Stradella-Bass

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Unter dem Stradella-Bass-System versteht man im Akkordeonbau die Anordnung der Basstöne in Quinten in vertikaler Richtung mit den am häufigsten gebrauchten Dur-, Moll- und Septakkorden in horizontaler Anordnung. Der Tonumfang ist hier auf eine große Septime beschränkt, wobei jedoch, je nach Bauart und Register, bei den Basstönen bis zu fünf Oktaven gleichzeitig und bei den Akkorden bis zu drei Oktaven gleichzeitig ertönen.

Knopfumfang der Standard-Akkordeongrößen. Die umrandeten Bässe sind meist durch eine Mulde oder Riffel markiert. Die Terzbässe liegen in Richtung des Balgs.

Das Stradella-Bass-System verwendet Knopfreihen, die im Abstand gemäß dem Quintenzirkel angeordnet sind. So hat jeder Knopf(-Ton) (als Tonika interpretiert) benachbart (oberhalb) seine Dominante und (unterhalb) seine Subdominante. In der Schweiz existiert diese Anordnung auch spiegelverkehrt unter der Bezeichnung "Schweizer Bass" bei älteren Instrumenten der Marken Eichhorn, Record u. a.

Die erste vertikale Reihe ist die große Terz zum Grundton (Terzbass*), die zweite Reihe der Grundton selbst (Grundbass).

  • Der sog. Terzbass klingt allerdings bauartbedingt bei 4 der 12 Grundbässe eine kleine Sext tiefer als der Grundbass (dies entspricht aber harmonisch wieder einer großen Terz).

In den folgenden Reihen erklingen dann die Akkorde: Zuerst der Dur-Akkord, dann der Moll-Akkord, gefolgt vom Sept-Akkord und vom verminderten Sept-Akkord.

Beim fortgeschrittenen Spiel ist es üblich, mit dem vorhandenen Material an Grundtönen und Akkorden auch neue, nicht direkt implementierte Akkorde zu kombinieren; z. B.

a-moll-7 = A-(als Terz-)Bass + c-Dur-Akkord oder fm6 = fm + fv7 (die verminderte Septe in fv7 entspricht einer großen Sexte).

In Abhängigkeit vom Preis können manche Reihen unter Umständen nicht ausgeführt oder mit anderen gekoppelt sein.

Notation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Basston wird meist in der großen Oktave, der Akkord wird etwa vom kleinen es bis etwa zum f1 notiert. (Wobei allerdings die geschriebene Lage des Akkordes bei einem Akkordeon mit Stradella-Bass-System nicht immer richtig gespielt werden kann.)

Der einfacheren Lesbarkeit wegen (es würde nicht reichen, die drei Noten des Akkordes zu lesen - as-b-d, man muss auch wissen, wie dieser Akkord heißt - b7) werden die Noten zusätzlich mit alphanumerischen Akkordbezeichnungen versehen.

Die Akkorde werden gemäß der Akkordsymbolik in kleinen Buchstaben notiert (über oder unter den Akkord im Notentext geschrieben; c = c-Dur; cm = c-moll c7 = c7, cv bzw. cv7 = c-vermindert).

Der Grundbass wird in Großbuchstaben, der Terzbass in unterstrichenen Großbuchstaben beziffert.

Im russischsprachigen Raum werden die Akkorde ausnotiert (alle drei klingenden Akkordbestandteile als Noten), in Klammern steht jedoch der Grundton (als Note, ohne Notenhals) darunter, darüber als Buchstabe, ob es sich um einen Dur-, Moll-, Sept- oder verminderten Akkord handelt. Б steht für Dur-, М für Moll-, 7 für Sept- und У für den verminderten Akkord. Bässe werden dort nicht beziffert. - Folgt auf einen Bass ein gleichnamiger Akkord (auf den C-Bass folgt ein c-Akkord, so wird der in Klammer geschriebene Grundton beim Akkord weggelassen).

Im englischsprachigen Raum werden die Akkorde nur mit dem Grundton notiert (z. B. als c1 im Bass-Schlüssel); darüber steht ein M, für - in diesem Fall c-Dur (major), m für c-moll (minor), 7 für c7 oder d für den verminderten Septakkord (diminished). Bässe werden dort nicht beziffert. (Das „große M“ steht für die große Terz im Dur-Akkord, das „kleine m“ für die kleine Terz im Moll-Akkord; im Englischen fangen die Ausdrücke für Dur und Moll leider mit dem gleichen Buchstaben an.)

Daneben wurden vereinzelt in den USA Akkorde ausnotiert, der Grundton jedoch dick, die Terz, Quinte und ggf. die Septe dünn gedruckt. So konnte der Spieler sofort den Grundton des Akkordes erkennen. Darüber stand ein M, m, 7 oder ein d. Diese Notation hat sich jedoch nicht durchgesetzt, ist jedoch bei einigen alten US-Noten noch aufzufinden.

Übliche Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 12-Bass: 6x2 Knöpfe, Grundbass-Noten von B bis A (die dritte bis achte Spalte der beschriebenen Tastenreihen ist nur ausgeführt) und der Grundbass kann nur mit Dur-Akkorden begleitet werden.
  • 24-Bass: 8x3 Knöpfe von Es bis E, es gibt Grundbass, Dur- und Moll-Akkorde.
  • 32-Bass: 8x4 Knöpfe von Es bis E, es gibt Grundbass, Dur-, Moll- und Septimenakkorde.
  • 40-Bass: 8x5 Knöpfe von Es bis E, es gibt Grundbass, Terzbass, Dur-, Moll- und Septimenakkorde.
  • 48-Bass: 8x6 Knöpfe von Es bis E, es gibt alle oben beschriebenen Tasten.
  • 60-Bass: 12x5 Knöpfe von Des bis Fis, es gibt Grundbass, Terzbass, Dur-, Moll- und Septimenakkorde.
  • 72-Bass: 12x6 Knöpfe von Des bis Fis, es gibt alle oben beschriebenen Tasten.
  • 80-Bass: 16x5 Knöpfe von Ces bis Gis, es gibt Grundbass, Terzbass, Dur-, Moll- und Septimenakkorde.
  • 96-Bass: 16x6 Knöpfe von Ces bis Gis, es gibt alle oben beschriebenen Tasten.
  • 120-Bass: 20x6 Knöpfe von A bis Ais — das ergibt 20 Tastenspalten — es gibt alle oben beschriebenen Tasten.

Für einige Länder typisch sind Ausführungen, bei denen die Dominantseptakkorde weggelassen werden und die quintfreien verminderten Akkorde um eine Reihe verschoben sind, womit g-vermindert in der C-Reihe funktionell als C7 (ohne Grundton) einsetzbar ist (der g-vermindert-Akkord besteht aus den Tönen g - b - e (e = fes = verm. Septime zu g).

Speziell in Frankreich ist das 3+3-System, bei dem die solchermaßen eingesparte Akkordreihe durch eine dritte Bassreihe (mit dem Mollterzbass) ersetzt wurde, weit verbreitet (vor dem C-Bass ist der E-Bass, davor der Es-Bass).

Seltene Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind auch vereinzelt Varianten im Gebrauch, die eine etwas veränderte Anordnung der Tasten besitzen; zum Beispiel hat die Fa. Soprani in Castelfidaro Modelle auf den Markt gebracht, die im Bezirk Marche angeblich heute noch verbreitet sind. Diese Tastenanordnung wird teilweise auch als belgisches System bezeichnet.

      Oben
       ...   f  fm  f7  f°
B      A  F  c  cm  c7  c°
A      E  C  g  gm  g7  g°
L      B  G  d  dm  d7  d°
G      F# D  ...

Mechanik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine verbreitete Ausführung ist eine vierchörige Bass-Seite. Diese ist unterteilt in 4 Basschöre und 2 Akkordchöre mit jeweils 12 Tönen von G bis fis (auch E - dis, auch C - H; je nach Ausführung).

Die Tonlöcher, welche den Luftstrom zur entsprechenden Stimmzungen bringen, werden bei den 4 Basschören synchron geöffnet, bei den 2 Akkordchören ebenso (Bei einem vierchörigen Bass besteht der C-Bass z. B. aus C c c1 c2; bei einem Akkord, der ein c enthält, z. B. c-Dur, f-moll, d7, av7, werden bei den benötigten c1 bzw. c2 die gleichen Stimmzungen aktiviert wie beim C-Bass).

Sind Register auf der Bassseite des Akkordeons vorhanden, können verschiedene Chöre stummgeschaltet werden.

Mit diesen 48 Tönen (eines in der Bass-Seite vierchörigen Instruments) werden in der Stradella-Mechanik bis zu 120 Bass- und Akkordknöpfe belegt (vereinzelt auch bis zu 140).

  • Die Akkord-Chöre sind an die jeweils tongleichen Basschöre angehängt.
  • Die Dur-Akkorde werden gebildet durch: Grundton + große Terz + Quinte.
  • Die Moll-Akkorde werden gebildet durch: Grundton + kleine Terz + Quinte.
  • Die Sept-Akkorde werden gebildet durch: Grundton + große Terz + kleine Septime.
  • Die Verminderten-Akkorde werden gebildet durch: Grundton + kleine Terz + verm. Septe (entspricht große Sexte).
⇒ Bässe werden - je nach Anzahl der Chöre und des Registers - mit 1 - 6 (gleichnamigen) Tönen in ggf. verschiedenen Oktavlagen gebildet - abhängig von der Anzahl der Chöre und des Registers.
⇒ Akkorde werden - je nach Anzahl der Chöre und des Registers mit 1 bis 3 × 3 Tönen gebildet.
Ein c-Dur-Akkord kann aus g - c1 - e1 bestehen, aber auch aus g1 - c2 - e2, ggf. auch noch aus g2 - c3- e3 und den jeweiligen Kombinationen daraus, vereinzelt sind auch Töne doppelt vorhanden (also 2 x g - 2 x c1 - 2 x e1).

Die folgende Tabelle stellt die Zusammensetzung der einzelnen Akkorde bei einem Akkordeon dar.

Anm. Unter der "Akkordbezeichnung" steht erst der Dur-Akkord (klein geschrieben), dann der Moll-Akkord (mit "m" dahinter), dann der Septimen-Akkord (mit "7" dahinter), dann der verminderte (Septimen-)Akkord (mit "v" oder "v7" dahinter).

Oftmals werden verminderte Septimen-Akkorde teilweise enharmonisch verwechselt geschrieben (cv7 = c - es - a - anstatt "heses")

Bei einigen älteren Instrumenten klingt beim Sept-Akkord auch noch die Quinte mit; beim verminderten (Septimen-)Akkord klingt ggf. auch noch die verminderte Quinte mit.

Einige Instrumente haben den Septimen-Akkord ohne Grundton, dafür aber mit Quinte.; somit entspricht dort der c7-Akkord dem gv7.

Enharmonisch verwechselte Töne (fis - ges) klingen grundsätzlich gleich; somit ist der Ais-Dur-Akkord mit dem B-Dur-Akkord völlig identisch.

Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
ais ais cisis eis
aism ais cis eis
ais7 ais cisis gis
aisv(7) ais cis g
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
dis dis fisis ais
dism dis fis ais
dis7 dis fisis cis
disv(7) dis fis c
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
gis gis his dis
gism gis h dis
gis7 gis his fis
gisv(7) gis h f
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
cis cis eis gis
cism cis e gis
cis7 cis eis h
cisv(7) cis e b
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
fis fis ais cis
fism fis a cis
fis7 fis ais e
fisv(7) fis a es
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
h h dis fis
hm h d fis
h7 h dis a
hv(7) h d as
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
e e gis h
em e g h
e7 e gis d
ev(7) e g des
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
a a cis e
am a c e
a7 a cis g
av(7) a c ges
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
d d fis a
dm d f a
d7 d fis c
dv(7) d f ces (=h)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
g g h d
gm g b d
g7 g h f
gv(7) g b fes (=e)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
c c e g
cm c es g
c7 c e b
cv7 c es heses (=a)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
f f a c
fm f as c
f7 f a es
fv(7) f as eses (=d)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
b b d f
bm b des f
b7 b d as
bv(7) b des asas (=g)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
es es g b
esm es ges b
es7 es g des
esv(7) es ges deses (=c)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
as as c es
asm as ces (=h) es
as7 as c ges
asv(7) as ces (=h) geses (=f)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
des des f as
desm des fes (=e) as
des7 des f ces (=h)
desv(7) des fes (=e) ceses (=b)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
ges ges b des
gesm ges heses (=a) des
ges7 ges b fes (=e)
gesv(7) ges heses (=a) feses (=es)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
ces (=h) ces (=h) es ges
cesm (=hm) ces (=h) eses (=d) ges
ces7 (=h7) ces (=h) es heses (=a)
cesv(7) (=hv) ces (=h) eses (=d) heseses (=as)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
fes (=e) fes (=e) as ces (=h)
fesm (=em) fes (=e) asas (=g) ces (=h)
fes7 (=e7) fes (=e) as eses (=d)
fesv(7) =ev(7)) fes (=e) asas (=g) eseses (=des)
Akkordbezeichnung Grundton Terz Quinte Septime
heses (=a) heses (=a) des fes (=e)
hesesm (=am) heses (=a) deses (=c) fes (=e)
heses7 (=a7) heses (=a) des asas (=g)
hesesv(7) (=av(7)) heses (=a) deses (=c) asasas (ges)


Weitere Akkorde können folgendermaßen "zusammengebaut" werden (wenn nicht anders angegeben, sind die Septimen klein)


a) auf Dur-Basis

c6 ( c - e - a) = C + am

c56 (c - e - g- a) = (C +) c + am

c7 (c - e- g - h: mit großer Septime) = C + em bzw. c + em

c79 (c - e - g - b - d: und g9) = C + c + gm bzw. c + gm

c79 (c - e - g - b - des: mit k9) = (C +) c + bv7

c79 (c - e - g - h - d: mit großer Septime und g9) = C + c + g bzw. c + g (letzterer klingt etwas problematisch, da der Grundton nicht unten liegt)

c7 mit tief alterierter Quinte im Bass (Ges - c - e - b) = Fis - c7

c7 mit hoch alterierter Quinte im Bass ( Gis - c - e - b) = As (oder Gis) + c7 (schwer zu greifen)

c7 mit tief alterierter Quinte in einer oberen Stimme( c - e - ges - b) = C + ges7 bzw. His + fis7

c79 mit hoch alterierter Quinte in einer oberen Stimme und g9 (c - e -gis - b - d) c7 + e7

c79+ (mit hochalterierter None c - e - g - b - dis) (bzw. c7 mit hinzugefügter kk3) = c + es

csus (c - f - b; nicht ganz korrekt darstellbar), C + b wäre Kompromiss


b) auf Moll-Basis

cm7 ( c - es - g - b) = cm + es bzw. C + es

cm79 (mit g9) = (C +) cm + gm

cm79 (mit k9) = (C +) cm + bv7

cm6 (c - es - a) = cv7 (tatsächlich identisch mit cm6!)

cm56 (c - es - g - a) = cm + cv7

c (Neapolitaner) = C + as



c) auf Basis des verminderten Akkordes

c7 ohne Grundton (e - g - b)= gv7

c79 (ohne Grundton, mit k9)= ( e - b - des) = bv7

cv7 vierstimmig (c - es - ges - heses) = cv + esv bzw. cv + av bzw. fisv + av (klanglich jeweils völlig identisch)

c - es - ges - b = esm + esv7

c - es - ges - h = His + h oder disv7 + h (letzterer schwer zu greifen)


d) auf Basis des übermäßigen Akkordes

c übermäßig ist nicht darstellbar, klanglich wäre c7 + b7 bzw. c7 + d7 ein (fauler) Kompromiss, ggf. auch Gis + c7 (schwer zu greifen)

(ggf. empfiehlt es sich, den e7-Akkord als Alternative zu c übermäßig zu spielen - dieser enthält zumindest e und gis).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]