Sprengfalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Eine Sprengfalle, auch versteckte Ladung (englisch booby trap), ist „eine Vorrichtung oder einen Stoff, der dafür bestimmt, gebaut oder eingerichtet ist, zu töten oder zu verletzen, und der unerwartet in Tätigkeit tritt, wenn eine Person einen scheinbar harmlosen Gegenstand aus seiner Lage bringt oder sich ihm nähert oder eine scheinbar ungefährliche Handlung vornimmt“ (Begriffsbestimmung im Sinne des Protokolls II zum VN-Waffenübereinkommen).[1]

Nicht-industriell hergestellte Sprengfallen bezeichnet man im Deutschen fachsprachlich als Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung (USBV), im Englischen als IED (Improvised Explosive Device). Nicht gezündete Sprengfallen werden als englisch Unexploded Ordnance (UXO) bezeichnet.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstschussanlage SM 70

Sprengfallen können unter anderem in Form eines scheinbar harmlosen beweglichen Gegenstandes eingesetzt werden, der eigens dafür konstruiert wird, bei einer Berührung, durch Lageveränderung oder bei Personenannäherung zu detonieren. So wurden Sprengfallen verschiedentlich an Verwundeten, Leichen, Kinderspielzeug, Küchen- oder Hygieneartikeln, in Nahrungsmittel- und Getränke-Verpackungen oder Tieren, aber auch an Haushaltsgegenständen und unter Schachtdeckeln oder Gehwegplatten befestigt.

Handgranaten können zu Sprengfallen umfunktioniert werden, bei denen der gelockerte Sicherungsstift durch einen Stolperdraht ausgelöst wird. Eine entsicherte Handgranate mit gezogenem Sicherungsstift kann unter einer Landmine als Aufhebesperre dienen. Wird eine solche Mine z. B. durch einen Räumtrupp angehoben, wird der Schlagzünder entlastet und die Handgranate gezündet. Die Detonation erfolgt nach wenigen Sekunden Verzögerung. Neben den Stolperdrähten, die meist knapp über dem Boden (in Knöchel- bis Kniehöhe) verlegt werden, werden auch andere Auslösemechanismen wie eine Lichtschranke eingesetzt.

Eine besondere Form von Sprengfallen sind projektilbildende Ladungen, die beim Herrhausen-Attentat benutzt wurde, und den Misznay-Schardin-Effekt nutzt, und dadurch panzerbrechend wirkt.

Als Auslöser für Sprengfallen können auch Druckzünder dienen, die durch eine elektrische Zündkapsel ausgelöst werden, und aus zwei Metallpolen und einer Batterie hergestellt werden, mechanisch auch als pyrotechnischer Druckzünder, als fernausgelöster Zünder durch Kabel wie bei der M18 Claymore Richtsprengmittel oder auch über Funk mit einem Handy, das eine elektrische Zündkapsel auslöst.

Die an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze verlegten Selbstschussanlagen waren Schützenabwehrminen mit gerichteter Splitterwirkung.

Nach dem Ottawa-Abkommen ist Soldaten der Vertragsstaaten die Verwendung von Sprengfallen und Personenminen verboten, außer durch Pioniere in gekennzeichneten und dokumentierten Minenfeldern zur Sicherung gegen deren Räumung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • US-Army Field Manual FM 5–31 Boobytraps, 1965

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Sprengfalle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BGBl. 1992 II S. 958, 968