Si vis pacem para bellum

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Si vis pacem para bellum ist ein lateinisches Sprichwort.[1] Wörtlich übersetzt lautet es: „Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“ In anderen Sprachen mit bestimmtem Artikel sind Übersetzungen mit oder ohne Artikel möglich, da es im Lateinischen keinen Artikel gab. Andere, freiere Übersetzungsversionen sind: „Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.“[2] oder „Wer den Frieden sucht, bereite den Krieg (vor).“

Die Grundidee findet sich schon bei Platon (Nomoi / Gesetze VIII) [829 St.2 A]:

Die vornehmste Grundlage eines glückseligen Lebens aber ist dies, dass man weder Unrecht tut noch von anderen Unrecht erleidet. Hiervon ist nun das Erstere nicht so gar schwer zu erreichen, wohl aber so viel Macht zu erwerben, dass man sich gegen jedes Unrecht zu sichern vermag, und es ist unmöglich auf eine andere Weise vollkommen zu derselben zu gelangen als dadurch, dass man selber vollkommen tüchtig dasteht. Und ebenso ergeht es auch einem Staate, ist er tüchtig, so wird ihm ein friedliches Leben zuteil, ist er es nicht, so bedrängt ihn Fehde von innen und außen.

Steht es aber so damit, so muss sich jeder nicht erst im Kriege, sondern schon in Friedenszeiten auf den Krieg einüben, und darum muss eine verständige Bürgerschaft in jedem Monat nicht weniger als einen Tag Kriegsdienste tun, wohl aber noch mehrere, wenn es den Behörden nötig erscheint, und dabei weder Frost noch Hitze scheuen.[3]

Das Sprichwort bezeichnet auch die Quintessenz der 7. Philippica, einer nach allen Regeln der Rhetorik gehaltenen Grundsatzrede von Marcus Tullius Cicero Mitte Januar 43 v. Chr. vor dem römischen Senat. Darin stellt er sich zunächst als Anwalt des Friedens vor. Anschließend legt er dar, warum ein Friede mit Marcus Antonius erstens schimpflich, zweitens gefährlich und drittens unmöglich sei.[2]

Außerdem kommt sie bei Ciceros Zeitgenossen Cornelius Nepos vor (Epaminondas 5, 4).[4] Am nächsten kommt dem Satz der römische Militärschriftsteller Flavius Vegetius Renatus (um 400 n. Chr.) im Vorwort zu Buch III seines De re militari[5]:

„Qui desiderat pacem, bellum praeparat“

„Wer (den) Frieden wünscht, bereitet (den) Krieg vor.“

Weiter ausgeführt ist der Gedanke bei Augustinus (De civitate Dei XIX, 12). Aufgenommen wird er u. a von Johannes von Salisbury und Sedulius Scottus. Auch im Ritterspiegel von Johannes Rothe wird er behandelt und Renatus mehrfach zitiert.[6]

In der Moderne entstand aus dem Spruch das waffentechnische Warenzeichen Parabellum.[7]

Die Umkehrung des Satzes in si vis pacem para pacem taucht in einem friedenswissenschaftlichen Zusammenhang erstmals als "if you wish for peace, prepare for peace" bei John Nobel (Arbitration and a congress of nations as a substitute for war in the settlement of international disputes) 1863 auf. Sie beschreibt die Entwicklung zeitgemäßer Friedenskonzepte[8]:

Friede sowohl in inner- als auch in zwischenstaatlicher Hinsicht sollte verstanden werden als ein gewaltfreier und auf die Verhütung von Gewaltanwendung gerichteter politischer Prozeß, in dem durch Verständigungen und Kompromisse solche Bedingungen des Zusammenlebens von gesellschaftlichen Gruppen bzw. von Staaten und Völkern geschaffen werden, die nicht ihre Existenz gefährden und nicht das Gerechtigkeitsempfinden oder die Lebensinteressen einzelner oder mehrerer von ihnen so schwerwiegend verletzen, daß sie nach Erschöpfung aller friedlichen Abhilfeverfahren Gewalt anwenden zu müssen glauben. Um Frieden zu erreichen, sind deshalb anhaltende Bemühungen um Rechtsstaatlichkeit, Erwartungsverläßlichkeit, ökonomischen Ausgleich und Empathie erforderlich.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Benfield Harbottle: Dictionary of Quotations Latin. Macmillan, New York 1909
  2. a b Wilfried Stroh: Cicero. Redner, Staatsmann, Philosoph (= Beck'sche Reihe. Bd. 2440). Beck, München 2008, S. 114
  3. Übersetzung: Franz Susemihl. in: Platons Werke, vierte Gruppe, neuntes bis fünfzehntes Bändchen, Stuttgart 1863, PDF-Dokument
  4. G.Gottwein, E.Gottwein: Cornelius Nepos: Epameinondas. Abgerufen am 5. Februar 2018 (Latein).
  5. Carl Lang (Hrsg.): Flavius Vegetius Renatus: Epitoma rei militaris. Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana, B. G. Teubner, Oxford 1885, S. 65, 9
  6. Johannes Rothe: Der Ritterspiegel. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Christoph Huber und Pamela Kalning. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020819-1
  7. Boris Paraschkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur. Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017470-7
  8. Peter Imbusch, Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung mit Quellen. (Friedens- und Konfliktforschung Bd. 1.), Springer-Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-97349-8
  9. Dieter Senghaas, zitiert nach: Peter Imbusch, Ralf Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung: Eine Einführung mit Quellen. (Friedens- und Konfliktforschung Bd. 1.), Springer-Verlag, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-322-97349-8