Send (Münster)

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Send

Der Send ist das dreimal jährlich im westfälischen Münster stattfindende Volksfest, das pro Jahr mehr als eine Million Besucher zählt.[1] Auf dem Schlossplatz wird auf rund 40.000 m² im Frühling, im Sommer und im Herbst die größte Kirmes im Münsterland veranstaltet.[1] Es bewerben sich zu jedem Send etwa 1.800 Schaustellerbetriebe.[2] Von den rund 250 Schaustellerbetrieben aus der ganzen Welt, die für jeden Send den Zuschlag erhalten, zählen rund 60 % zur Stammbelegschaft der Standbetreiber.[3][1][4] In Spitzenzeiten wurden 230 Stände gezählt.[5] Neben den Fahrgeschäften findet beim Send der traditionelle „Pottmarkt“ statt, dem in den letzten Jahren eine rückläufige Stellfläche mangels Interesse der Besucher eingeräumt wird.[5] Jeweils freitags wird ein bis zu 18 Minuten dauerndes Höhenfeuerwerk gezündet, dessen Organisation und Bezahlung nach Aussage des Ordnungsamtes von den Schaustellern vorgenommen wird.[1][5] Ein solches Höhenfeuerwerk wurde im Rahmen des Sends erstmals 1968 gezündet.[6]

Sendtermine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den Send aus dem Riesenrad

Der Send findet an drei Terminen pro Jahr statt, die traditionell wie folgt berechnet werden:[7]

  • Frühjahrssend: vom dritten Samstag nach Beginn der Fastenzeit (Aschermittwoch) bis zum vierten Sonntag nach Beginn der Fastenzeit
  • Sommersend: aus Anlass des Patronatsfestes des St.-Paulus-Domes vom Donnerstag vor dem letzten Sonntag im Monat Juni bis zum folgenden Montag
  • Herbstsend: vom Donnerstag vor dem vierten Sonntag im Monat Oktober bis zum folgenden Montag

Von diesen Terminen wurde jedoch seit 2013 aus Marketinggründen häufiger abgewichen, um den Send im Frühjahr zu moderateren Temperaturen stattfinden zu lassen und eine Terminkollision des Sommersends mit den Fußball-Europa- bzw. Fußball-Weltmeisterschaften zu vermeiden.[8][9]

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendschwert

Der Name Send ist von Synode abgeleitet, mit der seit dem 9. Jahrhundert die zweimal jährlich gehaltene Versammlung der Geistlichen und der führenden Vertreter des Bistums bezeichnet wurde. Vermutlich ab dem 11. Jahrhundert schloss sich an die Synode ein Markt an, der sich von dem gewöhnlichen Wochenmarkt für die Stadtbewohner unterschied, denn die Verkaufsbeschränkungen und Privilegien einheimischer Kaufleute und Handwerker wurden für den Sendmarkt aufgehoben. Zu dieser Zeit fand der Send nur zweimal im Jahr statt, nämlich im Frühjahr und im Herbst. Der Sommersend sollte erst im 19. Jahrhundert eingeführt werden. Die erste urkundliche Erwähnung des Send findet sich für das Jahr 1525. Zusätzlich galt zu diesen Zeiten ein besonderer Marktfriede, der eine erhebliche Verschärfung des geltenden Stadtfriedens bedeutete. In Münster wurde bis 1578 jeder Bruch des Marktfriedens, der mit Blutvergießen verbunden war, mit dem Tode bestraft.

Seit dem Herbstsend von 1578 wird in dieser Zeit das sogenannte Sendschwert als Zeichen des tagenden Gerichts am münsterschen Rathaus ausgehängt. In der Herbstsendnacht auf den 24. Oktober 2000 wurde das Sendschwert allerdings entwendet. Bis heute fehlt von dem Original jede Spur. Auf Veranlassung von Oberbürgermeister Berthold Tillmann hängt seit dem Frühjahrssend 2001 wieder eine Rekonstruktion am Rathaus.

Traditionell wurde der Send auf dem Domplatz veranstaltet, wo er die Vorteile der Domfreiheit besaß. Allerdings wurden die Geschäfte auch außerhalb des eigentlichen Marktplatzes abgewickelt, zum Beispiel auf dem angrenzenden Prinzipalmarkt. Erst im Jahre 1855 wurde vertraglich festgesetzt, dass die Händler, Kaufleute und Schausteller wegen des verursachten Lärms nicht mehr auf dem Domplatz geduldet würden. Der Send wurde aufgeteilt und der Viehmarkt zog auf den zu jener Zeit noch als Neuplatz bezeichneten Schlossplatz, die Karussells wurden vor der Aegidiikaserne aufgestellt.[10] Erst im Jahre 1916 sollten beide Teile wiedervereinigt werden und fanden seitdem bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 auf dem Neuplatz statt.[10] Nach dem Ende des Krieges wurde im Jahre 1947 als Ersatz ein Lunapark veranstaltet. Als Austragungsort wählte man den Servatiiplatz. Bereits ein Jahr später fand wieder der Send statt, allerdings bis zum Jahr 1951 erneut auf dem Domplatz, da der Neuplatz, bzw. seit 1928 Hindenburgplatz, noch mit Trümmern belegt war. Seitdem ist der Austragungsort des Sends wieder die seit 2012 Schlossplatz genannte Fläche.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Stadt Münster: Münsters größtes Volksfest
  2. Münstersche Zeitung, 15. März 2012
  3. Westfälische Nachrichten: Neue Send-Attraktion: „Voodoo-Jumper“ erstmals auf dem Schlossplatz, Münster, Caroline Hube, 18. Juni 2012
  4. Westfälische Nachrichten: Herbstzeit ist Sendzeit: Schausteller bauen ihre Fahrgeschäfte auf, Meike Lorenzen, 18. Oktober 2011
  5. a b c Westfälische Nachrichten: Herbstsend-Auftakt am Donnerstag: Attraktiver Nervenkitzel und mehr, Münster, Dirk Anger, 19. Oktober 2011
  6. Ultimo: Ein wildes Jahr: „Münster 1968“ im Stadtmuseum – Sixties revisited, ek, Nr. 26/17–2/18, 18. Dezember 2017 – 21. Januar 2018, S. 4f.
  7. Stadt Münster: Berechnungsgrundlage der Sendzeiten (Memento vom 17. Mai 2013 im Internet Archive)
  8. Westfälische Nachrichten: Herbstsend dauert erstmals 9 Tage: Schausteller feilen an neuer Struktur, Münster, Ralf Repöhler, 19. Oktober 2013
  9. Westfälische Nachrichten: Beste Bedingungen: Send ist eröffnet, Klaus Möllers, 18. April 2015
  10. a b Westfälische Nachrichten: Bis 1939 drehten sich Karussells vor der Kaserne, Münster, 25. April 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Send (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien