Orsini

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Orsini (Begriffsklärung) aufgeführt.
Familienwappen der Orsini

Die Orsini sind eine weit verzweigte römische Adelsfamilie, die vom römischen Geschlecht der Bobonen abstammte und zwischen 1100 und 1900 maßgeblichen Anteil an der italienischen Geschichte hatte. Aus der Familie Orsini kamen drei Päpste, 24 Kardinäle und zahlreiche andere hohe kirchliche Würdenträger sowie weltliche Fürsten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Orsini tauchen mit dem Namen eines Familienmitgliedes Ursus erstmals im späten 12. Jahrhundert auf und erscheinen seitdem unter den bedeutenden römischen Adelsfamilien. Napoleone Orsini erwarb 1246 ein Areal auf einem Hügel gegenüber der Engelsburg, dem Monte Giordano, und legte einen Burgpalast an (im 19. Jhdt. vom Palazzo Taverna überbaut). Sein Bruder Matteo Rosso Orsini (1178–1246) erwarb große Besitzungen zwischen Rom und Siena, die den Kern der Familienbesitzungen von Mugnano, Bracciano und Monterotondo bildeten. Im stadtrömischen Bezirk des Campo Marzio wohnten die Orsini in zahlreichen, auf antiken Monumenten aufgetürmten Palästen.

Im 12./13. Jahrhundert standen die Orsini dem Franziskanerorden nahe. Matteo Rosso Orsini war mit Franz von Assisi befreundet und wurde franziskanischer Tertiar. Sein Sohn Giovanni Gaetano Orsini war als Kardinal 1263 bis zu seiner Wahl zum Papst 1275 Protektor des Franziskanerordens, als Nikolaus III. gab er eine Auslegung der franziskanischen Armutsregel usus pauper, die umstritten war. Ein Neffe des Matteo Rosso Orsini, Kardinal Matteo Rubeo Orsini, war ebenfalls Protektor der Franziskaner.

Seit dem Pontifikat des Hyacinto Bobo als Coelestin III. (1191–1198) kämpfte die Familie der Bobonen als Vertreter der Guelfenpartei lange Zeit erbittert mit den ghibellinischen Colonna um die herrschende Stellung in Rom. Matteo Rosso Orsini ließ in seinem Amte als Senator Roms 1241 nach dem Tod von Papst Gregor IX. die Kardinäle zur Wahl des Nachfolgers im Palazzo del Settizonio am Südhang des Palatin einschließen, so dass diese Wahl zum ersten Konklave bei einer Papstwahl wurde.

Im Gefolge des Vierten Kreuzzugs erlangten Mitglieder der Familie auch Besitzungen in Griechenland. Sie gründeten mit Hilfe der Venezianer die Pfalzgrafschaft von Kefalonia. 1318 konnte Nicola Orsini die Herrschaft über das freilich schon sehr verkleinerte Despotat Epirus erlangen.

Vom zweiten Sohn des Matteo Rosso II. Orsini († nach 1282), Napoleone, Herr von Pitigliano, stammten alle späteren Hauptlinien dieser Familie ab. Ein Giovanni Orsini war mit Sciarra Colonna nach Cola di Rienzos Sturz Senator von Rom; dessen vierter Sohn, Francesco Orsini, war seit 1417 Graf und 1436 Herzog von Gravina. Er wurde damit Stammvater der heute allein noch blühenden Linie der Herzöge von Gravina.

Von 1500 bis 1958 teilten die Orsini mit den Colonna die Würde eines Assistierenden Fürsten des päpstlichen Stuhles (principe assistente al soglio pontificio), die seit 1735 erblich war. Im 16. Jahrhundert schlossen sie einige Ehebündnisse mit der Familie Papst Pauls III., den Farnese.

Die Linie der Herren von Bracciano erhielt 1560 in der Person von Paolo Giordano I. den päpstlichen Herzogstitel und endete mit Flavio Orsini, dem fünften Herzog, der zugleich Fürst von Nerola, Herzog von San Gemini, Marchese von Anguillara und Grande von Spanien erster Klasse sowie Reichsfürst war, im April 1698. Dieser war zuvor schon gezwungen gewesen, die wichtigsten seiner Besitzungen wegen seiner exorbitanten Schulden zu verkaufen.

Die Orsini wurden 1625 mit Paolo Giordano II. von Bracciano Reichsfürsten mit dem Anredetitel Illustrissimus und dem Münzrecht. Nach dem Aussterben dieser Linie wurde Ferdinando Bernaldo Filippo, 14. Herzog von Gravina, 5.Fürst von Solofra und 2. Fürst von Vallata, im Jahre 1724 von Kaiser Karl VI. zum Reichsfürsten mit dem Anredetitel Celsissimus ernannt.

Seit 1854 führte der Erstgeborene der Linie Gravina den Titel eines Principe romano mit dem ererbten Vorrecht, als „Weltlicher Thronassistent“ in der Papstmesse zu assistieren.

Päpste[Bearbeiten]

Drei Päpste stammten aus der Familie Orsini:

  • Coelestin III. (* etwa 1106 als Giacinto Bobone, Jacinto Bobo oder Hyacinto Bobo; † 1198), von 1191 bis 1198 Papst
  • Nikolaus III. (geboren als Giovanni Gaetano Orsini; * zwischen 1210 und 1220, † 1280), von 1277 bis 1280 Papst
  • Benedikt XIII. (Geburtsname Pietro Francesco Orsini; * 1649, † 1730), von 1724 bis 1730 Papst. Er war zuvor im weltlichen Leben bis zu seinem Verzicht 1668 12. Herzog von Gravina und 3. Fürst von Solofra und Galluccio gewesen.

Außerdem stammten aus der Familie mehrere Kardinäle und einige Heilige.

Die Orsini gehören, neben ihren historischen Rivalen aus dem Hause Colonna, sowie den Familien Aldobrandini, Borghese, Barberini, Caetani, Chigi, Doria Pamphilj, Lante della Rovere, Massimo, Odescalchi, Pallavicini, Riario Sforza, Ruspoli und Torlonia bis heute zu den bekanntesten noch existierenden Fürstenhäusern des stadtrömischen Hochadels.

Pfalzgrafen von Kephalonia und Despoten von Epirus[Bearbeiten]

Die Burg Kastro Agiou Georgiou auf Kefalonia

Fürsten von Tarent[Bearbeiten]

Die Könige von Neapel machten Mitglieder der Familie Orsini del Balzo zeitweise zu Fürsten von Tarent:

Herzöge von Gravina[Bearbeiten]

Fürstliches Wappen der Orsini di Gravina
  • Francesco Orsini († 1456), Conte di Gravina e Campagna, seit 1436 Duca di Gravina, Sohn von Giovanni Orsini († 1439), römischer Senator
  • Giacomo Orsini, dessen Sohn, genannt Jacobello († 1472), 1456 2. Duca di Gravina, Conte di Campagna, Schwiegervater von Lorenzo I. de’ Medici
  • Raimondo Orsini, dessen Sohn, 3. Duca di Gravina
  • Francesco Orsini, dessen Sohn, 4. Duca di Gravina, von Cesare Borgia am 18. Januar 1503 erdrosselt.
  • Don Ferdinando I. Orsini († 1549), dessen Sohn, 5. Duca di Gravina
  • Don Antonio Orsini († 1553), dessen Sohn, 6. Duca di Gravina
  • Don Ferdinando II. Orsini (1538–1583), dessen Sohn, 7. Duca di Gravina
  • Don Michele Antonio I Orsini († 1627), dessen Sohn, 8. Duca di Gravina
  • Donna Felice Maria Orsini († 1647), dessen Schwester, 9. Duchessa di Gravina; verzichtet auf den Titel zugunsten und verkauft das Lehen und die Stadt Gravina 1639 an
  • Don Pietro Francesco Orsini († 1641), genannt Ducapatre, 10. Duca di Gravina, Neffe des Kardinals Flavio Orsini,
  • Don Ferdinando III. Orsini (1623–1658), dessen Sohn, 11. Duca di Gravina, 2. Principe di Solofra und Graf von Muro Lucano
  • Don Pietro Francesco Orsini (1649–1730), dessen Sohn, 12. Duca di Gravina etc., 1724 als Benedikt XIII. Papst
  • Don Domenico I. Orsini (1652–1705), dessen Bruder, seit 1667 13. Duca di Gravina
  • Don Ferdinando Bernualdo Filippo Orsini (1685–1734), dessen Sohn, 14. Duca di Gravina, 1724 Fürst von Roccagorga, Reichsfürst mit dem Prädikat Durchlaucht („Celsissimus“)
  • Don Domenico II. Orsini (1719–1789), 15. Duca di Gravina etc.; er trat in den geistlichen Stand und verzichtete deshalb 1760 auf Titel und Herrschaft zugunsten seines Sohnes
  • Don Filippo Bernualdo Orsini (1742–1824), 16./17. Duca di Gravina, 7. Principe di Solofra (Die Zählung variiert seit der Mitte des 18. Jahrhunderts). Da sein Sohn Domenico Orsini (* 1765) schon 1790 verstarb, folgte ihm sein Enkel
  • Don Domenico Orsini (1790–1874), als 17./18 Duca di Gravina, seit 1854 römischer Fürst (Principe romano),
  • Don Filippo Orsini (1842–1924), dessen Sohn, 18./19. Duca di Gravina, 6. römischer Fürst
  • Don Domenico Napoleone Orsini (1868–1947), dessen Sohn, 19./20. Duca di Gravina, 10. Principe di Solofra, 9. Principe di Vallata, 6. Principe di Roccagorga
  • Virginio Orsini (1892–1942), [21. Duca di Gravina etc.]
  • Filippo Orsini (1920–1984), dessen Sohn, [22. Duca di Gravina etc.]
  • Domenico Napoleone Orsini (* 1948), dessen Sohn, [23. Duca di Gravina, 13. Principe di Solofra, 12. Principe di Vallata, 9. Principe di Roccagorga]

Herzöge von Bracciano[Bearbeiten]

Die Linie erlosch mit seinem Tod.

Sonstige Familienmitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Raffaello Morghen: Orsini. In: Enciclopedia Italiana, Band 25, Rom 1935 (online bei treccani.it)
  • Johann Peter KirschOrsini. In: Catholic Encyclopedia, Band 11, Robert Appleton Company, New York 1911 (englisch).
  • Gustavo Brigante Colonna: Gli Orsini, Mailand 1955.
  • Michael Packe: Orsini, Boston 1957.
  • Giuseppe Marchetti-Longhi: I Boveschi e gli Orsini, Rom 1960.
  • Vincenzo Celletti: Gli Orsini di Bracciano, Rom 1963.
  • Anna Cavallaro u. a. (Hg.): Bracciano e gli Orsini nel '400, Rom 1981.
  • Horst Bredekamp: Vicino Orsini und der heilige Wald von Bomarzo, Worms 1985. ISBN 3-88462-026-6.
  • Marco Venditelli: Orsini, in: Volker Reinhardt (Hg.): Die großen Familien Italiens, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-48501-X, S. 389-401.
  • Franca Allegrezza: Organizzazione del potere e dinamiche familiari. Gli Orsini dal Duecento agli inizi del Quattrocento, Rom 1998.
  • Benedetto Vetere: Giovanni Antonio Orsini del Balzo. il principe e la corte alla vigilia della "congiura" (1463); il Registro 244 della Camera della Sommaria, Rom 2011. ISBN 978-88-89190-83-8.
  • Orietta Filippini: Benedetto XIII (1724-1730). un papa del settecento seconco il giudizio dei contemporanei, Stuttgart 2012. ISBN 978-3-7772-1211-1.
  • Barbara Furlotti: A Renaissance Baron and His Possessions. Paolo Giordano I Orsini, Duke of Bracciano (1541 - 1585), Turnhout 2012. ISBN 978-2-503-53474-9.
  • Luciana Petracca - Benedetto Vetere (Hg.): Un principato territoriale nel regno di Napoli? Gli Orsini del Balzo principi di Taranto (1399-1463), Rom 2013. ISBN 978-88-98079-03-2.
  • Pierre de Filippis: Bomarzo. il sacro bosco, Paris 2014. ISBN 978-2-84138-704-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orsini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien