Sensomotorische Einlagen

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Eine sensomotorische Einlage ist auch unter dem Namen propriozeptive Einlage oder afferenzstimulierende Einlage bekannt. Bei dieser speziellen Einlage wird die Biomechanik des Körpers durch gezielt eingesetzte sensorische Impulse unterstützt. Dabei soll die Aktivität einzelner Muskeln oder Muskelgruppen beim Gehen, Laufen oder Stehen zielgerichtet verändert werden, indem die Muskelspannung erhöht (tonisiert) oder vermindert (detonisiert) wird. Die Wirksamkeit ist derzeit nur in Teilen und für manche Fertigungskonzepte belegt, wenngleich es wohl eine Vielzahl von subjektiven Erfolgen in der Behandlung von orthopädischen Fehlstellungen und Ungleichgewichten gibt.[1] Eine Schwierigkeit liegt darin, dass unter den genannten Oberbegriffen eine Vielzahl an unterschiedlichen Einlagenkonzepten subsumiert werden, die sich in der Art der handwerklichen Fertigung und in der postulierten Wirkungsweise unterscheiden.

Typische Einsatzgebiete sensomotorischer Einlagen sind beispielsweise:

  • Lähmungen oder Spastik
  • Rotationsfehlstellungen der Beine
  • Fußfehlstellungen wie Spitzfuß, Senkfuß, Knickfuß und Klumpfuß
  • Zehenfehlstellungen
  • Achillessehnenbeschwerden
  • Fersenspornprobleme
  • Zehenspitzengang
  • Kniebeschwerden
  • Rückenbeschwerden

Wirksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Studie vom März 2013 hat den Einfluss einer Einlage mit einem speziell ausgeformten sensomotorischem Element auf die Aktivität des M. peroneus longus in der Standphase untersucht und kommt zu dem Schluss, „dass eine schrittphasenabhängige Erhöhung der Aktivität des M. peroneus longus durch ein lateral druckerzeugendes Einlagenelement möglich ist. Dies eröffnet interessante therapeutische Ansatzpunkte bei Patienten mit Instabilität der Sprunggelenke oder Fußfehlformen, die zu einer verstärkten Supination tendieren und könnte bisherige konservative Ansätze ergänzen“.[2][3]

Der Beratungsausschuss der der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) für die Orthopädieschuhtechnik hat 2016 in einer Metaliteraturanalyse den Effekt einer Stimulation des Fußes mit Auswirkungen auf Muskel- und Gangaktivitäten nachweisen können. Als mögliche Wirkansätze konnten festgestellt werden: Tonusänderungen der Muskulatur, Änderungen von Gelenkstellungen, Entlastungen in bestimmten Bereichen und Reaktionen durch Periostreizungen. Sensomotorische Einlagen können daher bei der Therapie verschiedener orthopädischer Erkrankungsbilder eine Rolle spielen, z. B. beim Knick-Senk-Fuß des Kindes oder bei Erwachsenen. Die Evidenz zur Wirksamkeit dieser Versorgung ist noch spärlich und bedarf enger therapeutischer Begleitung.[4]

Die Leitlinie „Kindlicher Knick-Senk-Fuß“, 2017 unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) verabschiedet, gibt im Rahmen der konservativen Behandlung des kindlichen Knick-Senk-Fußes als starke Empfehlung vor, sensomotorische Einlagen/Fußorthesen wegen ihrer propriozeptiven Stimulation zu bevorzugen. Dies setzt aber ein reaktionsfähiges Nerven-, Muskel- und Skelettsystem voraus.[5]

Ranker stellt fest, dass bei geeigneter Fertigungstechnik (ausreichend hohe Pelotten) und in Kombination mit einem propriozeptiven Training die Einlagen zumindest eine positive Wirkung auf die Sensomotorik und die posturale Kontrolle haben können.[6]

Weitere Studien

  • Akute Effekte einer sensomotorischen Einlegesohle auf Haltungskennziffern des Achsskeletts.[7]
  • U. Hafkemeyer, D. Poppenborg, C. Müller-Hliemann: Afferenzverstärkende Einlagen zur Therapie des funktionellen spastischen Spitzfußes. Sonderheft „Einlagen“, Orthopädieschuhtechnik 5/2004, S. 64–65.
  • U. Hafkemeyer, D. Poppenborg, B. Drerup, M. Möller, H. H. Wetz: Improvements of Gait in paraplegic patients using proprioceptive insoles. Gait and Posture. Vol. 16, Supplement 1, 2002, S. 157–158.
  • O. Ludwig, R. Quadflieg, M. Koch: Sensori-motor insoles may increase peroneus longus activity during stance phase of human gait. In: Br. J. Sports Med. (47), 2013, S. e3–e3. doi:10.1136/bjsports-2013-092558.95
  • M. Janin: Treatment of Nociceptive Capacity of Plantar Irritating Stimulus by Sensorimotor Orthoses improves postural performances and balance. In: Foot and Ankle Surgery, 2016 S. 18. doi:10.1016/j.fas.2016.05.032
  • C. Schulze, K. Liebau, A. Schmitt, S. Fröhlich, W. Mittelmeier: Einfluss von sensomotorischer Fußorthesen und Einlagen auf Kennmuskeln der unteren Extremität bei kindlichem Knick-Senkfuß. In: Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2018). Berlin, 23.-26.10.2018. German Medical Science GMS Publishing House; 2018. doi: 10.3205/18dkou688

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erstellung von sensomotorischen Einlagen gibt es verschiedene herstellerspezifische Methoden u. a.:

  • MBI / mind body insole
  • Derks-Methode
  • Jahrling (nach Lothar Jahrling)
  • Nancy Hylton
  • Woltring / Springer
  • Pfaff
  • Sensoped

Die MBI Methode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MBI Methode beruht auf Standards und festen Strukturen von der Messung der Füße mit einem 2 D Scan, über die Analyse des Gang- und Laufbildes sowie den Produktionsprozess. In einer Dissertation wurde diese Einlagentechnik in Bezug auf eine positive Wirkungsweise in einigen Bereichen als statistisch signifikant eingestuft.[8]

Die Derks-Methode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Derks-Methode[9] ist eine geschützte Methode in der Podologie. Die Therapie basiert auf einer Rechenmethode für die Erstellung von Einlagen. Eingangsvariablen sind dynamische Fußabdrücke und Fußdruckmessungen. Begründer ist der Niederländer K. Derks. Eine häufig angeführte wissenschaftliche Studie, welche die Wirksamkeit dieser Methode belegen soll, ist im Internet nicht zur Bewertung verfügbar.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beitrag zum Thema Fußprobleme und sensomotorische Einlagen. (Memento vom 20. Mai 2019 im Internet Archive) Bayerisches Fernsehen
  2. Oliver Ludwig, Roman Quadflieg, Michael Koch: Einfluss einer sensomotorischen Einlage auf die Aktivität des m. peroneus longus in der Standphase. (Memento vom 27. November 2014 im Internet Archive; PDF; 379 kB) In: Dtsch Z Sportmed. 64(3), 2013, S. 77–82.
  3. O. Ludwig, J. Kelm, M. Fröhlich: The influence of insoles with a peroneal pressure point on the elecromyographic activity of tibialis anterior and peroneus longus during gait. In: Journal of Foot and Ankle Research, 2016, 9:33. doi:10.1186/s13047-0160-0162-5
  4. Stellungnahme zu sensomotorisch wirkenden Fußorthesen (SMFO). (PDF) In: Medizin&Technik 4/2016, S. 26–32.
  5. DGOOC Leitlinie Kindlicher Knick-Senk-Fuß". auf awmf.org
  6. A. Ranker: Sensomotorische Schuheinlagen – Wirkprinzipien und Evidenz. In: manuelle therapie 24(04):168-172. Abgerufen am 17. Februar 2021.
  7. Jan Schröder, Meike Gerkens, Rüdiger Reer, Klaus Mattes: Akute Effekte einer sensomotorischen Einlegesohle auf Haltungskennziffern des Achsskeletts. (Memento vom 23. April 2013 im Internet Archive; PDF; 290 kB) 2010
  8. D. Warrelmann: Dissertation über sensomotorische Einlagen. Abgerufen am 19. Dezember 2020.
  9. Die podologische Rechenmethode Derks ist urheberrechtlich geschützt und das Fundament der Podologie Methode Derks! auf podologen.at
  10. Marcel Maetzler, Thomas Bochdansky, Rami J Abboud: Accuracy and Repeatability of a semi-quantitative barefoot pressure measurement method for clinical use: The Derks Calculation Method. Gait & Posture Netherlands NL.