Stolipinowo

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Stolipinowo (bulg. Столипиново) ist ein Stadtteil der bulgarischen Stadt Plowdiw und mit etwa 45.000 Einwohnern die größte Roma-Community auf der Balkanhalbinsel. Das Viertel liegt am nordöstlichen Stadtrand von Plowdiw am Südufer der Mariza.

Stolipinowo unterscheidet sich von anderen Roma-Vierteln in Bulgarien vor allem dadurch, dass sich die Mehrheit der Einwohner zu den türkischsprachigen, muslimischen Horahane Roma, auch "Xoraxane Roma" genannt, zählt, während sich nur etwa 5.000[1] Einwohner als romanessprachige, christliche "Dassikane Roma" bezeichnen.[2]

Seit dem Ende der sozialistischen Ära 1989 gab es kaum Investitionen in die Infrastruktur Stolipinowos.[3] In Verbindung mit einer rapiden, meist illegalen Bautätigkeit führte dies zu massiven Problemen in den Bereichen Strom- und Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung.

Über Bulgarien hinaus wurde Stolipinowo bekannt, als es im Frühjahr 2002 zu Ausschreitungen in Plowdiw kam, nachdem das örtliche Stromversorgungsunternehmen den Strom für das ganze Viertel komplett abgeschaltet hatte. Als Grund wurden unbezahlte Rechnungen eines großen Teils der Einwohner in Höhe von mehreren Millionen Lew (1 Lew sind ca. 0,50 Euro) angeführt.[4] Diese "Sippenhaftung" wurde von vielen Menschenrechtsorganisationen als illegal verurteilt.[5] Nach Beruhigung der Lage in Viertel wurde ein "Kompromiss" ausgehandelt. Seitdem wird Stolipinowo zumindest nachts mit Strom versorgt. Am 31. Oktober 2006 wurde diese Praxis des Stromversorgers vom Kreisgericht Plowdiw als "diskriminierend" verurteilt.[6]

Die Versorgung mit Trinkwasser ist ebenfalls problematisch, da die meisten Wasserleitungen verrottet sind und die Bewohner gezwungen sind, das Wasser auf der Straße aus den Hydranten zu zapfen. In den meisten illegalen Bauten gibt es überhaupt kein Wasser.

Die Kanalisation in Stolipinowo ist größtenteils verrottet, illegale Bauten sind überhaupt nicht an das Kanalnetz angeschlossen. Das Abwasser läuft oberirdisch von den Häusern zu den Abwasserschächten in den Hauptstraßen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. European Forum for Democracy and Solidarity (Memento vom 19. Februar 2008 im Internet Archive)
  2. "The Relations of Ethnic and Confessional Conciousness of Gypsies in Bulgaria", Elena Marushiakova, Vesselin Popov (Memento vom 13. Juli 2007 im Internet Archive) (PDF; 176 kB)
  3. osservatorio balcani, June 4, 2002
  4. "Protest gegen hohe Preise und Armut", taz vom 23. Februar 2002
  5. "Bulgarian Helsinki Committee" (Memento vom 2. Februar 2007 im Internet Archive)
  6. Режимът на тока в “Столипиново” – източник на дискриминация и корупция, mediapool.bg, 8. November 2006

Koordinaten: 42° 9′ 15″ N, 24° 47′ 6″ O