Smalahove

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Verbranntes Smalahove
Smalahove zum Servieren bereit

Smalahove, smalehovud oder sau(d)ehau(d) sind Köpfe von Lamm oder Schaf, die als traditionelles Gericht in West-Norwegen zubereitet werden. Es handelt sich um ein Gericht mit langer Tradition im Westen Norwegens, wo man typischerweise alles Essbare vom Tier verwertet. Galt das Gericht früher als Essen für arme Leute, stellt es heute eine beliebte Festspeise und Delikatesse dar.

Geschichte und traditionelle Zubereitung[Bearbeiten]

Das Gericht ist ursprünglich ein Alltagsgericht oder "Arme-Leute-Essen". Oft wurde es mit Sauermilch oder Saft verzehrt.[1] Als Festmahl wurde dazu oft Bier serviert. Die Schafe wurden in der Regel zuhause auf dem Bauernhof geschlachtet und man versengte die Wollreste am Kopf über offener Flamme. Das hierzu benutzte Holz musste von Laubbäumen wie Erle oder Birke stammen.[1] Nachdem der Kopf versengt war, wurde er in der Mitte geteilt und unerwünschte Inhalte (z.B. das Gehirn) entfernt. Der Kopf wurde bis zum nächsten Tag gewässert und für ein paar Tage in Salz eingelegt.[2] Danach war es üblich, das Smalahove für einige Stunden zu räuchern. Dies ist optional und nicht überall in Westnorwegen Tradition. Salzen (und Räuchern) waren wichtig, damit sich das Smalahove einige Monate frisch hielt, weil es keine Einfriermöglichkeiten gab. Dennoch musste auf eine kühle Lagerung des Fleisches geachtet werden. Unmittelbar vor dem Verzehr wurde der Schafskopf für etwa drei Stunden gekocht oder dampfgegart[1] und anschließend zusammen mit Steckrüben und Kartoffeln heiß serviert.[2] In manchen Zubereitungsvarianten wird der Schafskopf nicht sofort gespalten, sondern mit Gehirn gekocht, welches nach dem Spalten dann ausgelöffelt oder entnommen und fritiert wird.[3]

Der Name des Gerichts setzt sich aus den beiden norwegischen Wörtern hove und smale zusammen. Hove ist die Dialektform von hovud, dem norwegischen Wort für „Kopf“ und smale ein Wort für „Schaf“, so dass sich der Name des Gerichts als „Schafskopf“ übersetzen lässt.[4][5]

Verzehrweise[Bearbeiten]

Smalahove ist in neuerer Zeit zum Festmahl avanciert und wird mitunter in Restaurants serviert. Es stellt ein traditionelles Vorweihnachtsessen dar.[6] Traditionell wird Smalahove das erste Mal im Jahr im November und das letzte mal am 4. Advent, dem in Norwegen sogenannten „schmutzigen Sonntag“ (skittensøndag) verspeist.[2]

Eine Portion besteht üblicherweise aus einem halben Schafskopf.[2] Die Ohren und Augen werden meist zuerst verzehrt, da sie die fettreichsten Teile des Kopfes sind und heiß am besten Schmecken.[6][7] Ebenfalls sehr beliebt ist die Zunge.[6] Der Rest des Kopfes wird gewöhnlich beginnend vom Maul weitergehend bis zum Ende des Kopfes verspeist. Dazu wird Stück für Stück das Fleisch von den Knochen abgelöst und abgeschabt.[6] Zu dem Gericht wird meist Bier oder Akvavit gereicht.[1][2]

Rezeption und Wahrnehmung[Bearbeiten]

Smalahove wird oftmals als unappetitlich bis hin zu abstoßend angesehen.[7] Das Gericht wird vor allem von enthusiastischen Delikatessenfans geschätzt, oftmals aber auch Touristen serviert. Da es als "extreme" Speise gilt, übt es auf letztere meist einen besonderen Reiz aus. Die Gastronomie in der Kommune Voss (Norwegen) und der umgebenden Region profitiert gut von dem Gericht, da viele Touristen es probieren möchten, nicht nur aber, da es als nostalgisches und authentisches ländliches Essen angesehen wird, sondern insbesondere da es von abenteuerlustigen Personen oft als kulinarische Herausforderung und Trophäe angesehen wird. ("not only as a nostalgic and authentic rural dish, but also as a challenging culinary trophy appealing to thrill-seeking consumers."[8] In Voss wird alljährlich eine Meisterschaft im Smalahovewettessen veranstaltet.[1]

Rechtsstatus[Bearbeiten]

Seit 1998 ist die Zubereitung von Smalahove, gemäß einer EU-Richtline, mit dem Kopf ausgewachsener Schafe verboten, um eine Ansteckung mit Scrapie auszuschließen.[9] Es handelt sich dabei um eine übertragbare, langsam tödlich verlaufende Erkrankung des Gehirns. Obwohl Scrapie nach derzeitigem Wissensstand nicht übertragbar auf den Menschen ist, und es auch noch keinen registrierten Krankheitsfall beim Menschen gab, ist die Zubereitung von Smalahove seitdem nur noch mit Lammköpfen erlaubt.[1]

Smalahove außerhalb Norwegens[Bearbeiten]

Traditionelles Þorramatur der Isländischen Küche: Svið, Hangikjöt (geräuchertes Lammfleisch), Hrútspungar (gesäuerter Widderhoden), Lifrarpylsa (Lamm-Leberwurst), Blóðmör (Blutpudding) und Hákarl (fermentierter Hai) mit Rúgbrauð (dunkles, süßes Brot) og flatbrauð (Flachbrot)
Svið, Isländische Variante des gleichen Gerichts, serviert mit Kartoffelpüree (in Kugelform) und Steckrübenmus

Aufgrund des gleichen Kulturerbes ist das Gericht auch in Island und den Färöerinseln bekannt. Es wird auf isländisch als Svið[10] und im Färöischen als Seyðahøvd[11] bezeichnet. Die Zubereitung ist dabei sehr ähnlich; der Schafskopf wird abgeflammt und gegrillt, gereinigt, gekocht und gespalten.

In vielen jüdischen Familien, besonders sephardischen (iberisch-jüdischen) und misrachischen (arabisch-jüdischen) Familien, wird gegrillter und gekochter Schafskopf als Hauptgericht zu dem Fest Rosch ha-Schana serviert. Der Kopf, der vorzugsweise von einm Bock sein soll, symbolisiert den Wunsch tatkräftig zu sein ("Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden.") Der Ausdurck Rosch ha-Schana selbst bedeutet eigentlich wörtlich übersetzt »Kopf des Jahres«, so dass der Schafskopf als Versinnbildlichung des Festes gesehen werden kann.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Smalahove – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Smalahove portalen (norwegisch) dform.no. Abgerufen am 21. August 2015.
  2. a b c d e Smalahove, en førjulstradisjon med sterke meninger (norwegisch) matoppskrift.no. 1. Dezember 2007. Abgerufen am 21. August 2015.
  3. Jerry Hopkins: Extreme cuisine: the weird & wonderful foods that people eat.. Tuttle Publishing, 2004, ISBN 978-0-7946-0255-0, S. 93.
  4. Bokmålsordboka/Nynorskordboka. Universitetet i Oslo & Språkrådet. Abgerufen am 21. August 2015.
  5. Bokmålsordboka/Nynorskordboka. Universitetet i Oslo & Språkrådet. Abgerufen am 21. August 2015.
  6. a b c d Førjulsmat for tøffinger (norwegisch) Opplysningskontoret for egg og kjøtt. Archiviert vom Original am 22. Januar 2011. Abgerufen am 21. August 2015.
  7. a b Laurel Miller-Gadling: Bizzare European Delicacies. In: Fox News, 18. März 2011. Archiviert vom Original am 22. März 2011. Abgerufen am 21. August 2015. 
  8. Szilvia Gyimóthy: Scary food: Commodifying culinary heritage as meal adventures in tourism. In: Journal of Vacation Marketing. 15, Nr. 3, 24. Juni 2009, S. 259–273. doi:10.1177/1356766709104271. Abgerufen am 21. August 2015.
  9. Lene Skogstrøm: Nye EU-regler fra 1. januar 1998 skal hindre smitte av skrapesyke og kugalskap: Vil koste flere hundre millioner (Norwegisch), Aftenposten. 5. August 1997, S. 3. 
  10.  Brandon Presser, Carolyn Bain, Fran Parnell: Reiseführer Island. Lonely Planet, Melbourne, Australien 2013, ISBN 3829723105, S. 352 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Faroese cuisine - Sheep, memim.com, abgerufen am 21. August 2015 (englisch)
  12. Wie und warum wird Rosch ha-Schana gefeiert?, kalender-uhrzeit.de, abgerufen am 21. August 2015
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