Sicherungsgerät

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
verschiedene Tuber unterschiedlicher Hersteller

Sicherungsgeräte dienen beim Klettern zum Sichern des Kletternden. Sie ermöglichen dem Sichernden die situationsbezogene Handhabung und Kontrolle des Sicherungsseils. Ein Sicherungsgerät muss dazu in der Regel folgende vier Funktionen unterstützen:

  • Seil ausgeben – beim Vorstiegssichern (Seilsicherung von unten)
  • Seil einholen – beim Toprope-Sichern und beim Sichern eines Nachsteigers (Seilsicherung von oben)
  • Halten eines Sturzes bzw. eines im Seil hängenden Kletterers
  • Kontrolliertes Ablassen des Kletterers durch den Sicherungspartner

Darüber hinaus kann mit allen Sicherungsgeräten selbstständig am fixierten Einzelseilstrang abgeseilt werden, was unter Kletterern jedoch wenig gebräuchlich ist. Für das übliche Abseilen am umgelenkten Doppelseilstrang sind nur Sicherungsgeräte verwendbar, die zwei Seilstränge aufnehmen und gleichzeitig bremsen können.

Manuelle Bremsgeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reverso3 in Verwendung

Sicherungsgeräte, welche die Bremskraft verstärken, aber bei einem Sturz nicht vollständig blockieren, zählen zu den manuellen Bremsgeräten oder dynamischen Sicherungsgeräten. In Europa zugelassene Geräte dieser Klasse müssen der Norm EN 15151-2 genügen, die Anforderungen und Prüfverfahren manueller Bremsgeräte definiert. Mit 56 % (Stand 2012) sind heutzutage die Tubes am weitesten verbreitet.[1] Sie erhöhen die Bremswirkung durch das Stichtprinzip, das Einklemmen des Seils zwischen sich und dem Karabiner.

Auch ein einzelner Karabiner kann als Sicherungsgerät fungieren. Dazu bedient sich der Sichernde der Halbmastwurfsicherung. Sie war früher die gebräuchlichste Methode und ist heute insbesondere bei Mehrseillängenrouten immer noch anzutreffen. Ihre Beherrschung ist auch heute noch für viele Kletterer grundlegend, da sie ohne spezielle Ausrüstung auskommt. Die Bremskraft erzeugt dabei das Seil mittels Halbmastwurf. Zwar könnte theoretisch jeder Karabiner dazu verwendet werden, doch aufgrund hoher Sicherheitsanforderungen nutzen Kletterer dafür nur HMS-Karabiner.

Ebenfalls als Sicherungsgerät geeignet ist der Abseilachter. Ursprünglich zum Abseilen entwickelt, reicht die Bremskraft auch zum Halten eines Sturzes. Heute ist er allerdings durch moderne Geräte weitgehend verdrängt worden.

Die Stichtplatte war die erste mechanische Seilbremse und Vorfahr des Tubes. Später durch andere Geräte verdrängt erlebt sie heute in moderner Form eine teilweise Renaissance beim Sichern von Nachsteigern.

Halbautomaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbautomaten sind Sicherungsgeräte, die bei einem ruckartigen Zug, wie er bei einem Sturz auftritt, selbsttätig und vollständig blockieren. Die Bezeichnung Halbautomat bezieht sich auf den Mechanismus, der zwar eine höhere Sicherheitsreserve bietet, unter bestimmten Voraussetzungen dennoch versagen kann, weswegen der Sichernde das Bremsseil immer umfassen muss. Anforderungen dieser Klasse sind in der Norm EN 15151-1 definiert.

Bekanntester Vertreter der halbautomatischen Geräte und auch das erste dieser Klasse ist das Grigri. Eine ähnliche Mechanik haben beispielsweise I’D S, Cinch, EDDY und Matik. Ebenfalls zu den Halbautomaten zählen Sirius und Zap-O-Mat mit abweichender Mechanik. Der Sirius kann dabei auch zwei Seilstränge aufnehmen, was bei Halbautomaten ein seltenes Merkmal darstellt.

Obwohl Halbautomaten ein Plus an Sicherheitsreserven bieten, erfordert die Bedienung eine gründlichere Einweisung. Aufgrund ihrer Komplexität sind mehr Bedienfehler möglich und der Sichernde darf sich nicht völlig auf die Automatik verlassen. Ein Benutzer muss die Situationen kennen, in denen die Bremsmechanik ausgehebelt werden kann. An Rettungswageneinsätzen durch Fehler beim Ablassen in DAV-Kletterhallen zwischen 2012 und 2014 sind Halbautomaten mit 50 % beteiligt, obwohl ihre Verbreitung nur bei 40 % liegt.[2]

Außerdem verhindert das vollständige Blockieren ein gerätedynamisches Abfangen des Fangstoßes. Mit etwas Übung aber kann ein Sturz auch mit einer körperdynamischen Sicherung weich abgefangen werden, um die Belastung auf Kletterer und Sicherungskette zu mindern.

Autotubes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine recht neue Klasse bilden selbstblockierende Tubes. Ähnlich wie die Halbautomaten halten diese Hybride das Seil bei einem Sturz selbstständig und vollständig, allerdings besitzen sie keine beweglichen Teile, sondern erzeugen die Bremswirkung im Zusammenspiel mit dem Karabiner. Daher ist die Kompatibilität zwischen Karabiner und dem sogenannten „Autotube“ ausschlaggebend und nicht jeder Karabiner für jedes Gerät geeignet. Manche Hersteller vertreiben diese Geräte deswegen auch im Set mit einem passenden Karabiner.

Zwar sind diese Sicherungsgeräte selbstblockierend, doch werden sie nach der Norm EN 15151-2 geprüft, unter die auch die manuellen Bremsgeräte fallen. Aufgrund ihrer Funktion jedoch zählt die Kletterszene Autotubes zu den Halbautomaten.[2]

Zu den Vertretern dieser Klasse zählen Click Up, Ergo-Belay, Mega Jul und Smart.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chris Semmel: Die Handbremse. Gängige Sicherungsgeräte im Vergleich. In: DAV Panorama. Nr. 4, 2002, S. 61–62 (PDF [abgerufen am 9. November 2015]).
  • Andreas Thomann: Die Bremskraftverstärker (PDF; 139 kB). In: bergundsteigen. Nr. 2, 2007, S. 60–65 (Online vorhanden).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Belay device – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Sicherungs und Abseilgeräte – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie passieren Unfälle in Kletterhallen? DAV, abgerufen am 11. November 2015.
  2. a b Florian Hellberg, Christoph Hummel, Sophia Steinmüller: Wie viel hilft uns das Gerät? In: DAV Panorama. Nr. 5, 2015, S. 58–63 (PDF; 2,9MB [abgerufen am 9. November 2015]).