Steinmühle

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Eine traditionelle Steinmühle nahe Lienz.
Das Kernstück der Kugelmühle bei Marktschellenberg
Kugelmühle in Fürstenbrunn

Steinmühlen, auch Kugelmühlen oder Märbelmühlen genannt, dienten in vergangenen Jahrhunderten zum Rundschleifen von Steinen.

Arbeitsprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einem geeigneten, möglichst homogenen Gestein, wie z. B. Marmor, Granit ausgehend, werden Stücke grob in Kugelform vorbehauen. Einige dieser Roh-Kugeln werden in eine kreisförmige Laufrille in einer waagrecht liegenden Scheibe, eventuell aus Sandstein, gelegt. Obenauf kommt eine zweite Scheibe, die auch aus Hartholz sein kann und eine gegengleiche Rille aufweist. Erfolgt der Antrieb der oberen Scheibe wie häufig durch Wasserkraft über ein etwas darüberliegendes Flügelrad im Wasserstrahl, so ist das Mahlwerk auch einfach ständig mit Wasser zu spülen. Die Steine schleifen sich beim relativ langsamen Rollen in den Rillen und beim Anstoßen aneinander selektiv die vorstehenden Buckel ab. Unregelmäßigkeiten und die Kurvigkeit der Rille ändern zudem laufend die Rollachse der Steine, wodurch diese langsam auch quer zur Rollrichtung umgewälzt werden, sodass der Schleifvorgang binnen einiger Tage zu recht vollkommenen und etwa gleich großen Kugeln führt. Die Steinkugeln werden dann der Steinmühle entnommen und erhalten danach ggf. noch durch eine abschließende Politur ihre gebrauchsfähige glatte Oberfläche.

Märbelpicker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Märbelpicker klopfte mit dem Spitzhammer den Stein zu Würfeln, damit diese in Mühlen zu Murmeln geschliffen werden konnten. Er grub den dafür benötigten Kalkstein aus bis zu 20 Meter tiefen Schächten und lagerte ihn sorgfältig abgedeckt in Holzhütten. Bis zu 10.000 kleine Würfel klopfte der Märbelpicker am Tag.[1]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Steinkugeln gab/gibt es verschiedenste Verwendungsmöglichkeiten:

  • Steinkugeln wurden lange Zeit als Munition der Artillerie verwendet und auch für die mittelalterlichen Katapulte gebraucht. Sie sollen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts als nicht-explosive Munition für Kanonen und Haubitzen verwendet worden sein, wobei kleine Steine (Märbeln) ursprünglich im Seekrieg zum Zerschießen der feindlichen Takelage verwendet wurden. Durch die zunehmende Verfügbarkeit zuverlässiger und sicher handhabbarer Explosivmunition verloren die Steinkugeln an Bedeutung, die explosive Munition war preiswerter und eignete sich besser.
  • Als Hilfsmittel für die Seefahrt wurden die Steinkugeln ebenfalls benutzt. Wenn die Schiffe in einer Fahrtrichtung noch ohne Fracht waren, wurden ihre Kiele durch die schweren Murmeln tief genug unter Wasser gehalten.
  • Steinkügelchen werden auch gewerblich genutzt, zum Beispiel in Drehtrommeln zum Entgraten und zur Oberflächenbehandlung.
  • Steinkügelchen bzw. Märbeln sind ein beliebtes Kinderspielzeug. Das Mühlengewerbe zur Herstellung der aus Kalkstein bestehenden Märbeln war u. a. im Meininger Oberland weit verbreitet. 1900 waren dort 87 Märbelmühlen in Betrieb.[2]
  • Vielfach sind Steinkugeln auch wegen ihres Aussehens beliebt, insbesondere, wenn als Ausgangsmaterial Halbedelsteine oder Edelsteine verwendet wurden. Größere Kugeln aus Stein werden als dekorative Elemente in der Architektur eingesetzt.

Heutige Bauform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutzutage werden nicht mehr die traditionellen Steinmühlen verwendet, sondern hochentwickelte industrielle Mühlen.

Schaumühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die letzte traditionelle Kugelmühle Deutschlands befindet sich in der bayerischen Marktgemeinde Marktschellenberg. Die 1683 gegründete Anlage gehört zu den einstmals 40 Untersberger Marmorkugelmühlen am Almbach und zählt zu den ältesten Gewerbebetrieben Bayerns.

Eine neu erstellte Kugelmühle befindet sich am Seebach im baden-württembergischen Neidlingen am Albtrauf, dort wird heimischer Juramarmor rundgeschliffen. Sie wird seit 2005 im Nebenerwerb betrieben. Die Neidlinger Kugelmühle ist seit Juli 2016 als Geopoint des UNESCO Geopark Schwäbische Alb ausgezeichnet.

Weitere Kugelmühlen finden sich im Untersbergmuseum Fürstenbrunn, Österreich sowie auf dem Museumsvorplatz des Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf im oberbayerischen Landkreis Traunstein[3].


Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Süddeutsche Zeitung: Vergessene Professionen: Diese Jobs gibt es nicht mehr. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  2. Günther Hoppe, Jürgen John: Stätten und Denkmale der Geschichte in den Bezirken Erfurt, Gera, Suhl (= Historischer Führer.). Urania-Verlag, Leipzig u. a. 1978, S. 249 f.
  3. Robert Darga: Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf, Weltkunst Verlag München 1998, Seite 13

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Steinmühlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachbau einer historischen Kugelmühle in Seehamm/Österreich, die heute noch in Betrieb ist: http://www.teufelsgraben.at/Kugelmuehle/Dia/index.html / http://www.teufelsgraben.at/pages/kugelmuehle.html#