Neidlingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Neidlingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neidlingen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 35′ N, 9° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 456 m ü. NHN
Fläche: 12,63 km2
Einwohner: 1802 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 143 Einwohner je km2
Postleitzahl: 73272
Vorwahl: 07023
Kfz-Kennzeichen: ES, NT
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 043
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kelterstraße 1
73272 Neidlingen
Website: www.neidlingen.de
Bürgermeister: Klaus Däschler
Lage der Gemeinde Neidlingen im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-KreisLandkreis BöblingenLandkreis GöppingenLandkreis LudwigsburgLandkreis ReutlingenLandkreis TübingenRems-Murr-KreisStuttgartAichtalAichwaldAltbachAltdorf (Landkreis Esslingen)AltenrietAltenrietBaltmannsweilerBempflingenBeuren (bei Nürtingen)Bissingen an der TeckDeizisauDenkendorf (Württemberg)Dettingen unter TeckErkenbrechtsweilerEsslingen am NeckarFilderstadtFrickenhausen (Württemberg)GroßbettlingenHochdorf (bei Plochingen)HolzmadenKirchheim unter TeckKöngenKohlberg (Württemberg)Kohlberg (Württemberg)Leinfelden-EchterdingenLenningenLichtenwaldNeckartailfingenNeckartenzlingenNeidlingenNeuffenNeuhausen auf den FildernNotzingenNürtingenOberboihingenOhmdenOstfildernOwenPlochingenReichenbach an der FilsSchlaitdorfUnterensingenWeilheim an der TeckWendlingen am NeckarWernau (Neckar)WolfschlugenKarte
Über dieses Bild

Neidlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neidlingen (2019)

Neidlingen liegt im mittleren nördlichen Vorland der Schwäbischen Alb im oberen Tal der Lindach, östlich des Randecker Maars. Die nächste größere Stadt ist Weilheim an der Teck. Neidlingen ist mit seiner ganzen Markung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Neidlingen gehören außer dem Dorf Neidlingen keine weiteren Orte. Im Gebiet der Gemeinde liegen die abgegangenen Burgen Erkenberg, Burg Windeck, Ruine Heimenstein, Reußenstein, Burgstall an der Lindach und Burgstall Im Hof[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Weilheim an der Teck (Landkreis Esslingen), im Osten Gruibingen und Wiesensteig, beide Landkreis Göppingen, im Südwesten Lenningen (Ortsteil Schopfloch) und im Westen Bissingen an der Teck (Ortsteil Ochsenwang) (beide Kreis Esslingen).

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neidlingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

Vorgeschichte und Altertum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lindachtal wurde bereits sehr früh besiedelt. Dies zeigen Funde aus der Jungsteinzeit. Auf dem Butzenberg, der auch Lichtenstein genannt wird, wird eine Befestigung aus der Hügelgräberbronzezeit vermutet, auf dem Erkenberg eine aus der Hallstattzeit. Zudem wurde in der Heimensteinhöhle eine kleine keltische Statuette gefunden. Die Straße durch das Tal stammt aus römischer Zeit.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung wurde um 400 von den Alamannen begründet. Der Ortsname geht auf den Personennamen Nidilo zurück. Früher als die Mehrzahl der übrigen Kreisgemeinden taucht Neidlingen als Nitlinga in der schriftlichen Überlieferung auf: Im Jahre 797 wurde der Ort erstmals in einer Urkunde des Lorscher Codex erwähnt. Während des Hochmittelalters lag der Ort im Herzogtum Schwaben. Die hohe Obrigkeit wechselte im Verlaufe des Spätmittelalters mehrmals.

Zwei Wasserburgen aus dem 13. Jahrhundert lagen im Ort, sind aber längst abgegangen. Nachdem die jüngere 1517 zerstört wurde, entstand wenige Meter nördlich bis 1536 ein vierflügeliges Wasserschloss (auf der Zeichnung von Andreas Kieser gut zu erkennen).

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1564 wurde den damaligen Besitzern, den Herren von Freyberg, vom Kaiser die Blutgerichtsbarkeit verliehen. Damit war Neidlingen unter reichsunmittelbarer Herrschaft. 1596 fiel der Ort durch Erbschaft endgültig an das Herzogtum Württemberg. Aus der reichsunmittelbaren Herrschaft wurde nunmehr ein besonderes württembergisches Amt, die Vogtei Neidlingen. Neben dem Amt Kirchheim führte diese Vogtei bis ins 19. Jahrhundert ihr eigenes Leben.

Nach der Gründung des Königreichs Württemberg kam Neidlingen 1807 zunächst zum neu gebildeten Oberamt Wiesensteig und 1810 zum Oberamt Kirchheim. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Neidlingen 1938 zum Landkreis Nürtingen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde am 20. April 1945 durch feindliche Jagdbomber beschossen, bei dem ein Gebäude in Brand geriet und zwei Einwohner getötet wurden. Am 21. April versuchte die deutsche Wehrmacht auf der Straßenkreuzung Hepsisau-Neidlingen die Amerikaner am Aufstieg zur Alb zu hindern, die um 11 Uhr jedoch mit Panzer einfuhren, womit der Krieg in Neidlingen zu Ende ging. Zwischen 1972 und 1991 fanden Flurbereinigungen statt.[4]

Im Jahre 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Seit der Kreisreform von 1973 ist Neidlingen Teil des Landkreises Esslingen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus in Neidlingen

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohnerzahl
3. Dezember 1834 ¹ 891
1. Dezember 1871 ¹ 878
1. Dezember 1900 ¹ 856
17. Mai 1939 ¹ 894
13. September 1950 ¹ 1.211
6. Juni 1961 ¹ 1.151
27. Mai 1970 ¹ 1.387
25. Mai 1987 ¹ 1.602
31. Dezember 1995 1.882
31. Dezember 2000 1.909
31. Dezember 2005 1.908
31. Dezember 2010 1.818
31. Dezember 2015 1.838
31. Dezember 2020 1.802

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1962–1998 Ulrich Rieker
  • 1998–2014 Rolf Kammerlander
  • seit 2014 Klaus Däschler

Bei der Wahl im Dezember 2013 erhielt der Kriminalbeamte Klaus Däschler 58 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Rolf Kammerlander 38 Prozent.[5] Am 19. Dezember 2021 wurde Jürgen Ebler mit 57,4 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Neidlingen gewählt. Amtsinhaber Däschler trat nicht mehr an.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neidlingen hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis[6]. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
60
50
40
30
20
10
0
53,82 %
46,18 %
WUB
NWV
Gewinne/Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,72 %p
−2,72 %p
WUB
NWV
WUB Wählervereinigung unabhängiger Bürger für Neidlingen 53,82 5 51,1 5
NWV Neidlinger Wählervereinigung 46,18 5 48,9 5
gesamt 100,0 10 100,0 10
Wahlbeteiligung 61,15 % 62,1 %

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt in geteiltem Schild oben in Silber einen grünen Eichenzweig mit 3 Eicheln, unten in Grün ein silbernes N (für Neidlingen). Das Wappen ist bereits seit 1669 in Gebrauch. Zwischen 1807 und 1952 führte die Gemeinde ein anderes Wappen. 1952 wurde wieder das Wappen von 1669 angenommen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neidlingen liegt am Schwäbische-Alb-Radweg, einem Fernradweg, der vom Bodensee nach Nördlingen über die gesamte Schwäbische Alb führt. Oberhalb des Ortes verlaufen der Albsteig (auch Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg oder HW1), einer der beliebtesten Fernwanderwege Deutschlands, der entlang des Albtraufs von Donauwörth bis Tuttlingen verläuft, sowie der Alb-Crossing, ein Fernradweg, geeignet für Mountainbiker oder Gravel-Biker, der in sechs Etappen von Aalen bis nach Tuttlingen führt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neidlingen verfügt über eine eigene kleine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neidlinger Tal mit Wiesen und Streuobstwiesen, im Hintergrund die Burgruine Reußenstein
Kugelmühle in Betrieb
  • Die Kirschblüte im Neidlinger Tal ist in der ganzen Region bekannt: Mehr als 20.000 Kirschbäume wachsen an den fruchtbaren und klimatisch günstigen Hängen zur Alb.
  • Hinten im Tal liegt der Bannwald Pfannenberg, der seit über 100 Jahren sich selbst überlassen ist.
  • Am Seebach in Neidlingen liegt eine der letzten (laut Auskunft auf ihrer Homepage) produzierende Kugelmühlen Deutschlands. Hier werden Kugeln aus den Gesteinen der Umgebung hergestellt.[7]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wahrzeichen Neidlingens ist die einen das Tal beherrschenden Fels krönende Burgruine Reußenstein. Die Burg, die Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde und deren Besitzer mehrfach wechselten, war bis ins 16. Jahrhundert bewohnt und zerfiel dann.
  • Die historische Pfarrscheuer im Ort wurde in den 1970er Jahren vor dem Abriss bewahrt und dient heute als Gemeindehaus.
  • Die evangelische Pfarrkirche wurde 1746 im Schlossgarten neu erbaut.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neidlinger Wasserfall

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Drachen- und Gleitschirmfliegern ist Neidlingen auch als Fluggebiet bekannt. Der Startplatz liegt an einem Westhang östlich oberhalb von Neidlingen (270 Meter Höhendifferenz).

Der Turnverein 1910 Neidlingen betreibt die Sportarten Fußball, Leichtathletik, Wintersport und Inline-Skaten und hat nach eigenen Angaben fast die Hälfte der Einwohner als Mitglieder.[8]

Weitere Sportvereine sind der Schützenverein Neidlingen 1873 e. V. sowie der Tennisclub Neidlingen e. V. 1981.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwetschgenmarkt (Krämermarkt, jährlich am 21. September)
  • Zwetschgenmarktfest (Dorffest, am Wochenende vor oder nach dem Zwetschgenmarkt)
  • Adventsmarkt (Samstag vor dem ersten Advent)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Hepperle (* 10. März 1882 in Neidlingen, † 28. Februar 1976 in Kirchheim unter Teck), Schreiner und Harmoniumbauer, Inhaber der Firma Teck-Harmonium in Kirchheim unter Teck

Persönlichkeiten, die in Neidlingen gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Seufferheld (1866–1940), Maler, Professor an der Universität Tübingen, lebte im Sommer in Neidlingen
  • Konrad Widerholt (1598–1667), württembergischer Kommandant, erhielt 1650 die Herrschaft über Neidlingen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Neidlingen. In: Rudolf Moser (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Kirchheim (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 16). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1842, S. 208–218 (Volltext [Wikisource]).
  • Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 668–691.
  • Der Landkreis Esslingen – Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seiten 214–225.
  • Christoph J. Drüppel: Neidlingen: Geschichte der Herrschaft, Vogtei und Gemeinde unter dem Reußenstein [Hrsg.: Gemeinde Neidlingen]. – Neidlingen : Gemeinde Neidlingen, 1997. ISBN 3-925589-16-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neidlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 251–252.
  3. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Neidlingen.
  4. Geschichte Neidlingens
  5. Ulrich Stolte: Kommissar stürzt Bürgermeister. Stuttgarter Zeitung, 1. Dezember 2013, abgerufen am 5. Juni 2014.
  6. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  7. Kugelmühle Neidlingen. 26. Oktober 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  8. TVN Porträt, abgerufen am 27. Dezember 2015.