der hier dargestellten Methoden:

Im Hinblick auf § 555 hielt er i. d. R. 18500 ft Abstand zum Boden.

In manchen Browsern lässt sich die Natur der Weißräume durch Markieren des entsprechenden Textes mit der Maus erkennen.

Verwendung unter Microsoft Word[Bearbeiten]

Bisher existiert noch keine generelle Lösung für die Textverarbeitungsprogramme von Microsoft.

Bei einigen Schriftarten (z. B. „Palatino Linotype“) kann unter Einfügen → Symbol das Zeichen mit dem hexadezimalen Code 2009 im Unicode-Format ausgewählt werden. Dieses Zeichen kann nun einer Tastenkombination (zum Beispiel Strg+Alt+Leertaste) zugewiesen werden. Durch Drücken dieser Tasten wird im Text nun dieses Symbol, das einem schmalen (nicht umbruch-geschützten) Leerzeichen entspricht, eingesetzt. Bei anderen Schriftarten (z. B. „Times New Roman“) ist bei entsprechender Vorgehensweise mit dem hexadezimalen Code 202F im Unicode-Format auch ein schmales umbruch-geschütztes Leerzeichen erzeugbar. Das hängt damit zusammen, dass die aktuellen Versionen dieser Zeichensätze allmählich mit sehr vielen der Unicode-Zeichen ausgestattet werden. Bei den standardmäßig mitgelieferten „Arial“ und „Times New Roman“ sind heute verhältnismäßig viele Kodierungen belegt.

Als ersatzweise Hilfskonstruktion kann jedoch mit der Tastenkombination Strg+Shift+Leertaste ein geschütztes Leerzeichen angelegt werden, das anschließend über Einfügen → Schriftart → Zeichenabstand → Skalierung (ältere Word-Versionen) oder durch Markieren des geschützten Leerzeichens und anschließende Wahl von Rechte Maustaste → Schriftart → Skalierung auf eine Breite von 50 % gesetzt wird.

Verwendung unter LaTeX[Bearbeiten]

Mit \, kann ein schmales Leerzeichen in LaTeX eingefügt werden. Es handelt sich hierbei um ein schmales geschütztes Leerzeichen. Der Text kann an dieser Stelle nicht umbrechen, was in den meisten Anwendungsfällen (z. B. Abkürzungen) gewünscht ist.

Beispiel:

\documentclass{article}

\begin{document}
Ein Beispiel sieht z.\,B. so aus.
\end{document}

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Bleisatz wurde ein Spatium verwendet. Die hergebrachten typografischen Regeln hierfür (Spationierung) gelten für das schmale Leerzeichen sinn- und zeitgemäß.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Scholze-Stubenrecht (Red.): Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Mannheim u. a. 2006, ISBN 3-411-04014-9 (Der Duden. Band 1: Buch), Abschnitt „Textverarbeitung und E-Mails“ – enthält auch eine Auswahl aus der DIN 5008. (Hier wird das „Schmale Leerzeichen“ auch unter Festabstände aufgeführt, allerdings nicht scharf vom „geschützten Leerzeichen“ unterschieden.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unicode Line Breaking Algorithm Introduction