Spezifische Schnittkraft

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Die Spezifische Zerspankraft ist die auf den Spanungsquerschnitt bezogene Zerspankraft . Es gilt:

Sie wird in Experimenten ermittelt und in Tabellen festgehalten die dazu dienen die Zerspankraft zu berechnen. Sie ergibt sich dann zu

.

Häufig beschränkt man sich dabei auf die Berechnung der wichtigsten Komponente, der Schnittkraft (von engl.: cut für Schnitt). Sie ergibt sich aus der spezifischen Schnittkraft . Analog dazu existieren auch die spezifische Vorschubkraft und die spezifische Passivkraft .

Die spezifische Zerspankraft und ihre Komponenten sind jedoch keine Konstanten, sondern hängen von einer Vielzahl an Einflüssen ab. Die wichtigsten sind der Werkstoff und die Spanungsdicke . Der Wert ist die spezifische Schnittkraft, die für eine Spanungsdicke von 1 mm und einer Spanungsbreite von 1 mm gilt. Falls nur die Spanungsdicke als Einfluss berücksichtigt wird, gilt folgender Zusammenhang:

.
mit:
Werkstoffkonstante

Die Schnittkraft ergibt sich dann zu

Bestimmung der spezifischen Schnittkraft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spezifische Schnittkraft hängt von einer Vielzahl an Einflüssen ab. Als Konstante wird der Wert verwendet der für gewisse Standardbedingungen gilt. Zu diesen zählt vor allem eine Spanungsbreite und -dicke von 1 mm. Die weiteren Einflüsse werden über sogenannte Korrekturfaktoren berücksichtigt. Allgemein gilt:

mit
Korrekturfaktor für den Spanwinkel.
Korrekturfaktor für die Schnittgeschwindigkeit
Korrekturfaktor für die Spanstauchung
Korrekturfaktor für den beim Spanen auftretenden Verschleiß
Korrekturfaktor für den Schneidstoff
Korrekturfaktor für das Kühlschmiermittel
Werkstoff
[N/mm²]
Spezifische Schnittkraft
für
[N/mm²]
Spezifische Schnittkraft
für
[N/mm²]
Messing 780 0,18 1180 850
S 275 JR (St 44) 1780 0,17 2630 1930
E 335 (St 60) 2110 0,17 3120 2280
16 MnCr5 2100 0,26 3820 2370
42 CrMo4 2500 0,26 4550 2820
GG 30 1130 0,3 2255 1298

Spanwinkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

erfasst den Einfluss des Spanwinkels. Wenn er klein ist, kann der Span leichter über die Spanfläche abgleiten. Es gilt . Dabei ist der Referenzspanwinkel und der tatsächlich vorliegende Spanwinkel. Der Referenzspanwinkel beträgt +6° für Stahl und +2° für die Bearbeitung von Gusseisen.[1][2]

Schnittgeschwindigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

gibt den Einfluss der Schnittgeschwindigkeit an, der nur gering ist und selten berücksichtigt wird. Mit steigender Schnittgeschwindigkeit sinkt die Schnittkraft. Außerdem tritt der Einfluss meist nur im Bereich kleiner Schnittgeschwindigkeiten (v < 80 m/min) auf. Im Bereich zwischen 80 und 250 m/min kann der Einfluss abgeschätzt werde mit . Für den Bereich zwischen 30 und 50 m/min kann er mit angesetzt werden.[1] Der Einfluss der Schnittgeschwindigkeit lässt sich auf zwei Ursachen zurückführen: Einerseits erhöht sich mit steigender Schnittgeschwindigkeit die Temperatur des Werkstoffs was seine Festigkeit reduziert, andererseits hat sie Einfluss auf die Aufbauschneidenbildung. Allgemein gilt . Bei einer Schnittgeschwindigkeit von 200 m/min beträgt er 0,93.[3]

Spanstauchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bearbeitung wird der Werkstoff vor dem Abscheren gestaucht. Der Einfluss dieser Spanstauchung wird mit dem Faktor berücksichtigt. Er liegt für das Außendrehen bei 1 und beim Innendrehen, Bohren und Fräsen bei 1,2. Beim Einstechen und Abstechen beträgt er 1,3 und beim Hobeln, Stoßen und Räumen beträgt er 1,1.[4]

Verschleiß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am Werkzeug auftretende Verschleiß kann unterschiedliche Wirkungen haben, je nachdem wo der Verschleiß auftritt. Freiflächenverschleiß führt zu vermehrter Reibung zwischen Werkstück und Werkzeug und damit zu steigenden Kräften. Kolkverschleiß dagegen vergrößert den tatsächlichen Spanwinkel und verringert damit die Kräfte. Da der Verschleiß während der Bearbeitung selten bekannt ist, wird der Korrekturfaktor meist mit dem Erfahrungswert von 1,5 angesetzt.[5]

Schneidstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wert gibt den Einfluss des Schneidstoffs wieder. Er beruht maßgeblich auf den verschiedenen Reibungskoeffizienten zwischen Spanfläche des Werkzeuges und dem Span. Er liegt für Schnellarbeitsstahl bei 1,2 für Hartmetall bei 1,0 und für Schneidkeramiken bei 0,9.[2]

Kühlschmierstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Faktor berücksichtigt den Einfluss des Kühlschmierstoffs. Er beruht ebenfalls auf dem Einfluss auf die Reibung. Daher bewirken ölhaltige Kühlschmierstoffe eine niedrigere Schnittkraft als Kühlemulsionen. Bei der Trockenbearbeitung beträgt der Wert 1, bei der Verwendung von Kühlemulsionen 0,9 und bei Öl 0,85.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Tschätsch: Praxis der Zerspantechnik. Verfahren, Werkzeuge, Berechnung. 7. Aufl. Vieweg, Wiesbaden 2005, ISBN 3-528-44986-1 S. 16–21 (früherer Titel: Praxiswissen Zerspantechnik).
  • Herbert Schönherr: Spanende Fertigung. Oldenbourg-Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25045-0, S. 16–22.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tschätsch, S. 18.
  2. a b Schönherr S. 18.
  3. Schönherr, S. 18f.
  4. Tschätsch, S. 18f.
  5. Tschätsch, S. 19, Schönherr, S. 19.
  6. Schönherr, S. 20.