Sophie Brentano

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Dieser Artikel beschreibt Sophie Brentano, die Schwester Clemens Brentanos; für dessen Ehefrau siehe Sophie Mereau

Sophie Brentano, eigentlich Marie Sophie Therese Brentano, (* 15. August 1776 in Ehrenbreitstein; † 19. September 1800 auf dem Gut von Christoph Martin Wieland in Oßmannstedt) war die älteste Tochter des wohlhabenden Frankfurter/lombardischen Handelsherrn und kurtrierischen Geheimrates Peter Anton Brentano und seiner zweiten Ehefrau Maximiliane von La Roche (1756–1793), einer Freundin Goethes.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vierjährige verlor Sophie ein Auge, wurde aber dennoch stets als sehr schönes Mädchen bewundert, auch war sie die Lieblingsschwester ihres Bruders Clemens Brentano. Nach dem frühen Tod der Mutter wurden Sophie und ihr Bruder Clemens zunächst für wenige Jahre von ihrer Tante Luise in Koblenz großgezogen. Dies geschah ohne große Anteilnahme der Tante, und beide klagten später sehr über diese Zeit. Zurück in Frankfurt, fiel ihr als älteste Tochter die Aufsicht über ihre zahlreichen Schwestern wie Kunigunde (genannt Gunda), Catharina Elisabetha (genannt Bettina), Maria Catharine (genannt Lulu) sowie Magdalena (genannt Meline) zu. Besonders ihre Schwester Bettina Brentano und ihr Bruder Clemens Brentano erlangten Ruhm und Anerkennung.

Zeit auf Gut Oßmannstedt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere Beziehung hatte sie zu ihrer Großmutter Sophie von La Roche, die sie mehrmals zu Besuchen zu ihrem ehemaligen Verlobten Christoph Martin Wieland nach Weimar und auf dessen Gut Oßmannstedt zwischen Weimar und Apolda mitnahm. Er hatte auf ihren Wunsch auch den leiblichen Sohn der Großmutter großgezogen. Sophie lernte bald einen erlesenen Kreis von Wissenschaftlern und Künstlern kennen. So waren u.a. häufig die Herzogin Anna Amalie, Goethe, das Ehepaar Maria Karoline und Johann Gottfried Herder, Jean Paul, Heinrich von Kleist und der Verleger Georg Göschen anwesend. Der über 64-jährige Wieland empfand bald eine innige Freundschaft mit der 23-jährigen Sophie. Der Briefwechsel zwischen beiden ist erhalten und wurde veröffentlicht. Ihren letzten Sommer verbrachte Sophie auf Gut Oßmannstedt, wo sie unerwartet mit 24 Jahren verstarb.

Grabstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Gedenken war dem Ehepaar Wieland so wichtig, dass sie auf Gut Oßmannstedt neben dem Ehepaar beigesetzt wurde. Ein 1807 errichtetes Denkmal erinnert heute noch die Besucher an Sophie Brentano. Die Inschrift auf dem Stein lautet: Liebe und Freundschaft umschlang die verwandten Seelen im Leben, und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein. Auch hier wird nochmals die Relevanz Sophie Brentanos für den Dichter Wieland deutlich. Der platonische Hintergrund ist nicht zu übersehen, handelt es sich doch – gerade im Hinblick auf Sophie Brentano – um eine idealistische Liebe.

Das Grabmal wurde als kräftiger dreiseitiger Obelisk ausgeführt, der auf einem breiteren Sockel ruht. Auf jeder Fläche befinden sich der Name, die Lebensdaten und ein Symbol von drei Personen. Neben Sophie Brentano sind das Anna Dorothea Wieland und Christoph Martin Wieland. Dieser Obelisk stellt eines der frühen erhaltenen Grabmale dieser Form in Deutschland dar, die als ein Bestandteil der Gartengestaltung errichtet wurden.[1] Arno Schmidt bezeichnete diese Grabstätte als eines unserer Nationalheiligtümer, nach dem jeder einmal im Leben wallfahren sollte. 2003 hat die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur von Jan Philipp Reemtsma mit umfangreichen Geldmitteln eine Sanierung ermöglicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Döhn: Sophie Brentano: 1776-1800, ein Lebensbild nach Briefen im Nachlaß Savigny und anderen Quellen in: Studien zum Buch- und Bibliothekswesen, Bd. 4 (1986), S. [46]-70
  • Otto Drude (Hrsg.): Briefe und Begegnungen / Christoph Martin Wieland; Sophie Brentano. Weinheim, Acta humaniora, 1989
  • Henner Reitmeier: Zwei geknickte Blüten der Romantik. Über Sophie Brentano und Karoline von Günderrode, in: Die Brücke Nr. 166, Mai-August 2014, S. 68-70[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sascha Winter: Grabmal und Gartenkunst um 1800. In: Grabkultur in Deutschland. Berlin 2009, ISBN 978-3-496-02824-6, S. 59
  2. Diese Betrachtung ist auch online nachlesbar