Sokol (Turnbewegung)

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Logo des tschechischen Sokol

Sokol (slawisch für „Falke“) war die Bezeichnung der national bis nationalistisch geprägten Turnbewegungen bei verschiedenen slawischen Ethnien in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die historischen Wurzeln der Sokolbewegung liegen in Böhmen und Mähren. Der erste Turnerbund unter diesem Namen entstand am 12. Februar 1862 in Prag. Beim Sokol stand in der Vergangenheit neben der körperlichen Ertüchtigung auch das nationale Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Die verschiedenen Sokolverbände der slawischen Nationen engagierten sich auch in der Pflege slawischer Folklore und die gemeinsamen Sportfeste waren nicht zuletzt Ausdruck des Panslawismus.

Sokolverbände gibt es auch heute noch bei den meisten slawischen Völkern, wobei der politische nationale Gedanke aktuell nur mehr eine geringe Rolle spielt. Im Zentrum der Verbandstätigkeit steht der Breitensport.

Geschichte[Bearbeiten]

Sokolbewegung der Tschechen[Bearbeiten]

Prager Sokol-Einheit Slovan (1899)
Sokol-Einheit in Kolin um 1900
Sokol-Fest im Prager Stadion (Juli 1932)

Der erste Turnerbund unter dem Namen Sokol entstand am 12. Februar 1862 in Prag. Die Gründung wurde von Miroslav Tyrš initiiert, wobei dieser sich die deutsche Turnbewegung zum Vorbild nahm. Bald wurde der Sokol zu einem tragenden Bestandteil der tschechischen Nationalbewegung. Schon 1865 führten tschechische Auswanderer die slawische Turnbewegung in den USA ein. In den dreißiger Jahren zählte der Tschechoslowakische Sokol etwa 750.000 Mitglieder.

Der tschechische Sokol pflegte das Andenken von Jan Hus, den man als Vorbild im Kampf um die tschechische Unabhängigkeit ansah. Dieses Traditionsverständnis wurde nach dem Ersten Weltkrieg auch von der tschechoslowakischen Regierung unterstützt. Dagegen lehnte die katholische Kirche den Sokol wegen seiner liberalen und antiklerikalen Einstellungen ab. Man störte sich nicht nur an der Hus-Verehrung, sondern auch am liberalen Frauenbild der tschechischen Turnbewegung. Der polnische Sokol, der nie die politische Bedeutung seines tschechischen Brüder-Verbandes erreichen konnte, hatte dagegen kaum Konflikte mit der Kirche.

Nach dem Einmarsch der deutschen Nationalsozialisten wurde der tschechoslowakische Sokol 1939 in den Sudetengebieten verboten. Im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren blieben die einzelnen Einheiten zunächst weiter bestehen. Am 12. April 1941 wurde auch dem Sokol im Protektorat jegliche Aktivität verboten. Seine Mitglieder wurden verfolgt und fast die gesamte Führung vernichtet. Nach 1945 konnte der Turnerbund wieder aktiv werden, allerdings wurde er 1948 aufgelöst und während der kommunistischen Herrschaft nicht mehr zugelassen.

Heute steht der Breitensport im Zentrum der Verbandstätigkeit des tschechischen Sokol, der rund 190.000 Mitglieder zählt.

Bekannte Initiatoren der tschechischen Sokolbewegung[Bearbeiten]

Sokolverbände anderer slawischer Ethnien[Bearbeiten]

Der slowenische Južni Sokol, der erste außerhalb von Böhmen und Mähren gegründete Sokol-Verband im Gründungsjahr 1863

Sokolverbände gab oder gibt es bei den meisten slawischen Völkern, so bei den

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sammelwerk[Bearbeiten]

  •  Diethelm Blecking, Forschungsstelle Ostmitteleuropa (Hrsg.): Die Slawische Sokolbewegung : Beiträge zur Geschichte von Sport und Nationalismus in Osteuropa. Dortmund 1991, ISBN 9783923293322.

Tschechischer Sokol-Verband[Bearbeiten]

  •  Claire E. Nolte: The Sokol in the Czech lands to 1914. Training for the nation. Palgrave Macmillan, Basingstoke u. a. 2002, ISBN 0-333-68298-X.
  •  Jan Boris Uhlíř, Marek Waic: Sokol proti totalitě. 1938–1952. Univerzita Karlova – Fakulta Tělesné Výchovy a Sportu, Prag 2001, ISBN 80-8631711-0.
  •  Jan Novotný: Sokol v životě národa. Melantrich, Prag 1990 (Slovo k historii 25, ZDB-ID 1048294-5).

Polnischer Sokol-Verband[Bearbeiten]

  •  Jan Snopko: Polskie Towarzystwo Gimnastyczne „Sokół“ w Galicji. 1867–1914. Wydawnictwo Uniwersytetu w Białymstoku, Białystok 1997, ISBN 83-86423-69-2.
  •  Diethelm Blecking: Die Geschichte der nationalpolnischen Turnorganisation „Sokół“ im Deutschen Reich 1884–1939 (= Münsteraner Schriften zur Körperkultur. Band 4). Lit Verlag, Münster 1987, ISBN 3-88660-366-0 (zugleich Dissertation an der FU Berlin 1986).

Kroatischer Sokol-Verband[Bearbeiten]

  •  Adolf Paar: Hrvatski Sokol. Društvo za športsku rekreaciju "Šport za sve", Samobor 2011, ISBN 978-953-56641-0-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sokol – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien