Spaced repetition

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Im Leitner-System werden richtig beantwortete Karten in die nächste Schachtel gelegt, deren Inhalte weniger häufig abgefragt werden. Falsch beantwortete Karten kehren in die erste Schachtel zurück und werden damit häufiger abgefragt.

Spaced repetition („verteilte Wiederholung“) ist eine Lernmethode, die zunehmende Zeitabstände zwischen der Wiederholung gelernter Inhalte vorsieht. Sie nutzt damit den „Spacing-Effekt“ aus, wonach Inhalte, die über einen längeren Zeitraum gelernt werden, besser im Gedächtnis hängen bleiben, als solche, die in einer kurzen Zeit intensiv wiederholt werden. Die Technik wird im Englischen auch als spaced rehearsal, expanding rehearsal, graduated intervals, repetition spacing, repetition scheduling, spaced retrieval oder expanded retrieval bezeichnet.[1]

Die Methode ist in verschiedenen Situationen hilfreich. Sie wird aber hauptsächlich dafür angewendet, eine grosse Menge von Lerninhalten langfristig im Gedächtnis zu behalten. Sie eignet sich daher besonders gut zum Lernen von Vokabeln von Fremdsprachen. Mit Lernkartei-Software kann die Methode auch für sehr umfangreiche Lerninhalte angewendet werden.

Forschung und Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lerneffekt der spaced-repetition-Methode wurde zuerst 1932 in der Monografie Psychology of Study von C. A. Mace beschrieben: "Die vielleicht wichtigsten Erkenntnisse sind diejenigen, die die sinnvolle Verteilung der Lernperioden betreffen ... Wiederholungen sollten in graduell zunehmenden Intervallen erfolgen, etwa in der Grössenordnung von einem Tag, zwei Tagen, vier Tagen, acht Tagen und so weiter."

Im Jahr 1939 zeigte H. F. Spitzer die Wirksamkeit der spaced-repetition-Methode an über 3,600 Sechstklässlern in Iowa auf, die naturwissenschaftliche Fakten lernten.[2] Diese Forschung blieb unbemerkt. Erst in den 1960er Jahren untersuchten Kognitionspsychologen wie Melton[3] und Landauer / Bjork[4] die Anpassung des Wiederholungsintervalls als Methode zum Verbessern des Abrufs gelernter Inhalte. In dieser Zeit wurde auch die Pimsleur-Methode als erste praktische Anwendung der spaced-repetition-Theorie auf das Lernen von Sprachen bekannt. 1973 konzipierte Sebastian Leitner sein "Leitner-System", ein Allzweck-Lernsystem auf der Basis von spaced repetition mit einer Lernkartei.

Seit den 1980er Jahren wird die spaced-repetition-Methode auch auf Computern mit Lernsoftware umgesetzt. Solche Software ermöglicht es, eine virtuelle Lernkartei mit Hunderten oder Tausenden von Karten zu verwalten. Diese werden der lernenden Person je nachdem, wie rasch oder gut sie die Lerninhalte wiedergibt, früher oder später wieder vorgehalten.

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Software "Anki" im Einsatz beim Lernen russischer Vokabeln

Spaced-repetition-Software (SRS) basiert in der Regel auf dem Lernkarteimodell: die lernende Person erfasst zunächst die Lerninhalte als Frage-Antwort-Paare, die der Vorder- oder Rückseite einer Karte entsprechen.

Wenn eine Karte abgefragt wird, zeigt die Software die Frage an, und die lernende Person versucht, die Antwort wiederzugeben. Dann lässt sich die lernende Person die richtige Antwort anzeigen und gibt ein, als wie schwierig sie die Frage empfand. Gestützt auf diese Angabe und abhängig vom verwendeten Algorithmus wird die Software dieselbe Frage entweder früher oder später erneut abfragen.[5]

Zu den vielen SRS, die (teils als proprietäre, teils als freie und quelloffene Software) verfügbar sind, gehören Anki, Brainscape, Cerego, Course Hero, Lingvist, Memrise, Mnemosyne, Pleco Software, Quizlet, Skritter, SuperMemo, Synap und WaniKani.

Algorithmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Umsetzung von spaced repetition mit Software gibt es verschiedene Algorithmen, wie:

Ob die genaue Länge der Intervalle eine Auswirkung auf den Lernerfolg hat oder nicht, ist nicht klar.[7] Diesbezügliche Experimente gelangten zu uneinheitlichen Ergebnissen.[8]

Die Sprachenlernmethode, die Paul Pimsleur 1967 einführte,[9] sieht besonders kurze Abstände zwischen den ersten Wiederholungen vor: 5 Sekunden, 25 Sekunden, 2 Minuten, 10 Minuten, 1 Stunde, 5 Stunden und so weiter bis zu zwei Jahren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Human Memory: Theory and Practice", Alan D. Baddeley, 1997
  2. Spitzer, H. F. (1939). Studies in retention. Journal of Educational Psychology, 30, 641–657.
  3. Melton, A. W. (1970). The situation with respect to the spacing of repetitions and memory. Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior, 9, 596–606.
  4. Landauer, T. K., & Bjork, R. A. (1978). Optimum rehearsal patterns and name learning. In M. Gruneberg, P. E. Morris, & R. N. Sykes (Eds.), Practical aspects of memory (pp. 625–632). London: Academic Press.
  5. James Gupta: Spaced repetition: a hack to make your brain store information (en-GB). In: The Guardian, 23. Januar 2016. Abgerufen am 30. Januar 2019. 
  6. Implementing a neural network for repetition spacing. In: www.supermemo.com. Abgerufen am 15. Juli 2017.
  7. Cull, W. L. (2000). Untangling the benefits of multiple study opportunities and repeated testing for cued recall. Applied Cognitive Psychology, 14, 215–235.
  8. Chapter 6:Is Expanded Retrieval Practice a Superior Form of Spaced Retrieval?, A Critical Review of the Extant Literature, DAVID A. BALOTA, JANET M DUCHEK, and JESSICA M. LOGAN
  9. Paul Pimsleur: A Memory Schedule. 51, Nr. 2, February 1967, S. 73–75. doi:10.2307/321812.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Caple, C. (1996). "The Effects of Spaced Practice and Spaced Review on Recall and Retention Using Computer Assisted Instruction". Dissertation for the degree of Doctor of Education, North Carolina State University.[1]
  • de Boer, V. (2003, August). "Optimal Learning and the Spacing Effect: Theory, Application and Experiments based on the Memory Chain Model". Artificial Intelligence Master's Thesis for Computational Psychology, University of Amsterdam.[2]
  • Dempster, F. N. (1988). "The Spacing Effect: A Case Study in the Failure to Apply the Results of Psychological Research". American Psychologist, 43(8), 627–634.
  • Greene R. L. (2008). Repetition and spacing effects. In Roediger H. L. III (Ed.), Learning and memory: A comprehensive reference. Vol. 2: Cognitive psychology of memory (pp. 65–78). Oxford: Elsevier.
  • The Guardian (2016). "Spaced Repetition: A hack to make your brain learn more information". [3]
  • Karpicke, J. D., & Roediger, H. L. (2007). "Expanding Retrieval Practice Promotes Short-Term Retention, but Equally Spaced Retrieval Enhances Long-Term Retention". Journal of Experimental Psychology: Learning, * Memory, and Cognition, 33(4), 704–719.[4]
  • B. P. Kerfoot, H. E. Baker, M. O. Koch, D. Connelly, D. B. Joseph, M. L. Ritchey: Randomized, Controlled Trial of Spaced Education to Urology Residents in the United States and Canada. In: The Journal of Urology. 177, Nr. 4, 2007, S. 1481–1487. doi:10.1016/j.juro.2006.11.074. PMID 17382760.
  • Pavlik, P. I. (2005). The Microeconomics of Learning: Optimizing Paired-Associate Memory. PhD, Carnegie Mellon.
  • P. I. Pavlik, J. R. Anderson: Using a model to compute the optimal schedule of practice. In: Journal of Experimental Psychology. 14, Nr. 2, 2008, S. 101–117. doi:10.1037/1076-898X.14.2.101. PMID 18590367.
  • Dr Piotr Wozniak: Effective learning: Twenty rules of formulating knowledge. Feb 1999. — advice on making flashcards for spaced repetition.