Shanghailänder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Shanghailänder, auf Englisch auch Shanghighlander (Wortspiel mit „Highlander“, engl.: „Hochlandbewohner“), nannten sich die meist aus westlichen Ländern stammenden ausländischen Bewohner Shanghais, die etwa von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1950 in exterritorialen Zonen lebten. Der chinesische Anteil der Bevölkerung wurde demgegenüber Shanghainesen genannt. Es gab es zwei Zonen in Shanghai, das sogenannte internationale Settlement und die französische Konzession. Im Settlement lebten im Jahre 1930 971.397 registrierte Chinesen und 36.471 Ausländer. In der Konzession lebten 434.885 Chinesen und 36.471 Ausländer. [1]

Während des Zweiten Weltkrieges waren diese exterritorialen Zonen der einzige Ort, an dem Juden ohne Visum einreisen konnten. Deshalb bildete sich dort bald eine Gruppe von etwa 20.000[2] Juden, davon ca. 14.000 aus Deutschland und 3000 aus Österreich, die aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten hatten fliehen können, jedoch nirgend sonst eine Zufluchtsstätte finden konnten. Sie lebten im Shanghaier Ghetto und nach Ende des Zweiten Weltkrieges reisten die meisten wieder aus Shanghai aus. Die Mehrzahl der Überlebenden zog in die Vereinigten Staaten oder nach Israel.[3]

Im Herbst 1997 trafen sich ehemalige Shanghailänder zu einem Symposium des gemeinsamen Erinnerns in der Berliner Wannsee-Villa, an jenem Ort, wo am 20. Januar 1942 auf der sogenannten Wannseekonferenz die Ausrottung ihrer Familien beschlossen wurde. Unter den Teilnehmern waren Fred Freud, Günter Nobel, Egon Kornblum und Sonja Mühlberger.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Buxbaum, Armin Berg Gesellschaft: Transit Shanghai: ein Leben im Exil.. Edition Steinbauer, 12 December 2008, ISBN 978-3-902494-33-7., S. 31
  2. Die unterschiedlichen Quellen verweisen auf 10.000 bis 30.000 Flüchtlinge aus Europa, die in Shanghai Zuflucht fanden.
  3. Frank Junghänel, Vor 50 Jahren sind 295 jüdische Emigranten aus ihrem Exil in Shanghai nach Berlin zurückgekehrt jetzt gab es ein Wiedersehen der "Schanghailänder", Berliner Zeitung, 23. August 1997. Abgerufen am 6. September 2016.
  4. Wiedersehen der „Shanghailänder“ In: Berliner Zeitung, 23. August 1997