Speckdäne

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Speckdäne ist eine abwertende Bezeichnung für dänische Südschleswiger (Ethnophaulismus). Der Begriff unterstellt, dass die Hinwendung der dänischen Volksgruppe nach den beiden Weltkriegen allein durch Lebensmittelpakete aus Dänemark und somit aus rein materiellen oder wirtschaftlichen Beweggründe erklärt werde könne. Der Begriff unterstellt den so Bezeichneten somit Separatisten aus niederen Beweggründen zu sein.[1] Der Begriff entstand bereits zur Zeit der Volksabstimmung in Schleswig 1920 als Teil der deutschen Propaganda vor dem Hintergrund der damals stärkeren dänischen Wirtschaft.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in Südschleswig zum Teil auch zu Vandalismus an dänischen Einrichtungen. Plakate mit der Aufschrift Speckdäne zeigten teilweise große Parallelen zu den antijüdischen Plakaten aus der Zeit des Nationalsozialismus.[3]

Der Begriff Speckdäne unterstellt eine Hinwendung zur dänischen Seite allein aus materiellen Gründen und blendet andere Ursachen aus. Hinzu kommt, dass die Anzahl der dänischen Bevölkerung im Süden Schleswigs immer wieder schwankte. Wurde noch in der frühen Neuzeit etwa bis zu einer Linie Husum-Schleswig Dänisch gesprochen, rückte die Sprachegrenze bald weiter nach Norden. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 kam Schleswig zu Preußen, die Möglichkeiten dänischer Kultur- und Bildungsarbeit wurden durch eine repressive staatliche Kulturpolitik stark eingeschränkt. Bei der Volksabstimmung 1920 stimmten in der zweiten Abstimmungszone (im nördlichen Südschleswig) 51.742 (80,2 %) für Deutschland und 12.800 (19,8 %) für Dänemark. Die dänische Volksgruppe in Südschleswig umfasste zu Beginn der Weimarer Republik etwa 20.000 Menschen.[4] Der Schleswigsche Verein hatte 1923 8.893 Mitglieder, gegen Ende der NS-Diktatur sank diese Zahl jedoch auf 2.728.[5] Nach dem 2. Weltkrieg stiegen die Zahlen jedoch wieder an und erreichten im Jahr 1947 sogar 75.000.[6] Auch die dänischen Stimmen bei politischen Wahlen nahmen zu. Später stabilisierten sich die Zahlen wieder auf einem niedrigeren Niveau. Der Südschleswigsche Verein hat heute beispielsweise 13.000 Mitglieder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Speckdäne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Felbick: Schlagwörter der Nachkriegszeit 1945 – 1949. de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017643-2, S. 504–506.
  2. Lars N.Henningsen: Zwischen Grenzkonflikt und Grenzfrieden, Flensburg 2011, Seite 82
  3. So das im Folgenden wiedergegebene Wahlpalakt aus Süderbrarup vom 24. August 1946: Verachtet diese Speckschweine !!! Setzte Euch zur Wehr !!! Deutsche werdet wach!! Deutsche kauft bei Deutschen !!! Boykottiert die Geschäfte der Speckdänen !!!! Ihr füllt sonst die Geldsäcke der Vaterlandsverräter !!! (...) Wir werden nicht eher ruhen, bis der letzte Speckdäne aufgehängt ist. Die Kandidaten der Dänenliste sind auch die ersten Todeskandidaten !!!, zitiert aus Florian Greßhake: Deutschland als Problem Dänemarks, das materielle Kulturerbe der Grenzregion Sønderjylland - Schleswig seit 1864, Göttingen 2013, Seite 268
  4. Jürgen Kühl: Die dänische Minderheit in Preußen und im Deutschen Reich 1864-1914, in: Hans Henning Hahn og Peter Kunze (Hrsg.): Nationale Minderheiten und staatlichen Minderheitenpolitik in Deutschland im 19. Jahrhundert, Berlin 1999, Seite 131.
  5. Lars N. Henningsen (Hrsg.): Sydslesvigs danske historie, Flensburg 2009, Seite 108
  6. Lars N. Henningsen (Hrsg.): Sydslesvigs danske historie, Flensburg 2009, Seite 178