Septizodium

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Septizonium des Septimius Severus, Kupferstich von 1582

Das Septizodium oder Septizonium war eine monumentale Brunnenanlage in Rom. Es wurde im Jahr 203 n. Chr. von Kaiser Septimius Severus errichtet.

Septizodium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das New Topographical Dictionary of Ancient Rome macht deutlich, dass das „Septizodium“ ein ausgeklügeltes Wasserspiel ohne Räume oder Dach war: „Die oberen Stockwerke können nur mit Leitern betreten werden, und hinter dieser Fassade gibt es keinerlei Anzeichen für ein Gebäude.“ Im Mittelalter gehörte das Septizodium zum Palazzo del Settizonio der Familie Frangipani. Nach schweren Beschädigungen – unter anderem wahrscheinlich durch die Truppen Karls V. beim Sacco di Roma 1527 – wurde das Bauwerk unter Papst Sixtus V. 1588/89 abgerissen.

Das Septizodium befand sich an der Stelle, wo die Via Appia am Fuß des Palatin entlangführt. Es handelte sich um ein monumentales, wahrscheinlich dreistöckiges Fassadennymphäum, das mit zahlreichen Statuen geschmückt war. Sein Grundriss ist auch auf der Forma Urbis Romae dargestellt, einem monumentalen Stadtplan Roms, der im Templum Pacis aufbewahrt wurde.

Septasolium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Papstwahl 1241 wurden die Kardinäle, unfähig, einen Konsens zu erreichen, in einem Kloster namens Septasolium eingesperrt. In mittelalterlichen und modernen Erzählungen wurde das Wort in Septizodium korrumpiert.

Die Saepta Solis ("Bezirk der Sonne") in der Nähe des Clivus Scauri ist ein antiker Komplex, der in ein Kloster umgewandelt worden war. Ein Hinweis darauf, was mit Saepta Solis gemeint ist, ist durch eine Unterschrift des neu geschaffenen Kardinals Silvius, ca. 1130 gegeben: Silvius diac. S. Luciae iuxta Heligabalum[1]. Heliogabalus, ebenfalls ein römischer Kaiser des frühen 3. Jahrhunderts (er regierte 218–222), hatte den Bezirk der Sonne (Saepta Solis) gebaut, nicht weit vom Septizodium entfernt, am Fuß einer Straße namens Clivus Scauri.

1119 sperrte Papst Calixt II. seinen unterlegenen Gegner, Gregor VIII. im Septasolium ein,[2] 1152 unterzeichnete ein Kardinal mit Radulfus, diaconus card. Sanctae Luciae in Septa solis, und 1201 ein Kardinal mit Leo sce. Lucie ad Septa solis diac. card.[3]

Es war in der Saepta Solis oder dem Septasolium und nicht das Septizodium, wo die Papstwahl 1198[4], die Papstwahl 1227 und vor allem die Papstwahl 1241 stattfanden. Nachdem die Kardinäle sich 1198 und 1227 aus eigenem Entschluss dort versammelt hatten, wurden sie 1241 von Senator Matteo Rosso Orsini, dem Vater des späteren Papstes Nikolaus III.[5] dort festgesetzt.[6] Die Bedingungen der Wahl wurden von einem zeitgenössischen Autor, der den Orsini feindlich gegenüberstand, als stressig empfunden, zumal der Urin von Orsinis Wachen auf dem Dach zusammen mit dem Regen in die Wahlkammer drang.[7] Die erzwungene Klausur in der Saepta Solis fand tatsächlich nur während der letzten zwei Wochen der Wahl statt.

Nach dem Septasolium war die Kirche Santa Lucia in Settizodio (italienisch) bzw. Sancta Lucia in Septa Solis (lateinisch) benannt, die im unmittelbar benachbarten Ostteil des Circus Maximus eingebaut war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Dombart: Das palatinische Septizonium zu Rom. Beck, München 1922
  • C. Gorrie, The Septizodium of Septimius Severus revisited. The monument in its historical and urban context, Latomus 60 (2001) S. 653–670.
  • Karl Hampe: Ein ungedruckter Bericht über das Konklave von 1241 im römischen Septizonium. (= Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse; Jg. 1913, Abh. 1). Winter, Heidelberg 1913
  • Christian Hülsen: Das Septizonium des Septimius Severus. 46. Programm zum Winkelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin, 1886, S. 1–36
  • Susann S. Lusnia, Urban Planning and Sculptural Display in Severan Rome: Reconstructing the Septizodium and Its Role in Dynastic Politics, American Journal of Archaeology 108 (2004) S. 517–544.
  • Lawrence Richardson Jr. (Hrsg.), The New Topographical Dictionary of Ancient Rome, Baltimore 1992, S. 349–350

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Matthias Watterich, Pontificum Romanorum Vitae II, 1862, S. 185
  2. Johannes Laudage: Rom und das Papsttum im frühen 12. Jahrhundert. In: Klaus Herbers (Hrsg.): Europa an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Beiträge zu Ehren von Werner Goez. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07752-9, S, 23–53, hier S. 34.
  3. Siehe: The Septasolium (Saepta Solis)
  4. Giovanni Benedetto Mittarelli, Anselmo Costadoni, Annales Camaldulenses ordino Sancti Benedicti, Band IV, 1759, S. 168: "Defuncto Coelestino III. Romano pontifice die octava januarii hujus anni vel melius septima, cum quidam cardinalium se contulissent ad Septasolium monasterii Clivi-scauri, ut liberius et securius ibi possent de successoris electione tractare…"
  5. Augustin Demski, Papst Nikolaus III. Eine Monographie, Münster 1903, S. 2–5, Richard Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaëtan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244-1277, Berlin, 1905, S. 1–7
  6. [1] Richard von San Germano: „Eodem mense Augusti iussu imperatoris vastatores de regno aput Insulam pontis solarati et aput Sanctum Iohannem de Incarico, ut intrent Campaniam congregantur. Cardinales qui in Urbe ad papae electionem convenerant, per senatorem et Romanos apud Septisolium includuntur, ut ad creandum papam inviti procedant.“ – „Im selben Monat August, während auf Befehl des Kaisers die Verwüster aus seinem Königreich, bei Insula Pontis Solarati [heute Isoletta] und bei San Giovanni Incarico [beide in der Provinz Frosinone], versammelt waren, um nach Kampanien einzudringen. Die Kardinäle, die in Rom für die Papstwahlen versammelt waren, wurden von den Senatoren und den Römern im Septasolium eingeschlossen, damit sie, selbst unwillig, einen Papst wählen könnten“; für eine Bewertung von Richard von San Germano, siehe Karla Mallette, The Kingdom of Sicily, 1100-1250: A Literary History, Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 2011), insb. S. 45–54
  7. David Abulafia, Frederick II: A Medieval Emperor, 1988, S. 350, basierend auf Hampe, 1913

Koordinaten: 41° 53′ 8,3″ N, 12° 29′ 19,4″ O