Schrittspannung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hier bildet ein am Boden liegendes Leiterseil einen Potentialtrichter aus. Die rote Kurve stellt das elektrische Potential des Erdbodens dar; je höher die Steigung zwischen zwei Punkten dieser Kurve ist, desto größer ist die Spannung zwischen den darüber liegenden Punkten am Erdboden

Als Schrittspannung bezeichnet man die elektrische Spannung zwischen zwei Punkten eines von starkem Strom durchflossenen Bodenbereiches. Der Name beruht auf dem Umstand, dass diese Spannung einen Menschen dann betrifft, wenn er bei einem Schritt den Boden an unterschiedlichen Punkten berührt. Sie kann für Mensch und Tier lebensgefährlich sein.

Eine wesentliche Schrittspannung tritt dort auf, wo ein hoher elektrischer Strom in das Erdreich fließt, was beispielsweise beim Bodeneinschlag eines Blitzes, aber auch beim Erdschluss einer zu Boden gefallenen Freileitung geschieht. Insbesondere bei Hochspannungsleitungen, welche mit Erdschlusskompensation betrieben werden, wird die Leitung bei einem einfachen Erdschluss nicht sofort abgeschaltet, sondern bleibt noch eine Zeitlang unter Spannung.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird ein hoher elektrischer Strom in den Erdboden eingeleitet (bei Blitzeinschlag können es kurzzeitig einige 10.000 Ampere sein), erzeugt dieser Strom nach dem ohmschen Gesetz am elektrischen Widerstand des Erdbodens eine elektrische Spannung. Ein Körper, der im Bereich des stromdurchflossenen Bodens zwei Punkte unterschiedlichen Potentials berührt, überbrückt damit eine Spannung, die einige 1.000 Volt betragen und damit zu einem Stromunfall führen kann. Das vom Einschlagpunkt nach außen gleichmäßig abfallende elektrische Potential stellt man sich modellhaft als so genannten Potentialtrichter vor.

Die Schrittspannung zwischen zwei Berührpunkten hängt ab von:

  • der Stromdichte im Bereich der Berührpunkte (je näher am Einleitungspunkt, desto höher ist die Stromdichte)
  • dem Widerstand des Bodens (je höher der Widerstand, desto höher bei gleichem Stromfluss die daran entstehende [„abfallende“] Spannung)
  • der absolut eingeleiteten Stromstärke
  • Lage und Abstand der Berührpunkte.

Vermeidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgerissene Freileitungen als Folge von Sturmschäden. In der Nähe der Berührungspunkte können am Boden gefährliche Schrittspannungen auftreten.

Die Gefahr einer gefährlichen Durchströmung des Körpers wird weitgehend ausgeschlossen, wenn der Körper den Boden nur an einer einzigen, möglichst kleinen Stelle berührt. Im Bereich eines Potentialtrichters steht man mit geschlossenen Füßen am sichersten. Deshalb sollte man bei Gewitter mit geschlossenen Füßen in die Hocke gehen (um den Blitz nicht selbst anzuziehen), sich aber keinesfalls hinsetzen oder gar hinlegen – dann würde man bei einem nahen Blitzeinschlag eine möglicherweise lebensgefährliche Schrittspannung erfahren.

Das flache Liegen auf dem Boden im Potentialtrichter gilt als noch gefährlicher als breitbeiniges Stehen, da infolge der großflächigen Abdeckung ein guter Kontakt zum Boden besteht und damit ein noch höherer Stromfluss durch den gesamten Körper zu befürchten ist.

Durch die Schrittspannung sind auch Tiere im Freien gefährdet, beispielsweise weidende Kühe, da diese naturgemäß mit vier Beinen und großen Beinabständen am Boden stehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Kiefer: VDE 0100 und die Praxis. 1. Auflage, VDE-Verlag GmbH, Berlin und Offenbach, 1984, ISBN 3-8007-1359-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]