Siccobaccatus

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Siccobaccatus
Siccobaccatus estevesii im Habitat

Siccobaccatus estevesii im Habitat

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kakteengewächse (Cactaceae)
Unterfamilie: Cactoideae
Tribus: Cereeae
Gattung: Siccobaccatus
Wissenschaftlicher Name
Siccobaccatus
P.J. Braun & Esteves
Typische Frucht von Siccobaccatus dolichospermaticus
Siccobaccatus dolichospermaticus in Blüte
Siccobaccatus insigniflorus mit orange-borstigem Cephalium
Siccobaccatus insigniflorus in Blüte
Siccobaccatus estevesii am Originalfundort
Siccobaccatus dolichospermaticus Grenzgebiet Bahia/Minas Gerais

Siccobaccatus ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Der botanische Name der Gattung bezieht sich auf die dünnwandigen, fast papierartig trockenen Fruchtwände. Die Typusart der Gattung ist Siccobaccatus dolichospermaticus.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten der Gattung wachsen stämmig säulenförmig, aufrecht, meist einzeln, oder nur sehr schwach von der Basis verzweigt, verholzte Leitbündel, blaubereifte und harte Epidermis. Areolen oval, Dornen dünn nadelförmig. Ab ca. 1–2 m Höhe wird ein kontinuierlich gerade herablaufendes Cephalium ausgebildet, weißwollig, mehr oder weniger mit Borsten durchsetzt. Blüten trichter-glockenförmig, nächtlich, weiß, elfenbeinfarbig, selbststeril. Bestäubung durch Fledermäuse. Früchte sehr dünnwandig, fast papierartig, Blütenrest anhaftend. Die Früchte öffnen sich im Cephalium, die schwarzen bis schwarzbraunen, elongierten Samen rieseln aus dem Cephalium und werden von Ameisen verschleppt. Die Keimung erfolgt in Felsritzen.

Verbreitung und Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Siccobaccatus ist in Nordost/Zentral-Brasilien verbreitet. Alle Arten wachsen ausschließlich auf stark verkarsteten sogenannten Bambui-Felsen im Westen von Bahia, im Nordwesten von Minas Gerais, im Nordosten von Goiás und im Südosten von Tocantins.

Die Erstbeschreibung als Gattung erfolgte 1990 durch Pierre J. Braun und Eddie Esteves Pereira.[1][2]

Die beiden Arten Siccobaccatus dolichospermaticus und Siccobaccatus estevesii wurden ursprünglich 1974 und 1975 als Austrocephalocereus beschrieben. Friedrich Ritter[3] stellte 1979 (ohne die beiden betroffenen Arten persönlich zu kennen) alle als Austrocephalocereus publizierten Arten formal in die Gattung Micranthocereus. Siccobaccatus wurde daher lange Zeit als Synonym bzw. als Untergattung Micranthocereus subgen. Siccobaccatus (P.J. Braun & Esteves) N.P. Taylor & Zappi geführt.[4][5][6]

Neuere DNA-Studien belegen aber, dass Micranthocereus (im erweiterten Sinne wie oben dargelegt) polyphyletisch ist und Siccobaccatus eine eigenständige Gattung ist.[7][8][9] Neuere Abhandlungen akzeptieren daher Siccobaccatus auf Gattungsebene, so z. B. in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN[10][11][12] oder auch in der neuesten Gesamtdarstellung der Cactaceae.[13]

Neben der Typusart sind zwei weitere Arten bekannt:

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Braun, P.J. & Esteves Pereira, E. 1990: Siccobaccatus P. J. Braun & Esteves gen. nov. Een nieuw cactusgeslacht uit Brazilie. Succulenta 69: 11-18.
  2. Braun, P.J. & Esteves Pereira, E. 2002: Kakteen und andere Sukkulenten in Brasilien.- Schumannia, Band 3. ISBN 3-89598-830-8
  3. Ritter, F. 1979: Kakteen in Südamerika: Ergebnisse meiner 20-jährigen Feldforschung. Band 1, Spangenberg.
  4. Edward F. Anderson: Das große Kakteen-Lexikon. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-4573-1, S. 637–638.
  5. N.P. Taylor & D. C. Zappi: Cacti of Eastern Brazil. Royal Botanic Gardens, Kew. 499 pp. 2004.
  6. Hunt, D. (Hrsg.): The New Cactus Lexicon. dh books, Milborne Port 2006, ISBN 0-9538134-4-4
  7. Aona, L. 2003: Characterizacao e delimitacao do genera Micranthocereus Baxkeb. (Cactaceae) badendes me characteres morgologicos e moleculares. Diss., Campinas, SP. Brasil.
  8. Braun, P. & Esteves, E. 2008. Siccobaccatus insigniforus: A new status for a marvelous columnar cactus from Brazil. Cactus and Succulent Journal 80(1): 36-41
  9. Nyffeler, R. & Eggli, U. 2010: A farewell to dated ideas and concepts: molecular phylogenetics and a revised suprageneric classification of the family Cactaceae. - Schumannia 6: 109–149.
  10. Siccobaccatus estevesii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: Machado, M. & Braun, P., 2010. Abgerufen am 3. Januar 2014
  11. Siccobaccatus dolichospermaticus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: Machado, M. & Braun, P., 2010. Abgerufen am 3. Januar 2014
  12. Siccobaccatus insigniflorus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2015.4. Eingestellt von: Braun, P. & Machado, M. 2013. Abgerufen am 24. Februar 2016
  13. Lodé, J. 2015: "TAXONOMY of the CACTACEAE" The new classification of Cacti based on molecular data and explained In two volumes: Vol. II : 158. Siccobaccatus. Cactus Adventures Eds., Barcelona.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siccobaccatus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien